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Das Lexikon der klassischen Literatur
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Porträt Tennessee Williams
Tennessee Williams
1911 – 1983
– Autorenporträt –

Tennessee Williams

1911 – 1983 · 71 Jahre

Dramatiker des amerikanischen Südens, der in „Endstation Sehnsucht“ und „Die Katze auf dem heißen Blechdach“ die Abgründe hinter der Fassade der Südstaatengesellschaft aufdeckte – zweimal mit dem Pulitzerpreis geehrt.

Kurzbiografie↑

Thomas Lanier Williams III., geboren am 26. März 1911 in Columbus, Mississippi, wurde unter dem Namen Tennessee Williams zu einem der bekanntesten Dramatiker der Vereinigten Staaten. Den Spitznamen erhielt er von einem Studienfreund, der seinen Mississippi-Akzent für den des Bundesstaates Tennessee hielt. Mit Die Glasmenagerie gelang ihm 1944 in Chicago der erste Bühnenerfolg. Für Endstation Sehnsucht und Die Katze auf dem heißen Blechdach erhielt er 1948 und 1955 den Pulitzerpreis. Seine Stücke spielen im amerikanischen Süden; Kritiker ordnen ihren Stil dem Southern Gothic zu. Williams starb am 25. Februar 1983 in New York.


Biografie↑

Aufgewachsen ist Williams als zweites Kind von Cornelius Coffin Williams (1879–1957) und Edwina Williams, geborene Dakin (1884–1980). Der Vater arbeitete in Columbus, Mississippi, bei einer Telefongesellschaft. Die Mutter war die Tochter eines angesehenen episkopalischen Geistlichen und galt als lebensunpraktische, verzogene Südstaatenschönheit. Die Ehe der Eltern war nicht glücklich. Die Mutter verbrachte viel Zeit mit den Kindern im Pfarrhaus der Großeltern, deren gesellschaftliches Ansehen in der Kleinstadt sie genoss.

1919, Williams war acht Jahre alt, nahm der Vater eine Stelle als Schuhverkäufer in St. Louis im Bundesstaat Missouri an. Die Familie zog dorthin um. Williams verbrachte seine Jugend in beengten, ärmlichen Verhältnissen. Als sich die Beziehung der Eltern weiter verschlechterte, begann der Vater zu trinken und führte ein unstetes Leben. Cornelius Williams schlug seine Kinder. Den jüngeren Bruder Dakin zog er dem älteren Sohn vor.

Von 1929 bis 1932 studierte Williams Publizistik und Theaterwissenschaften an der University of Missouri-Columbia. Er brach das Studium ab und verdiente seinen Lebensunterhalt zunächst als Arbeiter in einer Schuhfabrik. In New York besuchte er die Kurse, die Erwin Piscator für junge Dramatiker anbot. 1940 erhielt er ein Stipendium der Rockefeller Foundation und schrieb Battle of Angels.

Das Manuskript zu Die Glasmenagerie wurde während eines kurzen, erfolglosen Aufenthalts in Hollywood zunächst abgelehnt. 1944 kam das Stück in Chicago auf die Bühne und wurde Williams' erster Erfolg. 1945 erhielt es den New York Drama Critics' Circle Award. 1948 folgte der Pulitzerpreis für Endstation Sehnsucht, 1955 ein zweiter für Die Katze auf dem heißen Blechdach. Die tätowierte Rose wurde 1950 ebenfalls in Chicago uraufgeführt und mit dem Tony Award als bestes Schauspiel ausgezeichnet; Williams widmete das Stück seinem Lebensgefährten Frank Merlo.

Seine ältere Schwester Rose Williams (1919–1996) war psychisch krank und emotional instabil. Sie verbrachte einen großen Teil ihres Lebens unter ärztlicher Aufsicht. 1943 wurde an ihr eine Lobotomie vorgenommen, zu der die Eltern ihre Zustimmung gaben. Das hat Williams ihnen nie verziehen.

