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Porträt Albrecht von Haller
Albrecht von Haller
1708 – 1777
– Autorenporträt –

Albrecht von Haller

1708 – 1777 · 69 Jahre

Schweizer Universalgelehrter der Aufklärung: Arzt, Naturforscher und Dichter, der als Begründer der modernen experimentellen Physiologie gilt und vor allem von Göttingen aus wirkte.

Kurzporträt

Zu den grössten Universalgelehrten der Schweiz und der Aufklärung zählt der Schweizer Albrecht von Haller, der 1708 in Bern geboren wurde und 1777 ebenda starb. Er war Mediziner und Universalgelehrter, vor allem Naturforscher, und gilt als Begründer der modernen experimentellen Physiologie. Neben seinen Studien zu Anatomie und Botanik betätigte er sich als Dichter. Seine wissenschaftliche Wirkung entfaltete er vor allem von Göttingen aus, wo er einen Lehrstuhl für Anatomie, Chirurgie und Botanik innehatte. Kaiser Franz I. erhob ihn 1749 in den erblichen Adelsstand.


Biografie

Geboren wurde Albrecht Haller am 16. Oktober 1708 in Bern. Er entstammte einer Berner Patrizierfamilie, die seit 1548 zur Burgerschaft der Stadt gehörte. Sein Vater Niklaus Emanuel Haller (1672–1721) war Advokat und Landschreiber; die Mutter Anna Maria Engel (1681–1708) stammte ebenfalls aus einer angesehenen Familie. Albrecht war der dritte Sohn des Vaters. Laut der Deutschen Biographie entstammte er einer zwar ratsfähigen, aber eher einflusslosen und wenig bemittelten Familie, was zeitlebens sein Schicksal mitprägte. Er galt als frühreif und war zuweilen kränklich; bis zum neunten Lebensjahr litt er an Rachitis.

Zunächst erhielt Albrecht Privatunterricht von einem Hauslehrer, dem Neuenburger Theologen Abraham Baillod. Ungeklärt ist, wo Haller aufgewachsen ist: Der Vater besaß das Anwesen Hasligut am Bremgartenwald, könnte aber mit dem Sohn nach Baden gezogen sein, wo er die Stelle eines Landschreibers antrat. Mit dem Tod des Vaters 1721 endete Albrechts ursprüngliches Studienziel Theologie. Nach dem Tod des Vaters besuchte er etwa anderthalb Jahre das Berner Gymnasium. Danach wurde er zur weiteren Ausbildung dem Arzt Johann Rudolf Neuhaus in Biel überlassen. Dort streifte er durch die Umgebung, zeigte eine starke Naturliebe und verfertigte häufig Gedichte in mehreren Sprachen. In diesem Umfeld kam er erstmals mit dem Arztberuf und der Medizin in Berührung; in Biel wurde die Grundlage für seine spätere Laufbahn gelegt.

Sein Medizinstudium nahm Haller 1723 an der Universität Tübingen auf, unter anderem bei Elias Camerarius und bei Johann Georg Duvernoy, seinem Lehrmeister in Anatomie und Botanik. 1725 reiste er nach Holland und wurde 1727 an der Universität Leiden bei seinem akademischen Lehrer Herman Boerhaave promoviert. Anschließend bildete er sich in England und Frankreich weiter: In London wurde er beim Präsidenten der Royal Society eingeführt und besichtigte die dortigen Spitäler, in Paris besuchte er einen Operationskurs. 1728 kehrte er in die Schweiz zurück und studierte an der Universität Basel Mathematik und Botanik, unter anderem bei Johann Bernoulli. In Basel begann seine ausgedehnte floristische Tätigkeit; gemeinsam mit seinem Freund Johannes Gesner unternahm er botanische Alpenreisen.

