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Porträt César Vallejo
César Vallejo
1892 – 1938
– Autorenporträt –

César Vallejo

1892 – 1938 · 46 Jahre

Peruanischer Dichter und einer der großen Erneuerer der spanischsprachigen Lyrik des 20. Jahrhunderts, der verarmt im Pariser Exil starb.

Kurzporträt

César Vallejo zählt zu den großen Erneuerern der Dichtung in spanischer Sprache im 20. Jahrhundert. Geboren 1892 im peruanischen Andenstädtchen Santiago de Chuco, gilt er als wichtiger Vertreter der spanischsprachigen Avantgarde. Zu seinen Lebzeiten erschienen nur drei seiner Bücher. Doch jedes von ihnen war stilistisch eigenständig und in eigenem Sinne neuartig. Sein Leben führte ihn aus den Anden über Lima nach Paris. Dort engagierte er sich politisch und starb 1938 verarmt.


Biografie

Als jüngstes von elf Geschwistern kam César Abraham Vallejo Mendoza am 16. März 1892 in Santiago de Chuco zur Welt, einer Kleinstadt in den peruanischen Anden. Seine Familie zählte zu den Mestizen, den sogenannten cholos. Beide Eltern, Francisco de Paula Vallejo und María de los Santos Gurrionero, waren Kinder spanischstämmiger katholischer Priester und indigener Frauen. Vallejo besuchte die Sekundarschule in Huamachuco und begann 1908, erste Gedichte zu schreiben.

Ab 1910 studierte er Literatur an der Universität in Trujillo. Aus Geldmangel brach er das Studium ab, ebenso einen weiteren Versuch 1911 in Lima. Seinen Lebensunterhalt verdiente er als Hauslehrer und Hilfskassierer auf der Zuckerrohrpflanzung und Zuckerfabrik Roma. Dort erlebte er die Ausbeutung der Landarbeiter und Bergleute. Diese Eindrücke gingen später in seine literarische und politische Arbeit ein. 1913 schrieb er sich erneut an der Universität ein. 1915 erlangte er einen Lizenziats-Abschluss in spanischer Literatur mit einer Arbeit über die spanische Romantik. Von 1915 bis 1917 belegte er zudem Vorlesungen in Recht. 1916 erschienen seine Gedichte in mehreren Zeitungen in Lima, Bogotá und Guayaquil.

Ab 1918 lebte Vallejo in Lima. Dort lernte er mehrere Vertreter der intellektuellen Linken kennen und fand wachsende Aufmerksamkeit. Mit José Carlos Mariátegui arbeitete er an der Zeitschrift Nuestra Época. Er gab Nachhilfe und wurde Lehrer am Colegio particular Barrós. Nach dem Tod des Direktors übernahm er dessen Leitung. Die Stelle verlor er, nachdem er sich geweigert hatte, seine schwangere Geliebte María Rosa Sandoval zu heiraten. Sie starb nach einer von Vallejo angeregten Abtreibung. Auch der frühe Tod seines Freundes und Förderers Abraham Valdelomar traf ihn schwer. In dieser Zeit entstand sein 1918 erschienenes Erstlingswerk, der 72 Gedichte umfassende Band Los heraldos negros.

Am 1. August 1920 geriet Vallejo bei einem Besuch seines Heimatorts in einen bewaffneten Aufstand. Die Staatsanwaltschaft klagte ihn als geistigen Urheber an. Er floh, wurde ergriffen und saß 130 Tage im Gefängnis in Trujillo. Am 26. Februar 1921 wurde ihm unter Auflagen die Freilassung gewährt. 1922 erschien in einer Auflage von 200 Exemplaren sein zweites Buch Trilce. In Peru wurde es als radikaler Bruch mit der überlieferten Ästhetik wahrgenommen.

Nach dem Verlust einer weiteren Lehrerstelle emigrierte Vallejo am 17. Juni 1923 nach Europa und ließ sich in Paris nieder. Er litt unter Heimweh. Das weiterlaufende Strafverfahren wegen seiner angeblichen Mitwirkung am Aufstand von 1920 hinderte ihn an einer Rückkehr. Seinen Lebensunterhalt verdiente er als Journalist. Er schrieb über 300 Artikel für peruanische Zeitungen wie El Norte, Mundial, Variedades und El Comercio. Von 1925 bis 1927 erhielt er ein bescheidenes spanisches Stipendium. Aus Abneigung gegen die Diktatur von Miguel Primo de Rivera verzichtete er darauf. Daneben übersetzte er, unter anderem Henri Barbusse und Marcel Aymé. In Paris verkehrte er ab 1924 mit Vicente Huidobro, Juan Gris und Juan Larrea. Mit Larrea gab er 1926 zwei Nummern der kurzlebigen Zeitschrift Favorables París Poema heraus. Befreundet war er außerdem mit Federico García Lorca, Rafael Alberti, Antonio Machado und anderen.

