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Porträt Jonathan Swift
Jonathan Swift
1667 – 1745
– Autorenporträt –

Jonathan Swift

1667 – 1745 · 77 Jahre

Irischer Satiriker und Geistlicher der frühen Aufklärung – weltberühmt durch den 1726 erschienenen Roman Gullivers Reisen.

Kurzporträt

Jonathan Swift (1667–1745) war ein irischer Schriftsteller und Geistlicher der frühen Aufklärung. Weltberühmt wurde er durch den satirischen Roman Gullivers Reisen, der 1726 erschien. Dieses Werk gilt bis heute als eines der wirkmächtigsten der englischsprachigen Literatur. Daneben verfasste Swift scharfzüngige politische Pamphlete. Darin prangerte er die Ausbeutung Irlands durch englische Gutsbesitzer an. Viele Schriften veröffentlichte er anonym oder unter Pseudonymen wie Isaac Bickerstaff oder M. B. Drapier. Zugleich war er Dekan an der St. Patrick's Cathedral in Dublin.


Biografie

Jonathan Swift kam am 30. November 1667 in Dublin zur Welt, sieben Monate nach dem Tod seines gleichnamigen Vaters. Er war das zweite Kind seiner Eltern. Die Mutter, Abigail Erick, blieb zunächst in Irland und zog später nach Leicester. Die ersten fünf Lebensjahre verbrachte der Junge bei einem Kindermädchen in England. Danach wuchs er in Dublin bei Verwandten auf.

1682 schrieb er sich auf Wunsch eines Onkels als Theologiestudent an der Dubliner Universität ein. Er soll als rebellisch aufgefallen sein und erhielt seinen Abschluss nur „gnadenhalber" (by special favour). Nach der Ausbildung in Dublin ging Swift nach England. Dort trat er eine Stelle als Sekretär bei Sir William Temple an, einem Diplomaten im Ruhestand und entfernten Verwandten seiner Mutter. Temple ermöglichte ihm eine weitere Universitätsausbildung. Diese schloss Swift in Hart Hall in Oxford mit dem Master of Arts ab. Temple sah in Swift einen Emporkömmling, und die Beziehung der beiden verschlechterte sich danach.

Swift kehrte nach Irland zurück und ließ sich zum Priester der anglikanischen Church of Ireland ordinieren. 1694 fand er in Kilroot eine Anstellung. Wegen der Arbeitsbedingungen und eines erneuten Angebots Temples gab er sie aber bald wieder auf. Die zweite Anstellung bei Sir William ab 1695 verlief erfolgreicher. Hier vollendete Swift sein erstes größeres Werk, A Tale of a Tub, und schrieb The Battle of the Books. Beide erschienen erst 1704. In dieser Zeit lernte er auch Esther Johnson (1681–1728) kennen, die uneheliche Tochter Temples. In seinen Tagebüchern nannte er sie Stella.

Der Tod seines Gönners 1699 beendete Swifts gute Stellung. Auf eine hohe Position in der englischen Kirche konnte er nicht mehr hoffen. So zog er erneut nach Irland und fand dort wieder eine Anstellung in der Kirche. Esther Johnson folgte ihm und ließ sich im nahegelegenen Trim nieder. Seine literarische Karriere begann 1701 mit der anonymen Veröffentlichung von Dissensions in Athens and Rome.

Politisch engagierte sich Swift zunächst für die Whigs. Aus Enttäuschung über deren Politik wechselte er ab 1710 zu den Tories. 1710/1711 gab er die Tory-Wochenzeitung Examiner heraus. Die Verbindungen zu den Tories verhalfen dem als ehrgeizig geltenden Swift zum Dekanat von St. Patrick in Dublin. Mit dem Tod Queen Annes endete der Einfluss der Tories und damit auch Swifts politische Karriere. In Irland folgten scharfzüngige Satiren gegen die Ausbeutung der mittellosen Iren durch englische Gutsbesitzer. Einige Schriften erregten ein solches Aufsehen, dass die englische Regierung 300 Pfund für die Ermittlung des anonymen Verfassers auslobte. Berühmt wurden die Briefe des Tuchhändlers M. B. in Dublin (1724), in denen er das neue englische Kupfergeld in Irland schmähte. Erzbischof Boulter warf ihm vor, er wiegele das Volk auf. Swift antwortete: „Ich bräuchte bloß meine Finger zu heben und Sie würden in Stücke gerissen."

