1721 – 1771
Tobias Smollett
Kurzbiografie↑
Schottischer Arzt und Schriftsteller, der zu den prägenden Erzählern des englischen Romans im 18. Jahrhundert zählt. Tobias George Smollett wurde am 19. März 1721 geboren und starb am 17. September 1771 in Livorno. Berühmt wurde er 1748 mit dem Schelmenroman Roderick Random. In rascher Folge schrieb er weitere pikareske Romane. Daneben verfasste er Reiseberichte, ein umfangreiches Geschichtswerk und Übersetzungen. Sein letzter Roman Humphry Clinker erschien im Jahr seines Todes. Er gilt vielen Lesern als sein gelungenstes Werk.
Biografie↑
Geboren wurde Smollett im März 1721 als Sohn eines Richters und Grundbesitzers. Seinen Unterricht erhielt er durch Hauslehrer. Über den Geburtsort gehen die Quellen auseinander. Die Deutsche Nationalbibliothek nennt Dalquhurn in West Dunbartonshire, Wikidata verzeichnet das nahegelegene Cardross.
In den 1730er Jahren begann er an der University of Glasgow ein Medizinstudium. Er beendete es jedoch ohne formalen Abschluss. Den Titel eines Doctor of Medicine erhielt er 1750 in absentia vom Marischal College in Aberdeen. Nach einer kurzen Tätigkeit als Assistent eines Chirurgen in Glasgow zog Smollett 1739 nach London, um sich dort als Dramatiker zu versuchen. Großen Erfolg hatte er damit nicht. 1740 ging er als Schiffsarzt an Bord der H.M.S. Chichester nach Jamaika, wo er sich für mehrere Jahre niederließ.
Nach seiner Rückkehr eröffnete er 1747 eine Arztpraxis in London. Im selben Zug heiratete er die wohlhabende jamaikanische Erbin Anne Nancy Lascelles (1721–1791). Freundschaftlich verbunden war er mit dem schottischen Arzt und Geburtshelfer William Smellie. Seine erste Veröffentlichung war ein Gedicht über die Schlacht von Culloden. Den Durchbruch brachte 1748 der pikareske Roman Roderick Random. Diesen hatte er nach dem Vorbild des Gil Blas von Alain-René Lesage verfasst. Darin verband er autobiografische Erfahrungen mit Komik und Fabulierkunst zu einem Schelmenroman.
In den folgenden Jahren sammelte Smollett in Frankreich Material für seinen nächsten Roman The Adventures of Peregrine Pickle. Dieser erschien 1751 und wurde ebenfalls ein großer Erfolg. 1752 ließ er sich von Henry Fielding und John Hill in den sogenannten Paper War von 1752/53 hineinziehen. 1753 folgte Ferdinand Count Fathom, der in mancher Hinsicht den späteren Schauerroman vorwegnahm. Smollett galt nun als führende literarische Persönlichkeit. Er stand in Verbindung mit David Garrick, Oliver Goldsmith, Samuel Johnson und Laurence Sterne.
In seinem letzten Lebensjahrzehnt verfasste er die mehrbändige A Complete History of England (1757–1758). Dazu kam eine mehrbändige Continuation (ab 1760), die als Anschluss an David Humes Geschichtswerk konzipiert war. Smollett betrachtete dieses historische Werk als sein eigentliches Hauptwerk. Hinzu kamen der Roman Sir Launcelot Greaves (1760) und der Reisebericht Travels through France and Italy (1766). Sein letzter Roman Humphry Clinker erschien im Jahr seines Todes. In ihm sind Elemente des Schelmenromans, des Briefromans und des Reiseberichts kunstvoll zu einer Einheit verbunden. Aus gesundheitlichen Gründen verbrachte Smollett seine letzten Jahre in Italien. Dort starb er 1771 in Livorno.
Literarische Merkmale↑
Charakteristisch für Smolletts Romane ist die Form des Schelmenromans in der Nachfolge des spanischen Vorbilds und des Gil Blas von Lesage. In Roderick Random verband er eigene Lebenserfahrung mit Komik und ausgeprägter Fabulierkunst. Mit Ferdinand Count Fathom näherte er sich Motiven, die den späteren Schauerroman vorwegnahmen. Sein Spätwerk Humphry Clinker zeigt, wie er verschiedene Erzählformen zusammenführte. Elemente des Schelmenromans, des Briefromans und des Reiseberichts fügen sich darin zu einer Einheit.
Rezeption↑
Bereits zu Lebzeiten galt Smollett als eine führende literarische Persönlichkeit seiner Zeit. Er stand in Verbindung mit David Garrick, Oliver Goldsmith, Samuel Johnson und Laurence Sterne. Roderick Random machte ihn 1748 berühmt, Peregrine Pickle festigte diesen Erfolg. Sein letzter Roman Humphry Clinker gilt vielen Lesern bis heute als sein gelungenstes Werk. Im deutschen Sprachraum wurden seine Romane früh und über Jahrhunderte immer wieder übersetzt. Schon im 18. Jahrhundert erschienen Übertragungen, darunter Humphry Clinker in der Übersetzung von Johann Joachim Christoph Bode (1772). Bis ins späte 20. Jahrhundert folgten zahlreiche Neuausgaben.
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