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Das Lexikon der klassischen Literatur
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Porträt Tirso de Molina
Tirso de Molina
1579 – 1648
– Autorenporträt –

Tirso de Molina

1579 – 1648 · 68 Jahre

Spanischer Dramatiker und Mercedarier-Mönch, der trotz kirchlicher Warnungen weltliche Bühnenstücke schrieb.

Kurzbiografie↑

Unter dem Namen Tirso de Molina schrieb der spanische Dramatiker Gabriel Téllez, der um 1579 in Madrid geboren wurde und am 12. März 1648 in Almazán starb. Als Mönch des Mercedarierordens verband er ein geistliches Leben mit einer umfangreichen Tätigkeit für die weltliche Bühne. Zu seinen bekannten Stücken zählen das um 1619 entstandene El burlador de Sevilla und El Vergonzoso en palacio. Sein doppeltes Wirken als Ordensmann und Theaterautor brachte ihn wiederholt in Konflikt mit kirchlichen Behörden.


Biografie↑

Gabriel Téllez, später unter dem Namen Tirso de Molina bekannt, wurde in Madrid geboren. Sein genaues Geburtsjahr ist bis heute in der Forschung nicht geklärt: Während die Deutsche Biographie 1579 angibt, nennt Wikidata das Jahr 1583. In der wissenschaftlichen Literatur finden sich zudem die Jahreszahlen 1581 und 1584. Nach Arellano gilt es als wahrscheinlich, dass Tirso 1579 in Madrid zur Welt kam und dort am 29. März in der Pfarrkirche von San Sebastián getauft wurde. Über seine Kindheit ist so gut wie nichts bekannt. Seine Eltern waren einfache Bedienstete des Conde de Molina de Herrera.

Am 4. November 1600 trat er in Toledo in den Orden der Mercedarier ein. Im Januar 1601 kam er in das Kloster San Antolín bei Guadalajara. 1606 wurde er in Toledo zum Priester geweiht, wo er zuvor Theologie und Kunst studiert hatte. Nach Schwierigkeiten mit kirchlichen Behörden wegen erster Theateraufführungen zog er sich zwischen 1614 und 1615 in das Kloster von Estercuel in Aragonien zurück.

1616 wurde er auf eine Mission nach Westindien gesandt, in das Gebiet der heutigen Dominikanischen Republik. Dort lehrte er an der Universität von Santo Domingo Theologie. 1618 kehrte er von der Reise zurück und lebte anschließend in einem Mercedarier-Kloster in Madrid. Er nahm an den Sitzungen der Academia poética de Madrid teil und beteiligte sich an den damals beliebten Schreibwettbewerben. In dieser Zeit entstanden zahlreiche Theaterstücke, darunter El burlador de Sevilla um 1619 und El Vergonzoso en palacio 1621. Zwischen 1624 und 1633 wurden die fünf Teile seiner Komödien veröffentlicht.

1625 wurde er von der „Junta de Reformación de las Costumbres“, einer Art Sittenreformkommission, ermahnt. Man hielt es für unstatthaft, dass ein Ordensmann sich in seinen Werken weltlichen Themen widmete. Ihm wurde sogar die Exkommunikation angedroht, und zur Strafe versetzte man ihn nach Andalusien und später nach Cuenca. 1626 wurde er zum „Comendador“, also Prior, seines Ordens in Trujillo ernannt, wo er sich bis 1629 aufhielt. In der Heimatstadt der Pizarro-Brüder entstand unter anderem eine Trilogie über die Konquistadoren aus der Extremadura.

Zwischen 1632 und 1639 hielt er sich in Madrid auf. Als offizieller Chronist seines Ordens beendete er dort 1639 die Historia General de la Orden de la Merced, eine Geschichte des Mercedarierordens, die er sieben Jahre zuvor begonnen hatte. Wegen erneuter Schwierigkeiten wurde er 1640 abermals nach Cuenca verbannt. 1645 ernannte man ihn zum Prior des Mercedarier-Klosters in Soria, ein Amt, das er wahrscheinlich bis an sein Lebensende innehatte. Er starb am 12. März 1648 im Alter von über 60 Jahren.


Literarische Merkmale↑

Bekannt wurde Tirso de Molina vor allem als Verfasser von Komödien für die spanische Bühne. Sein Werk fällt in eine Zeit, in der er zugleich Ordensmann und Theaterautor war, und gerade diese Verbindung prägte seinen Stoff: Als Mönch widmete er sich in seinen Stücken weltlichen Themen, was ihm den Vorwurf der kirchlichen Behörden eintrug. Neben den Bühnenwerken verfasste er auch geschichtliche Prosa, so die Ordensgeschichte seines Mercedarierordens.


Rezeption↑

Schon zu Lebzeiten stieß Tirso de Molina auf Widerspruch. 1625 ermahnte ihn die „Junta de Reformación de las Costumbres“, weil es sich für einen Ordensmann nicht gezieme, in literarischen Werken weltliche Stoffe zu behandeln. Man drohte ihm die Exkommunikation an und versetzte ihn zur Strafe nach Andalusien und Cuenca. Innerhalb seines Ordens genoss er dennoch Ansehen: Man betraute ihn mit dem Amt des offiziellen Chronisten und ernannte ihn später zum Prior verschiedener Klöster.

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