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Das Lexikon der klassischen Literatur
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Autoreneintrag · Felix Timmermans
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Porträt Felix Timmermans
Felix Timmermans
1886 – 1947
– Autorenporträt –

Felix Timmermans

1886 – 1947 · 60 Jahre

Felix Timmermans war ein flämischer Erzähler und Maler, dessen Roman „Pallieter“ das Leben und den Glauben Flanderns schilderte und ihn weit über seine Heimat hinaus bekannt machte – dreimal wurde er für den Nobelpreis vorgeschlagen.

Kurzbiografie↑

Zu den bekanntesten flämischen Erzählern des frühen 20. Jahrhunderts zählt Felix Timmermans (1886–1947), der zugleich als Maler und Zeichner hervortrat. Geboren und gestorben im belgischen Lier, schilderte er in seinen Büchern das Leben und den Glauben der flämischen Landschaft und ihrer Bewohner. Sein Roman Pallieter wurde sein bekanntestes Werk und machte ihn über die Grenzen seiner Heimat hinaus berühmt. In den Jahren zwischen den Weltkriegen fand er besonders in Deutschland ein großes Publikum, wo er auf ausgedehnten Lesereisen auftrat. Dreimal wurde er für den Nobelpreis vorgeschlagen.


Biografie↑

Am 5. Juli 1886 kam Felix Timmermans in Lier bei Antwerpen zur Welt, als dreizehntes Kind eines Spitzenhändlers. Sein Vater hatte ihn als Geschäftsnachfolger vorgesehen, doch schon 1903 schrieb er erste Gedichte und begann bald auch zu malen. Als junger Mann geriet er in eine seelische Krise. Er befasste sich mit Spiritismus, Okkultismus und anderen Ideengebäuden, fand aber nirgends eine geistige Heimat. Diese Zeit spiegelt sich in der Novellensammlung Dämmerungen des Todes wider, die 1911 erschien und erst 1978 auf Deutsch herauskam.

Eine Krankheit brachte die Wende. Ihr künstlerisches Ergebnis war der Roman Pallieter (1916, deutsch 1921), die Schilderung eines jungen Mannes voll deftiger, oft derber Schelmereien, aber auch voll Volksfrömmigkeit. Zugleich ist das Buch ein Porträt der flämischen Landschaft und ihrer Menschen. Es wurde sein bekanntestes Werk. 1917 folgte Das Jesuskind in Flandern (deutsch 1919), eine Geschichte, die die Geburt Jesu in der Tradition flämischer Maler, besonders Pieter Brueghels, in die eigene Heimat verlegt. Sein Triptychon von den heiligen drei Königen wird auch als Theater- oder Puppenspiel aufgeführt. Für ein vom Insel Verlag geplantes flämisches Novellenbuch schrieb Timmermans 1918 Die sehr schönen Stunden von Jungfrau Symforosa, dem Beginchen, die Liebesgeschichte einer Begine, deren unerfüllbare Liebe im Verzicht ihre Erfüllung findet. Von 1918 an hielt er in Holland erste Vorträge und Lesungen. 1922 erhielt er den Staatspreis für Literatur.

1923 erschien Der Pfarrer vom blühenden Weinberg (deutsch 1927), ein Roman, in dem sich Timmermans mit Fragen des Glaubens auseinandersetzte. Er plante ein Buch über Franz von Assisi und reiste deshalb 1925 nach Italien. Von dieser Reise erzählt das Tagebuch Ins Land der Apfelsinen (deutsch 1949). Von 1928 an führten ihn zahlreiche Lesereisen nach Deutschland und in die Schweiz. Bis 1939 trat er in mehr als 140 Städten auf, oft mehrfach. 1932 erschien De Harp van Sint Franciscus, im selben Jahr auf Deutsch unter dem Titel Franziskus. Bauernpsalm (1935, deutsch 1936) ist ein Loblied auf Leben und Wirken des Bauern. Zu seinem 50. Geburtstag wurde Timmermans im In- und Ausland geehrt. Inzwischen war er dreimal für den Nobelpreis vorgeschlagen worden.

