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Das Lexikon der klassischen Literatur
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Autoreneintrag · Robert von Ranke-Graves
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Porträt Robert von Ranke-Graves
Robert von Ranke-Graves
1895 – 1985
– Autorenporträt –

Robert von Ranke-Graves

1895 – 1985 · 90 Jahre

Britischer Dichter und Erzähler, der mit seinen Romanen um Kaiser Claudius Weltruhm erlangte und aus seinem Refugium auf Mallorca über die antiken Mythen schrieb.

Kurzbiografie↑

Robert von Ranke-Graves war ein britischer Dichter und Schriftsteller, der 1895 in Wimbledon bei London geboren wurde und 1985 auf Mallorca starb. Im deutschen Sprachraum erschienen seine Werke unter diesem Namen, der auf seine deutsche Mutter aus der Familie von Ranke verweist. Weltweit bekannt wurde er vor allem durch seine historischen Romane über den römischen Kaiser Claudius. Daneben verfasste er Gedichte, eine viel gelesene Autobiografie über den Ersten Weltkrieg sowie Sachbücher über antike Mythen. Ein großer Teil seines Lebens und Schreibens war mit dem Dorf Deià auf Mallorca verbunden.


Biografie↑

Am 24. Juli 1895 kam Robert Graves in Wimbledon bei London zur Welt. Seine Mutter Amalie von Ranke war eine Großnichte des deutschen Historikers Leopold von Ranke; auf diese Herkunft geht der im Deutschen gebräuchliche Name Robert von Ranke-Graves zurück. Sein Vater Alfred Perceval Graves war Schulrat und Schriftsteller. Sein Halbbruder Philip Graves wurde als Korrespondent der Times in Konstantinopel bekannt, wo er nach dem Ersten Weltkrieg die „Protokolle der Weisen von Zion“ als antisemitische Fälschung entlarvte.

Über seine Erfahrungen im Ersten Weltkrieg veröffentlichte Graves mehrere Bücher. Dazu zählten die beiden Gedichtbände Over the Brazier und Fairies and Fusiliers sowie die Autobiografie Goodbye to All That. Nach dem Krieg studierte er in Oxford englische Literaturwissenschaft. 1926 wurde er auf einen Lehrstuhl für englische Literatur nach Kairo berufen. Schon nach einem Jahr kehrte er nach England zurück. Von 1929 an lebte er bis zum Ausbruch des Spanischen Bürgerkriegs in Deià auf Mallorca, wo er sich 1932 die Finca Ca N'Alluny errichtete.

Dort entstanden zwei erfolgreiche historische Romane: I, Claudius und Claudius the God. Für I, Claudius erhielt er 1935 den Hawthornden-Preis. Beide Romane wurden verfilmt, 1937 und 1976; die Fassung von 1976 entstand als Fernsehserie mit Derek Jacobi. Zurück in England und seit 1946 erneut auf Mallorca schrieb Graves weitere Romane. Daneben verfasste er Sachbücher mit vorwiegend historischen und mythologischen Themen, darunter The Greek Myths und The White Goddess. Im deutschen Sprachraum wurde besonders Die Götter Griechenlands bekannt. Seine Bibliografie umfasst insgesamt etwa 140 Bücher. 1954 wurde er Mitglied des Royal Anthropological Institute. Von 1961 bis 1966 lehrte er als Professor für Poetik in Oxford.

Während des Zweiten Weltkriegs wohnte Graves in Devon, wo er ein Nachbar von Agatha Christie war. Die beiden freundeten sich an, und Christie widmete ihm ihren Kriminalroman Kurz vor Mitternacht. In gegenseitiger Bewunderung war er mit der Filmschauspielerin Ava Gardner verbunden. In ihren Memoiren Ava: My Story beschrieb sie die Aufenthalte bei Graves und seiner Frau in Deià als unvergleichlich mit allem anderen in ihrem Leben; Graves widmete ihr mehrere Gedichte. 1971 trat er neben weiteren in Spanien lebenden Künstlern und Prominenten in dem Film Impromptu Balear auf.

Graves starb am 7. Dezember 1985 auf Mallorca. Der Name seines Sterbeorts wird uneinheitlich überliefert: Wikidata nennt ihn Deià, die Deutsche Biographie Deyá.


Literarische Merkmale↑

Kennzeichnend für Graves ist die Bandbreite seines Schaffens. Er arbeitete zugleich als Dichter und als Erzähler und wechselte mühelos zwischen den Gattungen. Aus seinen Kriegsjahren gingen Gedichtbände und eine Autobiografie hervor, aus den mallorquinischen Jahren historische Romane und mythologische Sachbücher.

Besonders die Stoffe der Antike prägten sein Werk. In I, Claudius und Claudius the God erzählte er römische Geschichte als Roman, in The Greek Myths und The White Goddess wandte er sich der Deutung antiker Mythen zu. So verband sich in seinem Schreiben literarische Erfindung mit historischem und mythologischem Interesse.


Rezeption↑

Bis heute wirkt Graves über sein eigenes Werk hinaus. Sein Buch The White Goddess übte großen Einfluss auf matriarchal inspirierte Künstlerinnen und Künstler aus, etwa auf Leonora Carrington, Remedios Varo und Wolfgang Paalen, in dessen mexikanischem Exil das Buch hoch angesehen war. Zudem regte es neopagane Religionen und besonders die Wicca-Bewegung an. Spätestens seit 1961 war Graves mit Gerald Gardner bekannt; seine 1954 veröffentlichte Kurzgeschichte An appointment for Candlemas lässt vermuten, dass er schon damals Kenntnisse über Wicca besaß.

Graves selbst wurde zur literarischen Figur. In der Roman-Trilogie Niemandsland, Das Auge in der Tür und Die Straße der Geister von Pat Barker ist er eine Hauptfigur. Die Bücher schildern seine Zeit in einem Lazarett für traumatisierte Offiziere im Ersten Weltkrieg, wo er auf Siegfried Sassoon und Wilfred Owen trifft.

Am 2. Juli 2006 wurde in Deià das Robert-Graves-Museum eröffnet. In der 1932 von ihm errichteten Finca Ca N'Alluny geben Originalmanuskripte und persönliche Gegenstände Einblick in sein Leben und Werk.

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