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MEISTERWERKE DER WORTE
Das Lexikon der klassischen Literatur
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Autoreneintrag · Konstantinos Kavafis
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Porträt Konstantinos Kavafis
Konstantinos Kavafis
1863 – 1933
– Autorenporträt –

Konstantinos Kavafis

1863 – 1933 · 70 Jahre

Einer der bedeutendsten griechischen Lyriker der Neuzeit, der sein Leben fast ganz in der griechischen Diaspora Alexandrias verbrachte und im Verborgenen aus Geschichte und eigenem Erleben dichtete.

Kurzbiografie↑

Zu den bedeutendsten griechischen Lyrikern der Neuzeit zählt Konstantinos Kavafis, geboren und gestorben in Alexandria. Sein Leben spielte sich fast ausschließlich in der griechischen Diaspora Ägyptens ab, fern vom griechischen Mutterland. Dieses sah er nur auf wenigen kurzen Reisen. Über drei Jahrzehnte verdiente er sein Geld als Angestellter einer ägyptischen Behörde. Im Verborgenen schuf er ein lyrisches Werk, das aus der griechischen und byzantinischen Geschichte ebenso schöpfte wie aus dem eigenen Erleben. Sein Selbstverständnis fasste er in die Worte: „Ich bin kein Hellene, ich bin kein Grieche. Ich bin hellenisch.“


Biografie↑

Geboren wurde Konstantinos Pétrou Kavafis am 29. April 1863 in Alexandria. Er war das neunte und letzte Kind der Charíklia Fotiádi und des Pétros Ioánnis Kaváfis. Die Familie war eine griechische Kaufmannsfamilie. In Alexandria war sie mit dem Handel ägyptischer Baumwolle zu Reichtum gekommen. Mit dem Tod des Vaters im Jahr 1870 übernahm der älteste Bruder Geórgios die Filiale des Unternehmens in Liverpool. 1872 übersiedelte auch die Mutter mit den übrigen Kindern nach England. Bis 1877 lebte die Familie wechselnd in London und Liverpool. Dort besuchte Kavafis wohl eine englische Schule. Der Einfluss dieser englischen Jahre gilt als prägend: Zeitlebens pflegte er ein als manieriert geltendes Griechisch mit englischem Akzent, und seine ersten Gedichte schrieb er in englischer Sprache.

Nach dem Konkurs des Unternehmens im Jahr 1876 kehrte die Familie 1877 nach Alexandria zurück. Kavafis nahm eine kaufmännische Ausbildung an einer griechischen Höheren Handelsschule auf. 1882 führten politische Unruhen gegen die britische Kolonialherrschaft zu Angriffen auf die ausländische Bevölkerung Alexandrias. Daraufhin floh die Mutter mit den jüngsten Kindern nach Konstantinopel. Kavafis wohnte dort im Haus der großväterlichen Familie Fotiádis, die dem städtischen Patriziat der Griechen angehörte. Er beendete seine kaufmännische Ausbildung. Wie schon in Alexandria studierte er die Schriften griechischer Autoren der Antike und der byzantinischen Zeit. Es wird angenommen, dass er sich in den Jahren bis zur Rückkehr nach Alexandria im Jahr 1885 seiner Homosexualität bewusst wurde. Sie prägt Teile seines späteren lyrischen Werks.

In Alexandria arbeitete Kavafis zunächst kurze Zeit als Zeitungskorrespondent und als Makler an der Baumwollbörse. 1889 trat er eine zunächst unbesoldete Stellung als Sekretär im Amt für Wasserwirtschaft des Ministeriums für Öffentliche Bauten an. Erst nach 33 Jahren, 1922, gab er diese ungeliebte Brotarbeit auf, zuletzt in der Position eines stellvertretenden Abteilungsleiters. Sein ganzes übriges Leben verbrachte er in der griechischen Diaspora in Ägypten, unterbrochen von zwei Reisen nach Paris und London sowie von nur drei kurzen Aufenthalten in Athen. 1932 wurde in Athen ein Kehlkopfkrebs diagnostiziert. Nach erfolgloser Behandlung starb Kavafis im Jahr 1933 an seinem 70. Geburtstag in Alexandria.


Literarische Merkmale↑

Aus zwei Quellen schöpfte Kavafis seine Dichtung: aus der Geschichte und aus dem eigenen Erleben. Sein jahrelanges Studium der griechischen Autoren der Antike und der byzantinischen Zeit hinterließ deutliche Spuren. Antike Motive und historische Stoffe kehren in seinen Versen immer wieder. Daneben steht eine Liebesdichtung, in der sich seine Homosexualität niederschlägt und die Teile des Werks prägt. Schon die deutschen Ausgaben spiegeln diese beiden Pole: Die eine Sammlung versammelt historische Gedichte, die andere Liebesgedichte. Geprägt ist sein Schreiben auch von den englischen Jahren seiner Jugend. Seine ersten Gedichte entstanden auf Englisch, und sein Griechisch behielt einen englischen Akzent. Vieles entstand und blieb im Verborgenen, manches wurde erst aus dem Nachlass bekannt.


Rezeption↑

Neben Kostis Palamas, Giorgos Seferis, Odysseas Elytis und Giannis Ritsos gilt Kavafis als einer der bedeutendsten griechischen Lyriker der Neuzeit. Im deutschen Sprachraum wurde sein Werk seit den 1950er Jahren in zahlreichen Übersetzungen zugänglich gemacht. Den Anfang machte eine von Helmut von den Steinen besorgte Ausgabe im Suhrkamp Verlag 1953. Später folgte unter anderem die Gesamtausgabe der Gedichte unter dem Titel Brichst du auf gen Ithaka. Hinzu kam eine von Robert Elsie übersetzte Ausgabe seines Gesamtwerks, eingeleitet von Marguerite Yourcenar. Yourcenar hatte ihm bereits 1978 eine eigene kritische Würdigung gewidmet. Ein Band mit Liebesgedichten erschien 1989 mit dreizehn Radierungen von David Hockney. Auch Gedichte aus dem Nachlass und verworfene oder unveröffentlichte Verse wurden in eigenen Sammlungen herausgegeben. Das bezeugt das anhaltende Interesse an seinem Werk.

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