In der Folgezeit nahmen kommunistische Einflüsse auf sein Werk zu. 1928 reiste er erstmals in die Sowjetunion. Zwei weitere Reisen folgten. Ende 1930 wurde er aus Frankreich ausgewiesen und lebte fortan zumeist in Madrid. Dort wurde er nach Ausrufung der Zweiten Spanischen Republik Mitglied der Kommunistischen Partei Spaniens. Nachdem er erklärt hatte, sich künftig jeder politischen Tätigkeit zu enthalten, durfte er im Februar 1932 nach Paris zurückkehren. Am 11. Oktober 1934 heiratete er Georgette Philippart. Seine finanzielle Lage verschlechterte sich erneut deutlich. Das Paar wohnte fortan in billigen Hotels und Pensionen.

Nach Ausbruch des Spanischen Bürgerkriegs widmete sich Vallejo zunehmend der politischen Arbeit. Er reiste mehrfach ins Bürgerkriegsland und nahm 1937 in Valencia am Internationalen Schriftstellerkongress zur Verteidigung der Kultur teil. Im selben Jahr gründete er mit Pablo Neruda in Paris ein Komitee zur Unterstützung der spanischen Republik; mit Neruda zerstritt er sich später. Der Niedergang der Republik traf ihn schwer. Seinen Schmerz verarbeitete er im Gedicht España, aparta de mí este cáliz. Am 24. März 1938 wurde er wegen einer nicht zu diagnostizierenden Krankheit in eine Pariser Klinik eingeliefert. Er starb am Karfreitag, dem 15. April 1938, und wurde auf dem Friedhof von Montrouge bei Paris beigesetzt. 1970 wurden seine sterblichen Überreste auf den Friedhof Montparnasse verlegt.


Literarische Merkmale

Zu seinen Lebzeiten wurden nur drei seiner Bücher veröffentlicht. Dennoch gilt Vallejo als einer der großen poetischen Neuerer der spanischen Sprache des 20. Jahrhunderts. Charakteristisch ist, dass er den literarischen Strömungen seiner Zeit stets einen Schritt voraus war. Jedes seiner Bücher unterscheidet sich stilistisch vom vorigen und ist in eigenem Sinne revolutionär.

Der Gedichtband Los heraldos negros von 1918 wurde als ein Buch beschrieben, das wahrhaft „Stoff vom Stoff und Geist vom Geist“ Perus sei. Sein zweiter Band, Trilce von 1922, gilt als zutiefst erfinderisches Werk. Seine technischen Mittel waren bewusster Solözismus, die Entstellung gebräuchlicher Wendungen, Doppelsinn, semantischer Sprung und syntaktische Verschiebung. Sie wurden als überraschend reich und neu beurteilt. In Peru wirkte das Buch wie ein Bruch, von dessen Explosion sich die traditionelle Ästhetik nicht wieder erholen sollte.

Neben der Lyrik, die im Mittelpunkt seines Schaffens stand, arbeitete Vallejo auch in anderen Gattungen. Er schrieb fünf Theaterstücke, darunter die Satire Colacho hermanos o Presidentes de América. Zu seinen Lebzeiten wurde keines davon aufgeführt oder veröffentlicht. Hinzu kamen der Roman El Tungsteno, Erzählungen, Drehbücher sowie Essays und Reportagen, etwa über seine Reisen in die Sowjetunion.


Rezeption

Schon früh fand Vallejos dichterisches Schaffen in Lima wachsende Aufmerksamkeit. Abraham Valdelomar nannte ihn in einem Zeitschriftenartikel „den Dichter der Zärtlichkeit“ und sah in ihm die Genese eines großen Dichters. Sein zweites Buch Trilce wurde in Peru als radikaler Bruch mit der überlieferten Ästhetik wahrgenommen.

Nach seinem Tod blieb sein Werk zunächst nur in kleinen Kreisen von Liebhabern bekannt. Erst 1949 erschien die erste Neuauflage von Los heraldos negros. Eine Reihe seiner Gedichte wurde erst nach seinem Tod veröffentlicht, darunter der Band Poemas humanos 1939. Ins Deutsche wurden mehrere seiner Bücher von Curt Meyer-Clason übertragen.

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