Meisterwerke der Worte
MEISTERWERKE DER WORTE
Das Lexikon der klassischen Literatur
MEISTERWERKE DER WORTE
Das Lexikon der klassischen Literatur
Autoreneintrag · Thomas Wolfe
Eingang · Autoren · Thomas Wolfe
Porträt Thomas Wolfe
Thomas Wolfe
1900 – 1938
– Autorenporträt –

Thomas Wolfe

1900 – 1938 · 37 Jahre

Amerikanischer Erzähler, der sein eigenes Leben in gewaltige Romane wie „Schau heimwärts, Engel" verwandelte und schon mit 37 Jahren starb.

Kurzporträt

Thomas Wolfe zählt zu den amerikanischen Erzählern des frühen 20. Jahrhunderts. Geboren wurde er 1900 in Asheville, North Carolina. Sein eigenes Leben und seine Herkunft verwandelte er in umfangreiche Romane, allen voran Schau heimwärts, Engel. Schon dieses erste Buch brachte ihm hohe Anerkennung ein. Sinclair Lewis stellte es in seiner Nobelpreisrede 1930 neben die besten Werke der amerikanischen Literatur. Wolfe starb früh, 1938 mit nur 37 Jahren. Er hinterließ Manuskriptmassen, aus denen weitere Romane erst nach seinem Tod zusammengestellt wurden.


Biografie

Als letztes von acht Kindern kam Thomas Clayton Wolfe am 3. Oktober 1900 in Asheville, North Carolina, zur Welt. Seine Mutter war irisch-schottischer Herkunft, sein Vater ein pennsylvaniadeutscher Steinmetz. Vier Jahre studierte Wolfe an der University of North Carolina at Chapel Hill. Dort trat er auch als Schauspieler bei den Carolina Playmakers auf. Ab 1920 setzte er sein Studium an der Harvard University fort.

Seine ersten schriftstellerischen Versuche galten dem Theater, blieben jedoch ohne Erfolg. Von 1924 bis 1929 hatte Wolfe eine Stelle als Dozent für amerikanische Literatur und Englisch am Washington Square College der Universität New York. Diese Anstellung gab er schließlich auf, um sich ganz dem Schreiben zu widmen. 1929 erschien sein Roman Look Homeward, Angel (deutsch Schau heimwärts, Engel). Darin verewigte er seine Heimatstadt Asheville unter dem erfundenen Namen Altamont. Sinclair Lewis würdigte das Buch 1930 in seiner Nobelpreisrede als das Werk eines jungen Mannes von ungefähr dreißig Jahren. Er nannte es eine Schöpfung von tiefer Lebenslust, die an die Seite der besten amerikanischen Literatur gehöre.

Wolfe unternahm insgesamt sechs Reisen nach Europa. Zwischen 1926 und 1936 hielt er sich wiederholt in Deutschland auf. Diese Aufenthalte summierten sich auf etwa acht Monate. Er reiste zwischen München, Berlin, Wiesbaden, Bonn, Köln, Leipzig, Frankfurt und Freiburg hin und her. Er besuchte das Oktoberfest, den Schwarzwald, Museen und Bars. Während der Olympischen Sommerspiele 1936 hielt er sich in Berlin auf. Dort traf er seinen deutschen Verleger Ernst Rowohlt. Seine Beobachtung der veränderten Verhältnisse in Deutschland schlug sich vor allem im Roman Es führt kein Weg zurück nieder. Darin schildert er die Verhaftung eines Juden an der Reichsgrenze.

Mit dem Dichter Hans Schiebelhuth fand Wolfe für seine ersten beiden Romane einen Übersetzer. Dieser trug dazu bei, dass er sich zeitweise in Deutschland höher geschätzt fühlte als in seiner Heimat. Zu seinen Bewunderern gehörte in Amerika William Faulkner, in Deutschland Hermann Hesse. Weitere Werke folgten, darunter der Erzählungsband Vom Tod zum Morgen (1935) und der Roman Von Zeit und Strom (1935).

Thomas Wolfe starb am 15. September 1938 in Baltimore, Maryland, an Gehirntuberkulose, noch nicht achtunddreißig Jahre alt. Beigesetzt wurde er im Familiengrab in seiner Heimatstadt Asheville. Aus den hinterlassenen Manuskripten stellte man postum die Romane Geweb und Fels (1939) und Es führt kein Weg zurück (1940) zusammen.


Literarische Merkmale

Sein Schreiben speiste sich unmittelbar aus dem eigenen Leben und der eigenen Herkunft. Schon der Untertitel seines Erstlings, „Eine Geschichte vom begrabenen Leben", deutet an, wie sehr Wolfe Erinnerung und gelebte Erfahrung zur Grundlage seiner Romane machte. Seine Heimatstadt Asheville gestaltete er als fiktiven Ort Altamont. Damit machte er sie literarisch unsterblich. Sinclair Lewis hob die schiere Größe und die Lebenslust dieses Werks hervor.

Bezeichnend für Wolfes Arbeitsweise ist die Fülle des Hinterlassenen. Aus den Manuskriptmassen, die er bei seinem frühen Tod zurückließ, ließen sich noch zwei weitere Romane zusammenstellen. In seinen Deutschland-Aufenthalten bewies er einen Scharfblick für die politischen Veränderungen seiner Zeit. In Es führt kein Weg zurück übersetzte er ihn in die hellsichtige Schilderung einer Grenzszene.


Rezeption

Schon zu Lebzeiten erfuhr Thomas Wolfe hohe Anerkennung. Sinclair Lewis stellte seinen ersten Roman 1930 in der Nobelpreisrede neben die besten amerikanischen Literaturwerke. In Amerika gehörte William Faulkner zu seinen Bewunderern.

Besonders eng war seine Wirkung in Deutschland. Hier übersetzte Hans Schiebelhuth seine ersten beiden Romane, und Hermann Hesse zählte zu seinen Bewunderern. Zeitweise fühlte Wolfe sich hier mehr geschätzt als in seiner Heimat. Seine Werke wurden über Jahrzehnte hinweg ins Deutsche übertragen und immer wieder neu aufgelegt, zuletzt in Neuübersetzungen von Irma Wehrli. Mehrere seiner Romane wurden verfilmt. Im Film Genius von 2016 verkörperte Jude Law den Schriftsteller. Über sein Werk entstand eine umfangreiche wissenschaftliche Literatur, darunter Arbeiten von Hans Helmcke und Ted Mitchell.

Mitglieder des YouTube-Kanals erhalten das ganze Lexikon als PDF zum Download – zum Sammeln, Offline-Lesen und Ausdrucken. Mitglied werden →

Aus dem Werkverzeichnis

Im Lexikon

Weitere Werke (Auswahl)

Vollständiges Werkverzeichnis bei Wikipedia (5 weitere Titel)

meisterwerke-der-worte.de · Auszug aus dem Lexikon · Alle Rechte vorbehalten