In seinen Memoiren behauptet Williams, er sei bereits als Jugendlicher sexuell aktiv gewesen. Sein Biograph Lyle Leverich geht dagegen davon aus, dass er erst als Endzwanziger erste sexuelle Erfahrungen machte. Diese Frage ist in der Forschung also umstritten. Eine der wichtigsten homosexuellen Beziehungen seines Lebens war die zu seinem Sekretär Frank Merlo. Sie begann 1947 und endete 1961. Merlo gab ihm emotionale Stabilität; die in dieser Zeit entstandenen Werke gelten als seine besten. Als Merlo 1963 an Krebs starb, stürzte Williams in eine Depression, die sieben Jahre andauerte.

1950 kaufte Williams ein Haus in Key West, Florida, in der Duncan Street. Dort lebte er in den folgenden Jahren überwiegend bis zu seinem Tod. 1952 wurde er in die American Academy of Arts and Letters gewählt, 1962 in die American Academy of Arts and Sciences. Viele Jahre verbrachte er in Rom. Mit der italienischen Schauspielerin Anna Magnani verband ihn eine tiefe Freundschaft. Für sie schrieb er Die tätowierte Rose und Orpheus steigt herab; in beiden Stücken spielte sie die Hauptrolle.

Im Januar 1979 wurde Williams in Key West Opfer homophober Gewalt. Fünf Jugendliche schlugen auf ihn ein, er trug jedoch keine schweren Verletzungen davon. Vorausgegangen war eine Zeitungsanzeige gegen Homosexualität, die ein örtlicher Baptistenprediger geschaltet hatte und die mehrere tätliche Übergriffe nach sich zog.

Am 25. Februar 1983 starb Tennessee Williams im Alter von 71 Jahren während eines Aufenthalts in New York in seiner Suite im Hotel Elysée. Wikidata nennt als Sterbeort New York City, die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet New York, NY. Nach dem gerichtsmedizinischen Bericht erstickte er am Verschluss einer Flasche mit Barbituraten; die Mittel wurden in seinem Körper nachgewiesen. Beigesetzt wurde er in St. Louis.


Literarische Merkmale↑

Vor allem war Williams ein Autor des amerikanischen Südens. New Orleans, das Mississippi-Delta und die Küste des Golfs von Mexiko sind die Schauplätze seiner Stücke. Das Bild der puritanisch-bürgerlichen Südstaatengesellschaft lieferte ihm die Vorlage für zahlreiche Theaterstücke. Kritiker fassen den Stil seiner Schauspiele unter dem Begriff Southern Gothic, auf Deutsch Südstaatengotik.

Neben dieser Welt des Südens prägen autobiographische Bezüge sein Werk. Die schwierigen Familienverhältnisse finden in seinen Stücken einen Widerhall. Die Figur der Laura Wingfield in Die Glasmenagerie gilt als von seiner Schwester Rose angeregt, die Figur der Amanda Wingfield als von seiner Mutter. Auch Tom Wingfield im selben Stück und die Figur des Sebastian in Suddenly, Last Summer werden als autobiographisch beeinflusst gelesen. Brick Pollitt, die Hauptfigur in Die Katze auf dem heißen Blechdach, trägt ebenfalls deutliche Züge des Autors.


Rezeption↑

Anerkennung fand Williams schon zu Lebzeiten in großem Umfang. Die Glasmenagerie erhielt 1945 den New York Drama Critics' Circle Award. 1948 und 1955 wurde er mit dem Pulitzerpreis ausgezeichnet, zunächst für Endstation Sehnsucht, dann für Die Katze auf dem heißen Blechdach. Die tätowierte Rose brachte ihm den Tony Award als bestes Schauspiel ein.

Auch von den gelehrten Gesellschaften seines Landes wurde er aufgenommen: 1952 in die American Academy of Arts and Letters, 1962 in die American Academy of Arts and Sciences. Die Datenbank der Nobelstiftung führt ihn unter den für den Nobelpreis Vorgeschlagenen.

Sein Nachhall reicht über die Bühne hinaus bis in den Film; das Filmportal führt ihn unter den Personen des deutschen Filmerbes. In deutschen Sammlungen ist er unter anderem im Deutschen Literaturarchiv Marbach und im Kalliope-Verbund nachgewiesen. Seine Namensformen sind international vielfältig überliefert, vom Russischen über das Arabische bis ins Chinesische.

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