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Autoreneintrag · Graciliano Ramos
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Porträt Graciliano Ramos
Graciliano Ramos
1892 – 1953
– Autorenporträt –

Graciliano Ramos

1892 – 1953 · 60 Jahre

Brasilianischer Erzähler des dürren Nordostens, der in kargen, harten Sätzen vom Leben in der Dürre erzählte – bekannt geworden als „Autor der Dürre“.

Kurzbiografie↑

Graciliano Ramos zählt zu den bedeutenden Erzählern Brasiliens. Er wurde 1892 in Quebrangulo im Bundesstaat Alagoas geboren und starb 1953 in Rio de Janeiro. Seine Bücher handeln von den Menschen des trockenen Nordostens, jener Landschaft, die er aus eigener Anschauung kannte. Bekannt wurde er vor allem mit dem Roman Vidas secas, auf Deutsch Karges Leben, der ihm den Beinamen „Autor der Dürre“ eintrug. Neben Romanen schrieb er Erzählungen, ein Kinderbuch und autobiografische Bücher; als militanter Kommunist saß er 1936 ein Jahr in Haft.


Biografie↑

Geboren wurde Graciliano Ramos de Oliveira am 27. Oktober 1892 in Quebrangulo im nordostbrasilianischen Bundesstaat Alagoas. Er war das älteste von fünfzehn Geschwistern. Sein Vater war ein Kleinhändler, der die Tochter eines Viehzüchters aus dem trockenen Sertão heiratete und selbst als Viehzüchter sein Glück versuchte. Das Unternehmen scheiterte: Um 1895 tötete die Trockenheit das Vieh, und der Vater eröffnete wieder einen Laden. Die Eindrücke und Gestalten dieser Kindheit hat Ramos später literarisch verwertet.

Zur Literatur kam er durch das Vorbild eines schreibenden Postbeamten. Schon 1904 begann er, für Zeitungen und Zeitschriften zu schreiben. 1914 ging er als Lehrling nach Rio de Janeiro. Im folgenden Jahr starben seine Schwestern an der Pest. Ramos heiratete und brach die Berufsausbildung zum Revisor ab. Er kehrte in den Küstenstaat Alagoas zurück und wurde Geschäftsmann in Palmeira dos Índios im Landesinneren.

Dort übernahm er von 1928 bis 1930 das Bürgermeisteramt. In dieser Zeit verfasste er polemische Tätigkeitsberichte an den Gouverneur, in denen er die Schwierigkeiten einer geordneten Verwaltungsarbeit schilderte. Später wurde er Direktor des Erziehungswesens im Bundesstaat Alagoas.

Das Manuskript seines ersten Romans Caetés entstand 1926. Darin verarbeitete er seine Erfahrungen aus Palmeira dos Índios. Erst nach sieben Jahren wurde das Manuskript bekannt und daraufhin sogleich veröffentlicht. 1934 folgte São Bernardo.

Politisch stand Ramos weit links. Als militanter Kommunist saß er 1936 ein Jahr in Haft; der Kommunistischen Partei trat er allerdings erst 1945 bei. Während seines Gefängnisaufenthalts erschien der Roman Angústia, auf Deutsch Angst. Nach der Entlassung zog er als Privatmann nach Rio de Janeiro.

1938 erschien Vidas secas, das Buch, mit dem sein Name bis heute am engsten verbunden ist. Es folgten Erzählungen und autobiografische Bücher, darunter 1944 Histórias de Alexandre und 1945 Infância, auf Deutsch Kindheit. Weitere Bände erschienen 1946 mit Histórias Incompletas, 1947 mit Insônia und 1951 mit Histórias Verdadeiras.

Graciliano Ramos starb am 20. März 1953 in Rio de Janeiro. Im selben Jahr erschienen posthum seine Hafterinnerungen Memórias do Cárcere, eines von drei autobiografischen Büchern. 1954 kam der Band Viagem heraus.


Literarische Merkmale↑

Einfach, hart und oft parataktisch – so lässt sich die Schreibweise von Graciliano Ramos beschreiben. Er reiht kurze Hauptsätze aneinander, statt sie kunstvoll ineinanderzuschachteln. Zugleich arbeitet er viel mit inneren Monologen. Seine Figuren denken und grübeln über sich selbst, mitunter bis zu einem quälenden Überschuss an Selbstreflexion.

Zwei Linien durchziehen sein Werk. Die eine führt in den brasilianischen Nordosten: Ramos schildert dessen Entwicklung und die Härte des Lebens in der Dürre. Seine Bücher gelten als Schlüssel zum Verständnis dieser Region. Die andere Linie ist psychologisch. Ramos gilt als Vertreter des psychologischen Romans in der Nachfolge Dostojewskis und als Vorläufer des Existenzialismus. In Angústia erzählt er vom Leiden kleiner Angestellter an der unentrinnbaren Mittelmäßigkeit des Kleinstadtlebens, von ihren Minderwertigkeitskomplexen und den Versuchen, diese auszugleichen.

Sein Werk spiegelt dabei auch den eigenen Werdegang. Es zeigt einen Autor, der sich aus einem engen, gewalttätigen und autoritären Milieu herausgearbeitet hat.


Rezeption↑

Ausgezeichnet wurde Graciliano Ramos mehrfach. Für das Kinderbuch A terra dos meninos pelados erhielt er den Brasilianischen Kinderliteraturpreis, für sein Gesamtwerk den Felipe-de-Oliveira-Preis. Vidas secas brachte ihm den William Faulkner Foundation Award ein.

Auch das Kino hat sich seiner Bücher angenommen. Nelson Pereira dos Santos verfilmte 1963 Vidas Secas unter dem deutschen Titel Nach Eden ist es weit und 1984 Memórias do Cárcere. Dazwischen brachte Léon Hiszman 1972 São Bernardo auf die Leinwand.

Ins Deutsche kam Ramos erst spät und in Etappen. Willy Keller übersetzte São Bernardo, das 1960 bei Hanser in München erschien. Von ihm stammt auch die Übertragung von Angst, die Suhrkamp 1978 in der Bibliothek Suhrkamp herausbrachte und 1994 erneut auflegte. Karges Leben, ebenfalls von Keller übersetzt, erschien 2013 bei Wagenbach. Im selben Jahr legte der Verlag Kindheit in der Übersetzung von Inés Koebel vor.

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