1861 – 1928
Italo Svevo
Kurzbiografie↑
Unter dem Namen Italo Svevo schrieb der Triester Kaufmann Aron Ettore Schmitz, genannt Ettore Schmitz. Er wurde 1861 in der damals zu Österreich gehörenden Stadt geboren. Sein Pseudonym könnte man mit „der italienische Schwabe“ übersetzen. Es verweist auf seine deutsche Schulbildung und seine italienische Sprachheimat. Zeit seines Lebens blieb das Schreiben ein Nebengeschäft neben Bank und Familienunternehmen. Seine Romane fanden lange keine Beachtung. Erst spät gelang ihm der Durchbruch, und zwar auf dem Umweg über Frankreich. Heute gilt er als einer der führenden italienischen Romanautoren des 20. Jahrhunderts.
Biografie↑
Als fünftes von acht Kindern kam Aron Ettore Schmitz – auch Ettore Schmitz genannt – 1861 in Triest zur Welt. Die Stadt gehörte damals zum Kaisertum Österreich und wurde ab 1867 Teil Österreich-Ungarns. Sein Vater Franz Schmitz stammte aus einer wohlhabenden Familie jüdischer Abstammung aus Österreich. Die Mutter Mirjam Felice (Allegra) Moravia kam aus einer ebenfalls wohlhabenden jüdischen Familie aus Triest. Der Vater arbeitete als selbstständiger Kaufmann.
Mit zwölf Jahren schickte ihn der Vater mit den Brüdern Adolfo und Elio auf das Internat des Brüsselschen Instituts nach Segnitz bei Würzburg. Denn für die geplante kaufmännische Laufbahn waren gute Deutschkenntnisse nötig. Ettore lernte rasch perfekt Deutsch und begeisterte sich für deutsche Denker wie Arthur Schopenhauer. 1878 kehrte er nach Triest zurück und studierte dort am Istituto Superiore di Commercio, einer Handelsschule. Weil er Schriftsteller werden wollte, reiste er nach Florenz, um das Italienische in seiner reinen florentinischen Form zu erlernen. Neben Deutsch sprach er den Triester Dialekt, eine Variante des Venetischen.
Ab 1880 schrieb er unter dem Pseudonym E. Samigli für die Triester Zeitung L'Indipendente Artikel und Theaterkritiken. In dieser Zeit verfasste er auch vier Theaterstücke, die keinen Erfolg hatten. Nachdem die Firma seines Vaters in Konkurs gegangen war, nahm er eine Stelle bei der Banca Union an, der Triester Filiale der Wiener Unionbank. Neben diesem ungeliebten Broterwerb las er viel und schrieb Novellen und Erzählungen. 1890 veröffentlichte L'Indipendente die längere Erzählung L'assassinio di via Belpoggio, in der sich der Einfluss Schopenhauers zeigt. 1892 ließ er auf eigene Kosten seinen ersten Roman Una Vita drucken, erstmals unter dem Pseudonym Italo Svevo. Der deutsche Schriftsteller Paul Heyse, später Träger des Literaturnobelpreises, schrieb ihm daraufhin einen begeisterten Brief. Abgesehen von einer kurzen Rezension im Corriere della Sera blieb der Roman jedoch ohne Erfolg.
1896 heiratete Svevo Livia Veneziani, im Jahr darauf wurde die Tochter Letizia geboren. 1898 erschien sein zweiter Roman Senilità, den er erneut aus eigener Tasche finanzierte. Auch dieses Buch fand keine Beachtung, und diesmal äußerte sich auch Heyse enttäuscht. Auf Drängen seiner Schwiegereltern schwor Svevo, das Schreiben aufzugeben und sich ganz Familie und Beruf zu widmen.
Als er 1898 in die Leitung der Firma seines Schwiegervaters in Murano eintrat, konnte er seine Bankanstellung kündigen. In den recht profitablen Fabriken Moravia-Veneziani wurde ein Anstrich hergestellt, der das Faulen von Schiffsrümpfen wirksam bremste. Den Wohlstand und die damit gewonnene Muße nutzte Svevo unter anderem für Geigenunterricht. Teils privat, teils beruflich reiste er nach Frankreich und England, wo seit 1903 eine Niederlassung des Unternehmens bestand. In Triest nahm er englischen Sprachunterricht. So lernte er 1907 an der dortigen Berlitz-School James Joyce kennen, der als Sprachlehrer arbeitete. Die beiden damals noch weitgehend unbekannten Autoren freundeten sich an. Joyce las Svevos Romane, war begeistert und ermutigte ihn zu weiteren Arbeiten.
