Meisterwerke der Worte
MEISTERWERKE DER WORTE
Das Lexikon der klassischen Literatur
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Autoreneintrag · Amos Tutuola
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Amos Tutuola
1920 – 1997
– Autorenporträt –

Amos Tutuola

1920 – 1997 · 76 Jahre

Nigerianischer Erzähler, der die Mythen der Yoruba und die Kunst des mündlichen Erzählens in ein eigenwilliges, fehlerhaftes Englisch übertrug – berühmt geworden mit „The Palm-Wine Drinkard“.

Kurzbiografie↑

Amos Tutuola war ein nigerianischer Schriftsteller, der 1920 in Abeokuta geboren wurde und 1997 in Ibadan starb. Er stammte aus einer christlichen Familie der Yoruba und hatte nur sechs Jahre die Grundschule besucht. Bekannt wurde er 1952 mit seinem ersten Roman The Palm-Wine Drinkard, der 1994 auf Deutsch als Der Palmweintrinker erschien. Darin berichtet ein rätselhafter Wanderer von den magischen Wesen, die ihm unterwegs begegnet sind. Tutuola schöpfte aus der Mythologie der Yoruba und aus der Tradition des mündlichen Erzählens; sein Englisch war fehlerhaft und hielt sich nicht an die Regeln des realistischen Romans.


Biografie↑

Geboren wurde Amos Tutuola am 20. Juni 1920 in Abeokuta. Seine Familie gehörte der Ethnie der Yoruba an und war christlich. Die Schulzeit blieb kurz: Tutuola besuchte sechs Jahre lang die Grundschule, eine weiterführende Ausbildung folgte nicht.

Danach arbeitete er als Kupferschmied. Während des Zweiten Weltkriegs war er Mechaniker bei der Royal Air Force. Später verdiente er sein Geld als Bürobote im Arbeitsdepartement und als Lagerarbeiter beim nigerianischen Rundfunk.

In dieser Zeit, 1952, erschien sein erster Roman The Palm-Wine Drinkard. Erzählt wird darin von einem geheimnisvollen Wandersmann, der von den magischen Geschöpfen berichtet, denen er auf seinen Wanderungen begegnet ist. Das Buch greift die Mythologie der Yoruba auf und steht in der Tradition des mündlichen Erzählens.

Weitere Bücher folgten in dichter Folge. 1954 erschien My Life in the Bush of Ghosts, das 1991 auf Deutsch unter dem Titel Mein Leben im Busch der Geister herauskam. 1958 kam The Brave African Huntress heraus, 1962 gleich zwei Bücher: Simbi and the Satyr of the Dark Jungle und Feather Woman of the Jungle. 1967 folgte Ajaiyi and his Inherited Poverty.

Im eigenen Land stieß Tutuola auf Widerspruch. Man warf ihm vor, er bestärke westliche Vorurteile über ein angeblich primitives Afrika. Erst nachdem er Erfolg hatte, begann man damit, seine Bücher ins Yoruba zu übersetzen. In Frankreich hielt man sein Werk zunächst für eine Arbeit seines Übersetzers Raymond Queneau und den Namen Amos Tutuola für dessen neues Pseudonym.

Im Alter kam die akademische Anerkennung. 1979 war Tutuola Forschungsstipendiat an der Universität von Ile-Ife und nahm am International Writing Program der University of Iowa teil. 1980 kehrte er nach Ibadan zurück.

Auch danach veröffentlichte er weiter: 1981 The Witch Herbalist of the Remote Town, 1986 Yoruba Folktales, 1987 Pauper, Brawler and Slanderer und 1990 den Erzählband The Village Witch Doctor and Other Stories.

Amos Tutuola starb am 8. Juni 1997 in Ibadan an den Folgen von Bluthochdruck und Diabetes. Die Niederschrift seines ersten Romans wird teils auf 1946 datiert; veröffentlicht wurde The Palm-Wine Drinkard jedoch gesichert 1952 bei Faber and Faber in London.


Literarische Merkmale↑

Märchenhaft ist der Grundton von Tutuolas Erzählen. Er schöpfte aus der Mythologie der Yoruba und blieb den Traditionen des mündlichen Erzählens verpflichtet. Seine Bücher folgen nicht den Regeln des modernen, am Realismus geschulten Romans, sondern setzen sich über sie hinweg.

Auffällig ist auch seine Sprache. Tutuola schrieb in fehlerhaftem Englisch, und gerade diese Eigenart gehört zum Kern seines Werks. Sie hat die Diskussion über ihn von Anfang an geprägt.


Rezeption↑

Aufgenommen wurde Tutuolas Werk auf zwiespältige Weise. In Nigeria warf man ihm vor, er unterstütze damit westliche Vorurteile über ein angeblich primitives Afrika. Sein Buch lief den Zielen jener afrikanischen Intellektuellen zuwider, die um internationales Ansehen kämpften.

Gerade das aber machte ihn bekannt. Sein Hauptwerk wurde oft zitiert und wirkte stilbildend auf die Literatur jüngerer Generationen. Erst nach diesem Erfolg begann man in seiner Heimat, seine Bücher ins Yoruba zu übertragen.

Ein eigenes Kapitel ist die französische Aufnahme. Dort schrieb man sein Werk zunächst seinem Übersetzer Raymond Queneau zu und hielt den Namen Amos Tutuola für ein neues Pseudonym.

Auf Deutsch erschienen seine bekanntesten Bücher erst spät: Mein Leben im Busch der Geister 1991 und Der Palmweintrinker 1994. Ein Eintrag zu Tutuola findet sich in dem von Holger Ehling und Peter Ripken herausgegebenen Band Die Literatur Schwarzafrikas von 1997.

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