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MEISTERWERKE DER WORTE
Das Lexikon der klassischen Literatur
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Porträt Iwan Wasow
Iwan Wasow
1850 – 1921
– Autorenporträt –

Iwan Wasow

1850 – 1921 · 71 Jahre

Dichter, Romancier und Politiker, dessen Leben eng mit dem bulgarischen Freiheitskampf gegen die osmanische Herrschaft verbunden war und der in seiner Heimat bis heute als „Patriarch der bulgarischen Literatur“ verehrt wird.

Kurzbiografie↑

Als bulgarischer Dichter, Schriftsteller und Politiker gilt Iwan Wasow bis heute in seiner Heimat als „Patriarch der bulgarischen Literatur“. Er wurde 1850 geboren und starb 1921 in Sofia. Sein Leben und Werk sind eng mit der Bulgarischen Nationalen Wiedergeburt und dem Freiheitskampf gegen die osmanische Herrschaft verbunden. Zwischen 1897 und 1899 war er Bildungsminister in der Regierung der konservativen Volkspartei. In Odessa entstand sein Roman Unter dem Joch. Das bulgarische Nationaltheater in Sofia trägt seinen Namen.


Biografie↑

Geboren wurde Wasow 1850 als Sohn des Kaufmanns Mintscho Wasow und seiner Frau Saba. Als Geburtsort nennt Wikidata die Stadt Sopot, während die Deutsche Biographie den Ort Vazovgrad angibt; diese Angabe ist zwischen den Quellen umstritten. Seine Familie war traditionsbewusst und brachte auch die Revolutionäre und späteren Generäle Georgi und Wladimir Wasow sowie den Politiker Boris Wasow hervor.

Nach der bulgarischen Klosterschule besuchte er eine weiterführende Schule in Sopot. Früh kam er dort mit bulgarischer und ausländischer Literatur in Berührung. Sein in Russland ausgebildeter Lehrer Partenij Beltschew brachte ihm die russische Poesie und bulgarische revolutionäre Werke nahe. Ab 1865 lernte Wasow Griechisch in Kalofer bei dem Lehrer Botjo Petkow, dem Vater des Dichters und Freiheitskämpfers Christo Botew. In dessen Schule wurde Iwan wenig später Stellvertreter und Hilfslehrer.

Im Jahr 1866 schickte ihn sein Vater nach Plowdiw. Dort sollte er sein Griechisch verbessern und Türkisch erlernen, doch stattdessen wandte er sich dem Französischen zu und las die französischen Dichter Béranger, Victor Hugo und Lamartine. Zwei Jahre später holte ihn der Vater nach Sopot zurück, damit er die Geschäfte übernehme. Iwan füllte die Geschäftshefte jedoch lieber mit Versen als mit Zahlen; seine Mutter Saba unterstützte ihn dabei. Ein Teil dieser frühen Gedichte erschien 1880 unter dem Titel Majska Kitka.

Um den Kaufmannsberuf gründlicher zu erlernen, schickte ihn der Vater 1870 zu einem Onkel im rumänischen Oltenița. Auch dort galt sein Interesse nicht der Wirtschaft: Er lernte Rumänisch und beschäftigte sich mit den Revolutionsideen von Mihail Kogălniceanu, Vasile Alecsandri und Nicolae Bălcescu. Bald zog es ihn nach Brăila, wo er sich der großen bulgarischen Exilgemeinschaft anschloss. Dort traf er Christo Botew, dessen revolutionäre Ideen ihn stark prägten. Wasow nahm an den Treffen der Inneren Revolutionären Organisation und des Bulgarischen Revolutionären Zentralkomitees teil. Das harte Leben der Emigranten hinterließ tiefe Spuren in seinem Werk, etwa in der Novelle Unbeliebt und Heimatlos und in Freiheitskämpfer. In Brăila erschien 1870 auch sein erstes veröffentlichtes Werk, das Gedicht Borba („Kampf“).

Zwischen 1872 und 1873 kehrte Wasow in das noch von den Osmanen besetzte Bulgarien zurück und arbeitete als Lehrer in Mustafa Pascha, dem heutigen Swilengrad. Danach war er als Übersetzer beim Bau der Eisenbahnlinie Sofia–Kjustendil beschäftigt, lernte Deutsch und gewann Einblicke in das Leben der einfachen Bauern. 1875 kehrte er in seine Heimatstadt zurück und schloss sich dem Sopoter Revolutionären Komitee an. Nach der blutigen Niederschlagung des Stara-Sagora-Aufstands geriet er in Gefahr und emigrierte illegal nach Bukarest. Dort wurde er Sekretär der Zentralen Bulgarischen Wohltätigkeitsgesellschaft. Unter dem Pseudonym Pejtschin veröffentlichte er die Gedichtsammlungen Prjaporez i Gusla und Die Trauer Bulgariens.