Ab 1729 arbeitete Haller als praktischer Arzt in Bern. 1734 erhielt er die Stelle eines Stadtarztes, 1735 wurde er Leiter der Bibliothek in Bern. Im Jahr 1736 wechselte er ins Kurfürstentum Braunschweig-Lüneburg an die kurz zuvor gegründete Universität Göttingen und übernahm den Lehrstuhl für Anatomie, Chirurgie und Botanik. Dort legte er 1738 ein anatomisches Theater und ein Jahr später einen botanischen Garten an; zudem baute er eine anatomische Sammlung auf. Haller wurde zum Ehrendoktor sowie zum Leibarzt Georgs II. ernannt. Berufungen nach Utrecht und Oxford lehnte er ab. Kaiser Franz I. erhob ihn 1749 in den erblichen Adelsstand.

Von 1747 an leitete Haller die Göttingischen Zeitungen von gelehrten Sachen; eine Berufung nach Berlin lehnte er ab. In diese Zeit fällt seine Auseinandersetzung mit dem französischen Kollegen Julien Offray de La Mettrie. 1750 wurde er in die Leopoldina aufgenommen, 1751 gründete er mit vierzig weiteren Personen die evangelisch-reformierte Gemeinde Göttingen und kümmerte sich um den Bau ihrer Kirche. Anfang 1752 übernahm Haller die Direktion einer Forschungsreise des naturwissenschaftlichen Autodidakten Christlob Mylius nach Amerika, die er zu einem Projekt der Göttinger Akademie machte. Das Vorhaben blieb wegen fragiler Finanzierung und organisatorischer Probleme schwierig und scheiterte schließlich mit dem Tod des Mylius im März 1754 in London.

In Bern bekleidete Haller ab 1753 die Stelle eines Rathausamtmanns, wurde 1754 Schulrat und 1755 Vorsteher des Waisenhauses. Nach Ablauf seiner Amtszeit wurde er 1758 Direktor der Salzbergwerke von Roche. Den ihm angebotenen Posten eines Kanzlers in Göttingen lehnte er nach heftigem Widerstand seiner Familie ab. Haller war dreimal verheiratet; aus seinen Ehen gingen mehrere Kinder hervor. Sein Enkel war der Staatsrechtler und Politiker Karl Ludwig von Haller, dessen Hauptwerk Die Restauration der Staatswissenschaften der Epoche der Restauration den Namen gab. Hallers letzte Jahre waren durch Krankheit geprägt. Er starb am 12. Dezember 1777 in Bern.


Literarische Merkmale

Bereits als Schüler in Biel verfertigte Haller häufig Gedichte, und zwar in mehreren Sprachen. Darunter war ein episches Gedicht von 4000 Versen über den Ursprung des Schweizerlandes, in dem er Vergil nachzuahmen versuchte. Zu seiner Dichtung gehörte eine ausgeprägte Naturliebe, die sich schon während seiner Jugend in der Umgebung von Biel zeigte. Neben Poesie widmete er sich früh der Geschichte und den alten Sprachen. Als Leiter der Göttingischen Zeitungen von gelehrten Sachen war er zudem im gelehrten Schrifttum seiner Zeit tätig.


Rezeption

Zu den grössten Universalgelehrten der Schweiz und der Aufklärung zählt Albrecht von Haller nach dem Urteil der Deutschen Biographie. Über sein wissenschaftliches Ansehen hinaus gilt er als Begründer der modernen experimentellen Physiologie. Schon in jungen Jahren wusste er sich wissenschaftlich hervorzutun: 1725 verteidigte er in Tübingen öffentlich die Einwände seines Lehrers Duvernoy gegen einen von Georg David Coschwitz vermeintlich entdeckten Speichelgang und wies auf die Ursachen des Irrtums hin.

Sein Schüler und Biograph Johann Georg Zimmermann überlieferte, Haller habe bereits als Kind Beschreibungen berühmter Männer verfasst; gewiss war, dass er seinen Altersgenossen voraus war. In Göttingen setzte Haller seine Autorität als Naturforscher ein, um die christliche Religion gegen Kritik von Voltaire zu verteidigen. Bekannt wurde auch seine Auseinandersetzung mit Julien Offray de La Mettrie. Seine Bedeutung schlägt sich bis heute in zahlreichen Nachschlagewerken nieder, darunter die Allgemeine Deutsche Biographie, die Neue Deutsche Biographie und das Historische Lexikon der Schweiz.

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