1902 – 1968
John Steinbeck
Kurzbiografie↑
Zu den meistgelesenen amerikanischen Autoren des 20. Jahrhunderts zählt John Steinbeck, geboren 1902 in Salinas in Kalifornien, gestorben 1968 in New York. In zahlreichen Romanen, Erzählungen, Novellen und Drehbüchern schilderte er das Leben der einfachen Menschen seiner kalifornischen Heimat, besonders der verarmten Landarbeiter. 1940 erhielt er den Pulitzer-Preis für den Roman Früchte des Zorns, 1962 den Nobelpreis für Literatur. Zeitweise arbeitete er als Journalist und war 1943 Kriegsberichterstatter im Zweiten Weltkrieg.
Biografie↑
Geboren wurde John Ernst Steinbeck 1902 in Salinas, Kalifornien, rund 150 Kilometer südlich von San Francisco. Drei seiner vier Großeltern waren Einwanderer aus Europa. Sein Großvater väterlicherseits, der Tischler Johann Adolph Großsteinbeck, stammte aus Heiligenhaus bei Düsseldorf und verkürzte seinen Namen in Amerika zu Steinbeck. Er hatte 1854 in Palästina die Missionarstochter Almira Anne Dickson geheiratet und war nach der Ermordung seines Bruders mit ihr in die USA ausgewandert. Nach Stationen in Massachusetts und Florida ließ er sich schließlich als Milchfarmer in Kalifornien nieder. Das unstete Leben dieses Großvaters diente Steinbeck später als Vorbild für die Figur des Adam Trask in Jenseits von Eden. Auch seinen Großeltern mütterlicherseits, dem aus Nordirland stammenden Samuel Hamilton und Elizabeth Fagen, setzte er in diesem Roman ein Denkmal.
Steinbecks Eltern waren John Ernst Steinbeck II. und die Lehrerin Olive Hamilton. Der Vater leitete zunächst eine Mühle, die 1910 in die Insolvenz ging. Als Buchhalter einer Zuckerfabrik und später als Kämmerer des Monterey County kam er wieder zu bescheidenem Wohlstand und nahm in Salinas eine respektierte Stellung ein. Der junge John zeigte schon als Schüler ein ausgeprägtes Interesse an Literatur und begann selbst zu schreiben. 1919 nahm er ein Studium an der Stanford University auf und belegte Kurse in englischer und klassischer Literatur, Journalismus und Geschichte, darunter auch einen der ersten Kurse für kreatives Schreiben an amerikanischen Universitäten. Bald jedoch war er vom akademischen Leben enttäuscht. Während der Semesterferien arbeitete er über immer längere Zeiträume auf Farmen, Baustellen und in Fabriken. 1924 verließ er Stanford ohne Abschluss. Prägender als das Studium waren für ihn diese Gelegenheitsjobs, denn dort lernte er das Milieu der Menschen kennen, die später im Mittelpunkt vieler seiner Werke standen.
1925 ging Steinbeck als Journalist und freier Schriftsteller nach New York, fand dort aber wenig Anklang und kehrte bald nach Kalifornien zurück. 1929 erschien sein erster Roman Eine Handvoll Gold, eine Lebensbeschreibung des englischen Freibeuters Henry Morgan. Dieses Werk blieb ebenso unbeachtet wie Das Tal des Himmels von 1932. Steinbeck und seine erste Frau Carol Henning, die er 1930 geheiratet hatte, lebten in finanziell bedrängten Verhältnissen. Einen ersten Erfolg brachte 1935 der episodische Roman Tortilla Flat, in dem er das Leben einer Clique bettelarmer, aber lebenslustiger Hispanics nach dem Vorbild der Tafelrunde von König Artus schildert.