Während des Russisch-Osmanischen Krieges von 1877 bis 1878 arbeitete Wasow als Schreiber beim russischen Vizekonsul Najden Gerow in Swischtow und Ruse. In dieser Zeit entstand die Gedichtsammlung Erlösung. Von 1879 bis 1880 war er Vorsitzender des Landgerichts in Berkowiza, obwohl er keine juristische Ausbildung besaß. Diese Erfahrungen lieferten ihm die Motive für das Poem Gramada.

Am 5. Oktober 1880 ließ sich Wasow in Plowdiw nieder, der Hauptstadt Ostrumeliens. Als Mitglied der prorussischen Volkspartei nahm er am politischen Leben teil, wurde Abgeordneter des Provinzparlaments und Redakteur mehrerer Zeitungen. 1881 wurde er Vorsitzender der Literarischen und Wissenschaftsgemeinschaft Plowdiw und Mitglied der Bulgarischen Akademie der Wissenschaften. 1885 gründete er zusammen mit Konstantin Welitschkow die Literaturzeitschrift Sora. In Plowdiw entstanden einige seiner bekanntesten Werke, darunter Epopöe der Vergessenen, das Gedicht Die Bulgarische Sprache und die Novelle Die Onkel.

Nach einem Putsch prorussischer Offiziere im Jahr 1886 und dem Gegenputsch Stefan Stambolows floh Wasow vor den Repressionen über Konstantinopel in das damals russische Odessa. Während seines Aufenthalts dort von 1886 bis 1889 schrieb er Unter dem Joch. 1889 kehrte er nach Bulgarien zurück und ließ sich in Sofia nieder. 1890 gründete er die Zeitschrift Denniza. Seine kritisch-realistischen Erzählungen fasste er unter dem Titel Kratzer und Striche zusammen. 1895 erschien der Roman Neues Land; gekränkt von der überwiegend negativen Kritik legte er das Schreiben für einige Jahre nieder.

Als die alte Volkspartei in der konservativen Volkspartei des Königreichs Bulgarien aufging, schloss sich Wasow der neuen Partei an. Unter Ministerpräsident Konstantin Stoilow wurde er 1897 Bildungsminister. Während der Balkankriege entstand eines seiner bekanntesten Gedichte, Ich bin ein Bulgare. Vor dem Ersten Weltkrieg gehörte er zunächst zu den Gegnern eines Eintritts an der Seite Deutschlands, würdigte im Verlauf des Krieges aber die bulgarischen Soldaten in Gedichten. Iwan Wasow starb 1921 in Sofia an einem Blutsturz.


Literarische Merkmale↑

Über viele Gattungen hinweg schöpfte Wasow sein Werk aus dem bulgarischen Freiheitskampf und dem Alltag der einfachen Bevölkerung. Er schrieb Gedichte, Romane, Novellen und Erzählungen ebenso wie das Poem Gramada. Seine Zeit als Übersetzer beim Eisenbahnbau gab ihm Einblick in die Lebensweise der Bauern, die in Werke wie das Poem über die Schopen einfloss. In den 1890er Jahren wandte er sich der kritisch-realistischen Erzählung zu. Nach dem Material bilden mehrere seiner Werke die Grundlage der neuen bulgarischen Literatur in verschiedenen Genres.


Rezeption↑

Bis heute wird Iwan Wasow in Bulgarien als „Patriarch der bulgarischen Literatur“ verehrt. Sichtbares Zeichen dieser Wertschätzung ist das bulgarische Nationaltheater in Sofia, das seinen Namen trägt. Seinen Roman Neues Land nahm die zeitgenössische Kritik allerdings überwiegend ablehnend auf; die Kränkung darüber ließ ihn für einige Jahre verstummen. Auch über Bulgarien hinaus wird sein Name in Erinnerung gehalten: Nach ihm sind der Vazov Point auf der Livingston-Insel in der Antarktis und eine Straße in Bratislava benannt.

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