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Autoreneintrag · Ramón María del Valle-Inclán
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Porträt Ramón María del Valle-Inclán
Ramón María del Valle-Inclán
1866 – 1936
– Autorenporträt –

Ramón María del Valle-Inclán

1866 – 1936 · 69 Jahre

Spanischer Dramatiker der Generación del 98 und Erfinder des „Esperpento" – bizarr-bösartiger Schockstücke, die der bürgerlichen Gesellschaft den Spiegel vorhielten.

Kurzporträt

Ramón María del Valle-Inclán war ein spanischer Dramatiker, Romancier und Journalist. Er wurde 1866 in Galicien geboren und starb 1936 in Santiago de Compostela. Er gehörte zur sogenannten Generación del 98. Bekannt wurde er vor allem als Erfinder des „Esperpento", einer dramatischen Gattung bizarr-bösartiger Schockstücke. Sein Werk richtete sich scharf gegen die Heuchelei und die Sentimentalität der bürgerlichen Theaterautoren seiner Zeit.


Biografie

Geboren wurde Valle-Inclán am 28. Oktober 1866 in Galicien. Über seinen genauen Geburtsort gehen die Quellen auseinander. Wikidata nennt Vilanova de Arousa, die Deutsche Nationalbibliothek dagegen Villanueva de Arosa. Er begann ein Studium der Rechtswissenschaft, das er jedoch nicht abschloss.

Nach einer journalistischen Tätigkeit in Madrid ließ er sich in Mexiko nieder. Dort verband er seine Arbeit als Journalist mit der Aneignung des Modernismo. Nach Madrid zurückgekehrt, setzte er sich unter den dortigen Kulturschaffenden für dessen Verbreitung ein.

Politisch durchlief Valle-Inclán eine wechselvolle Entwicklung. In seiner Jugend stand er dem Konservatismus nahe. Nach dem Ersten Weltkrieg rückte er zu linken und progressiven Positionen. Gemeinsam mit Miguel de Unamuno beteiligte er sich an der Opposition gegen die rechtsgerichtete Diktatur von Miguel Primo de Rivera in Spanien. Kurz vor seinem Lebensende vollzog er eine weitere politische Kehrtwende und befürwortete den Faschismus.

Ein einschneidendes Ereignis war eine Schlägerei mit dem Schriftsteller Manuel Bueno Bengoechea. Dabei verlor Valle-Inclán seinen linken Arm. Er starb am 5. Januar 1936 in Santiago de Compostela.

Sein literarisches Werk umfasst sowohl Dramen als auch Romane. Zu den Theaterstücken zählen Divinas palabras und Luces de Bohemia. Unter seinen Romanen ragt Tirano Banderas heraus, der für das Theater adaptiert wurde. Die Figur des Tyrannen Santos Banderas ist keine direkte Kopie eines historischen Vorbilds, sondern eine Synthese lateinamerikanischer Diktatoren. In deutscher Übersetzung erschienen unter anderem die Barbarischen Komödien sowie die Romane Frühlingssonate und Adega.


Literarische Merkmale

Charakteristisch für Valle-Incláns Schreiben ist sein scharfer, satirisch-düsterer Ton. Seine Werke attackieren, was er als die Heuchelei, das Moralisieren und die Sentimentalität der bürgerlichen Dramatiker ansah. Sie zeichnen ein bissiges Bild von den Denk- und Lebensweisen der herrschenden Klasse. Aufs Korn nahm er insbesondere Vorstellungen wie die männliche Ehre, den Militarismus, den Patriotismus und die Ehrerbietung gegenüber der Krone und der katholischen Kirche.

Er scheute dabei nicht vor obszöner Sprache und vulgären Bildern zurück, mit denen er Theatralik und Euphemismen angriff. Auch politische Figuren der spanischen Vergangenheit porträtierte er auf respektlose Weise. Mit dem „Esperpento" schuf er eine eigene dramatische Gattung bizarr-bösartiger Schockstücke.

Seine Bühnenwerke waren technisch außerordentlich anspruchsvoll. Sie verlangten oft intensive Proben und eine Bühnentechnik, die weit über die Möglichkeiten der kommerziellen Theatergruppen seiner Zeit hinausging. Dazu zählten komplexe, schwer zu realisierende Spezialeffekte und rasche, oft drastische Wechsel des Bühnenbilds.


Rezeption

Valle-Inclán gilt als einer der bedeutendsten Dramatiker, die im frühen 20. Jahrhundert die Auflehnung gegen den im spanischen Theaterestablishment herrschenden Traditionalismus vorantrieben. Besondere Bedeutung kommt seinem dramatischen Werk durch den Einfluss zu, den es auf nachfolgende Schriftstellergenerationen hatte.

Sein Schaffen war nicht nur politisch aufrührerisch, sondern auch künstlerisch herausfordernd. Das überforderte die kommerziellen Theater seiner Zeit häufig. Auch als Romancier wirkte er nach. Sein Roman Tirano Banderas beeinflusste den lateinamerikanischen Diktatorenroman stark, etwa Ich, der Allmächtige von Augusto Roa Bastos.

In deutscher Sprache übertrug Fritz Vogelgsang mehrere Dramen und Romane. Diese erschienen in den 1980er Jahren bei Klett-Cotta.

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