Der Ausbruch des Zweiten Weltkriegs beendete seine Lesereisen. Dennoch blieben viele Verbindungen zu seinen deutschen Lesern lebendig. 1941 nahm er am Weimarer Dichtertreffen teil, bei dem kollaborationswillige europäische Schriftsteller die „Europäische Schriftsteller-Vereinigung“ gründeten. 1942 erhielt er den Rembrandt-Preis der Hamburger Hansischen Universität. Nachdem er bereits 1928 in Pieter Bruegel einen flämischen Maler gewürdigt hatte, schrieb er 1944 den Malerroman Adriaan Brouwer (deutsch 1951). Das in der Ich-Form verfasste Werk trägt autobiografische Züge und zeigte bereits erste Todesahnungen. Timmermans war herzkrank. Wegen seiner Kontakte zu den Deutschen wurde er angegriffen und unter Hausarrest gestellt; seine Krankheit bewahrte ihn vor schwererer Verfolgung. Auf dem Krankenlager schrieb er Adagio, Gedichte, die von seinem tiefen Glauben zeugen. Am 24. Januar 1947 starb er in seiner Geburtsstadt Lier. 1982 wurde ein Asteroid nach ihm benannt.


Literarische Merkmale↑

Verwurzelt in seiner flämischen Heimat, schöpfte Timmermans seine Stoffe aus dem Leben, der Landschaft und der Volksfrömmigkeit Flanderns. Seine Erzählungen verbinden deftigen, oft derben Humor mit tiefem Glauben. In Das Jesuskind in Flandern verlegte er biblische Geschehnisse in seine eigene Umgebung, ganz in der Tradition flämischer Maler wie Pieter Brueghel. Immer wieder wandte er sich Gestalten des Glaubens zu, sei es in Der Pfarrer vom blühenden Weinberg, in Franziskus oder in den späten Gedichten des Adagio.

Neben dem dichterischen Werk hinterließ Timmermans zahlreiche Gemälde und vor allem Zeichnungen, mit denen er häufig seine eigenen Bücher schmückte. Nach seinen Lesungen fügte er seiner Unterschrift in den Büchern oft kleine Skizzen hinzu. Auch die Bücher anderer Autoren stattete er mit Bildern aus. Sein literarisches Werk wurde in 26 Sprachen übersetzt; alle wichtigen Bücher liegen auf Deutsch vor, die meisten davon im Insel Verlag.


Rezeption↑

Große Beachtung fand Timmermans besonders in den Jahren zwischen den Weltkriegen, als er auf seinen Lesereisen in mehr als 140 deutschen und schweizerischen Städten auftrat. Pallieter wurde sein bekanntestes Werk, dreimal wurde er für den Nobelpreis vorgeschlagen, und zu seinem 50. Geburtstag ehrte man ihn im In- und Ausland. In Deutschland findet er heute nicht mehr die Beachtung wie damals, doch es gibt weiterhin Lesungen und Theateraufführungen seiner Werke. Im Insel Verlag erscheinen nach wie vor Pallieter, Das Jesuskind in Flandern, Das Triptychon und Sankt Nikolaus in Not.

Mit Leben und Werk des Flamen befassen sich mehrere Vereinigungen: die belgische Timmermans-Gesellschaft, der Felix-Timmermanskring in Flandern und die deutsche Felix-Timmermans-Gesellschaft. In den 1990er Jahren erschien in Belgien eine Gesamtausgabe seiner Werke in 25 Bänden. Im Dezember 2000 gab die deutsche Gesellschaft die Biografie Felix Timmermans – Ein Dichter aus Flandern von Ignaas Dom heraus; zur gleichen Zeit erschien in Belgien die Lebensbeschreibung von Gaston Durnez.

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