Nach dem Roman Stürmische Ernte, der einen Landarbeiterstreik behandelt, nahm Steinbeck 1936 den Auftrag der Zeitung San Francisco News an, eine Artikelserie über entwurzelte Wanderarbeiter aus der „Dust Bowl“ zu schreiben. Verarmte Farmer aus Oklahoma, die „Okies“, zogen damals auf der Suche nach Arbeit nach Kalifornien. Die Erfahrungen dieser Recherchen gingen in seine beiden bekanntesten Werke ein: die Novelle Von Mäusen und Menschen von 1937 und den sozialkritischen Roman Früchte des Zorns von 1939. Dieser Bestseller verkaufte sich schon im ersten Jahr 430.000 Mal und wurde kurz darauf von John Ford verfilmt. In konservativen Kreisen wurde er als klassenkämpferisch abgelehnt und in Kalifornien zeitweise verboten. Steinbeck verstand sich jedoch nie als linientreuer Sozialist, auch wenn er starke Sympathien für die politische Linke hegte und 1937 erstmals die Sowjetunion besuchte. Er war ein überzeugter Anhänger der New-Deal-Politik von Präsident Franklin D. Roosevelt, der ihn zweimal ins Weiße Haus einlud. 1939 wurde Steinbeck in die American Academy of Arts and Letters gewählt, 1940 brachte ihm Früchte des Zorns den Pulitzer-Preis ein.
Nach dem japanischen Angriff auf Pearl Harbor 1941 fühlte sich Steinbeck verpflichtet, den Kampf gegen das nationalsozialistische Deutschland zu unterstützen. Für den neu gegründeten „Foreign Information Service“ in Washington entwickelte er ein Propagandaprojekt, aus dem 1942 das Theaterstück Der Mond ging unter wurde. Als Roman erschien es 1943 in der Schweiz; heimlich gedruckte Übersetzungen verbreiteten sich in mehreren besetzten Ländern Europas. Zur selben Zeit geriet seine Ehe in eine Krise. 1941 hatte er die Sängerin Gwendolyn „Gwyn“ Conger kennengelernt; die Beziehung führte zur Trennung von Carol. Anfang 1943 zog Steinbeck mit Gwyn nach New York, im März heirateten sie. Er ließ sich als Kriegsreporter bei der New York Herald Tribune anstellen und schrieb zuvor noch für Alfred Hitchcock einen ersten Drehbuchentwurf zu dem Kriegsdrama Das Rettungsboot. Von Juni bis Oktober 1943 war er als Kriegsberichterstatter tätig, erlebte die Landung der Alliierten in Italien mit und hielt seine Eindrücke später in An den Pforten der Hölle fest.
1944 zog Steinbeck mit seiner Familie wieder nach Monterey. Bereits 1930 hatte er sich dort mit dem Meeresbiologen Ed Ricketts angefreundet, der ihm die ökologischen Zusammenhänge des Lebens nahebrachte und großen Einfluss auf seine Weltsicht gewann. Ricketts diente ihm als Vorbild für die Figur des Doc in dem Roman Die Straße der Ölsardinen von 1945 und dessen Fortsetzung Wonniger Donnerstag von 1947. Ein drittes Mal erscheint Doc in dem Reisebericht Logbuch des Lebens. Nach 1945 fiel es Steinbeck zunehmend schwer, an die Erfolge der Vorkriegszeit anzuknüpfen. Aus einem erneuten Besuch der Sowjetunion 1947, diesmal mit dem Fotografen Robert Capa, ging der Reisebericht Russisches Tagebuch hervor. 1948 starb sein Freund Ed Ricketts, im selben Jahr trennte sich Steinbeck von Gwyn. 1949 lernte er die Texanerin Elaine Anderson Scott kennen, die er 1950 heiratete und mit der er wieder nach New York zog.
1952 gelang ihm mit dem epischen Roman Jenseits von Eden noch einmal ein großer Wurf; er erzählt die Geschichte der Familien Trask und Hamilton vom Bürgerkrieg bis zum Ersten Weltkrieg. Im selben Jahr entstand der Film Viva Zapata! nach seinem Drehbuch, inszeniert von Elia Kazan mit Marlon Brando. Kazan verfilmte drei Jahre später auch Jenseits von Eden mit dem jungen James Dean. 1954 erhielt Steinbeck die Freiheitsmedaille des US-Präsidenten und erlitt auf einer Europareise einen ersten leichten Schlaganfall. Ende der 1950er Jahre lebte er zeitweise im englischen Somerset und arbeitete an einer modernen Fassung der Artussage, die unvollendet blieb. Von seinem Anwesen in Sag Harbor auf Long Island startete er 1960 mit einem zum Wohnmobil umgebauten Kleinlaster und seinem Pudel Charley zu einer Rundreise durch die USA, über die er 1962 das Buch Die Reise mit Charley: Auf der Suche nach Amerika veröffentlichte. 1962 erreichte ihn die Nachricht vom Nobelpreis, den er als sechster US-Amerikaner erhielt.