Neben seiner Beziehung zu Esther Johnson unterhielt Swift eine elfjährige heimliche Affäre mit Esther Vanhomrigh, die er Vanessa nannte. Sie wusste nichts von Stella. Sie starb 1723, kurz nachdem Swift ihr die Lage gebeichtet hatte. Stella starb 1728. Im höheren Alter galt Swift zunehmend als reizbar, unhöflich und exzentrisch. 1733 erschien eine groteske Abhandlung über Fäkalien mit dem Titel Human ordure botanically considered. Die Verfasserschaft wird ihm zugeschrieben, ist aber nicht eindeutig geklärt.

Swift soll lange an einer Innenohrerkrankung gelitten haben, die Schwindel auslöste und ihm im Alter immer mehr zusetzte. Umstritten ist die Vermutung, er habe sich seit 1740 in einem Zustand geistiger Umnachtung befunden. 1742 machte ihn ein Schlaganfall zum Invaliden. Eine biografische Vorbemerkung in einer Ausgabe von Gullivers Reisen aus dem Jahr 1839 nennt als Todesursache eine Wasseransammlung im Gehirn, die sich bei der Öffnung nach seinem Tod gezeigt habe. Swift starb am 19. Oktober 1745 in Dublin. Sein Grab befindet sich neben dem Esther Johnsons in der St. Patrick's Cathedral. Seine selbst verfasste lateinische Grabinschrift wurde später durch William Butler Yeats unter dem Titel Swift's Epitaph frei ins Englische übertragen.


Literarische Merkmale

Swift war Satiriker durch und durch. Sein Schreiben ist geprägt von scharfer Zunge, beißendem Spott und politischer Schlagkraft. Vieles veröffentlichte er anonym oder unter einer Vielzahl von Pseudonymen: Isaac Bickerstaff, M. B. Drapier, A Dissenter oder die spöttisch verschnörkelte Selbstbezeichnung T.R.D.J.S.D.O.P.I.I. (The Reverend Doctor Jonathan Swift, Dean of Patrick's in Ireland). Diese Maskerade war Teil seiner Methode. Sie ermöglichte ihm angriffslustige Polemik, ohne sich namentlich zu exponieren.

Sein Werk reicht von der gelehrt-allegorischen Satire (A Tale of a Tub, The Battle of the Books) über politische Streitschriften und Pamphlete bis zum großen erzählerischen Wurf in Gullivers Reisen. In den Briefen des Tuchhändlers M. B. (1724) griff er das in Irland eingeführte englische Kupfergeld an. Der Angriff war so wirkungsvoll, dass die englische Regierung ein Kopfgeld auf den anonymen Verfasser aussetzte. Auch das Groteske gehörte zu seinem Spektrum. Die ihm zugeschriebene Abhandlung Human ordure botanically considered von 1733 zeigt einen Autor, der vor keinem Tabu zurückschreckte.


Rezeption

Swift gilt bis heute vor allem als der Autor von Gullivers Reisen. Der 1726 erschienene Roman ist sein nachwirkendstes Werk. Er hat den Namen seines Verfassers in das kulturelle Gedächtnis der europäischen Literatur eingeschrieben.

Auch über den Tod hinaus blieb seine Person Gegenstand literarischer Würdigung. William Butler Yeats übertrug Swifts selbstverfasste lateinische Grabinschrift unter dem Titel Swift's Epitaph frei ins Englische – ein später Gruß eines großen irischen Dichters an seinen scharfzüngigen Landsmann. Sein Grab in der St. Patrick's Cathedral in Dublin, neben dem Esther Johnsons, ist bis heute Erinnerungsort. Die zahlreichen Pseudonyme, unter denen Swift schrieb, finden sich noch in den modernen Namensverzeichnissen der bibliografischen Standardwerke wieder. Sie zeugen von einer Wirkungsgeschichte, die sich nicht auf ein einziges Werk reduzieren lässt.

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