Nach dem Ersten Weltkrieg gehörte Triest zu Italien. Während eines längeren Krankenhausaufenthalts übersetzte Svevo Die Traumdeutung von Sigmund Freud ins Italienische und beschäftigte sich auch darüber hinaus mit der Psychoanalyse. Als Ettore Schmitz betätigte er sich politisch und schrieb für die neu entstandene Zeitung La Nazione. Zugleich begann er wieder als Italo Svevo zu schreiben. Sein Roman La coscienza di Zeno – im Deutschen doppeldeutig als Zenos Gewissen oder Zenos Bewusstsein zu lesen – erschien 1923, ohne dass das literarische Italien davon Notiz nahm. James Joyce hatte seinerseits Svevo als Vorbild für seine Figur Leopold Bloom genutzt und lebte inzwischen in Paris. Er gewann den Übersetzer und Kritiker Valery Larbaud für das Buch, woraus ein Angebot für eine französische Ausgabe entstand. Zuvor erschienen Auszüge aus Svevos Werken in einer Sondernummer der Zeitschrift Le Navire d'Argent. Auf dem Umweg über Frankreich gelang Svevo so doch noch der Durchbruch.
Der späte Erfolg bestärkte ihn, und er widmete sich nun intensiv der Literatur. 1927 erschien La coscienza di Zeno in der französischen Übersetzung von Paul-Henri Michel. Im selben Jahr wurde sein Einakter Terzetto Spezzato in Rom uraufgeführt. Begeistert von den Werken Franz Kafkas, begann er unter diesem Einfluss seinen vierten Roman Il vecchione, der jedoch unvollendet blieb. Am 13. September 1928 starb Italo Svevo nahe Treviso an den Folgen eines Autounfalls.
Literarische Merkmale↑
Prägend für Svevos Schreiben war die ungewöhnliche Sprachlage, in der er sich bewegte. Er wuchs mit dem Triester Dialekt auf, wurde im Deutschen geschult und bemühte sich erst bewusst um das reine Italienische. So schrieb er als Autor, dem das literarische Italienisch nicht selbstverständlich zufiel. Sein frühes Werk zeigt den Einfluss der Philosophie Schopenhauers, mit der er sich schon als Schüler beschäftigt hatte. In seinem Spätwerk verarbeitete er seine Beschäftigung mit der Psychoanalyse Sigmund Freuds, dessen Traumdeutung er selbst ins Italienische übertrug. Die enge Freundschaft mit James Joyce war prägend. Joyce nutzte Svevo seinerseits als eines der Vorbilder für seine Figur Leopold Bloom. Gegen Ende seines Lebens begeisterte ihn das Werk Franz Kafkas.
Rezeption↑
Lange Zeit fand Svevos Werk kaum Widerhall. Seinen ersten Roman Una Vita und den zweiten, Senilità, finanzierte er aus eigener Tasche. Beide blieben weitgehend unbeachtet. Immerhin schrieb der deutsche Schriftsteller Paul Heyse, später Träger des Literaturnobelpreises, dem Verfasser nach dem Erstling einen begeisterten Brief. Nach dem zweiten Roman äußerte er sich aber enttäuscht. Auch La coscienza di Zeno nahm das literarische Italien bei seinem Erscheinen 1923 nicht zur Kenntnis.
Den Wendepunkt brachte die Freundschaft mit James Joyce, der Svevos Romane schätzte und ihn ermutigte. Von Paris aus gewann Joyce den Übersetzer und Kritiker Valery Larbaud für das Buch. Daraus entstanden eine französische Ausgabe und der späte Durchbruch. 1927 erschien La coscienza di Zeno auf Französisch. Auf dem Umweg über Frankreich kam so die Anerkennung, die ihm im eigenen Land lange versagt geblieben war. Heute gilt Svevo als einer der führenden italienischen Romanautoren des 20. Jahrhunderts.
Mitglieder des YouTube-Kanals erhalten das ganze Lexikon als PDF zum Download – zum Sammeln, Offline-Lesen und Ausdrucken. Mitglied werden →
Aus dem Werkverzeichnis↑
Vollständiges Werkverzeichnis bei Wikipedia (9 weitere Titel)