In den sechziger Jahren unterstützte Steinbeck Präsident Lyndon B. Johnson und dessen Programm einer „Great Society“. Seine persönliche Freundschaft mit Johnson führte dazu, dass er zu den wenigen Intellektuellen gehörte, die den Vietnamkrieg befürworteten – was ein Zerwürfnis mit seinem Sohn John zur Folge hatte, der als Kriegsberichterstatter zum Pazifisten geworden war. 1967 reiste Steinbeck selbst nach Vietnam und kehrte als kranker Mann zurück, nicht mehr in der Lage zu schreiben. Am 20. Dezember 1968 starb er im Alter von 66 Jahren an Herzversagen; seine Asche wurde in seiner Heimatstadt Salinas beigesetzt. In den Quellen wird der Sterbeort unterschiedlich angegeben: Die Deutsche Nationalbibliothek nennt New York, während Wikidata den Stadtteil Harlem verzeichnet.
Literarische Merkmale↑
Seine Stoffe fand Steinbeck fast durchweg in seiner kalifornischen Heimat, in der Gegend um Salinas und Monterey, die heute Steinbeck Country genannt wird. Immer wieder stellte er einfache, oft bettelarme Menschen in den Mittelpunkt: die lebenslustige Clique von Tortilla Flat, die entwurzelten Wanderarbeiter der Depression, die Bewohner der Ölsardinenstraße. Sein Erzählen gilt als realistisch und genau. Gerade die Schilderung des Elends der Wanderarbeiter in Früchte des Zorns machte das Buch zu einem großen literarischen Werk und zugleich zu einer historischen Quelle ersten Ranges.
Ebenso einfühlsam, wie er zuvor die Arbeitermilieus dargestellt hatte, schilderte Steinbeck später das Alltagsleben der Soldaten – nicht als Heldengeschichte, sondern als den verzweifelten Versuch, in ständiger Gefahr zu überleben. Manche seiner Werke sind episodisch angelegt, andere breit und epochenübergreifend erzählt wie der Familienroman Jenseits von Eden. Auftragsarbeiten für den Krieg fielen dagegen betont plakativ aus, so das Propagandastück Der Mond ging unter. Wiederkehrend ist bei ihm auch das Verfahren, wirklichen Menschen aus seinem Leben literarische Denkmäler zu setzen: seinen Großeltern in Jenseits von Eden, dem Meeresbiologen Ed Ricketts in der Figur des Doc.
Rezeption↑
Seinen Durchbruch beim breiten Publikum erlebte Steinbeck 1935 mit Tortilla Flat. Einen besonders großen Widerhall aber fanden Von Mäusen und Menschen und vor allem Früchte des Zorns, die Kritik und Leser bis heute am stärksten beeindrucken. Der Roman wurde ein Bestseller, verkaufte sich im ersten Jahr 430.000 Mal und wurde rasch von John Ford verfilmt. Zugleich war er umstritten: In konservativen Kreisen galt er als klassenkämpferisch und wurde in Kalifornien zeitweise verboten. Trotzdem brachte er Steinbeck 1940 den Pulitzer-Preis ein und gilt seither als Great American Novel wie auch als erstrangige historische Quelle.
Nach dem Krieg fiel es Steinbeck schwer, an diese Wirkung anzuknüpfen. Viele Kritiker sahen in Die Straße der Ölsardinen und Wonniger Donnerstag nur Abwandlungen des Themas von Tortilla Flat. Mit Jenseits von Eden gelang ihm 1952 jedoch noch einmal ein großer Erfolg. Auch das Kino trug seinen Ruhm weiter: Elia Kazans Verfilmungen von Viva Zapata! mit Marlon Brando und von Jenseits von Eden mit James Dean machten seine Stoffe einem Millionenpublikum bekannt. Die öffentliche Anerkennung fand ihren Höhepunkt in mehreren Ehrungen: 1939 die Wahl in die American Academy of Arts and Letters, 1954 die Freiheitsmedaille des US-Präsidenten und 1962 der Nobelpreis für Literatur, den er als sechster US-Amerikaner entgegennahm.
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