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Das Lexikon der klassischen Literatur
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Porträt Su Shi
Su Shi
1037 – 1101
– Autorenporträt –

Su Shi

1037 – 1101 · 64 Jahre

Su Shi war Dichter, Maler und Beamter der chinesischen Song-Dynastie – seine rund 2.700 Gedichte entstanden zwischen hohen Staatsämtern und wiederholter Verbannung.

Kurzbiografie↑

Zu den bekanntesten Dichtern der chinesischen Song-Dynastie zählt Su Shi, geboren 1037, gestorben 1101. Bekannter ist er unter dem Ehrennamen Su Dongpo, „Su vom Osthang“, den er sich während einer Verbannung gab. Er war zugleich Beamter, Maler und Kalligraf und hinterließ etwa 2.700 Gedichte. Sein Leben verlief in einem Wechsel von hohen Staatsämtern und harten Verbannungen, denn er geriet immer wieder in die Parteikämpfe seiner Zeit. Bis heute erinnern in China ein Damm am Westsee und ein Schweinefleischgericht an seinen Namen.


Biografie↑

Geboren wurde Su Shi 1037 in Meishan in der heutigen Provinz Sichuan. Sein Vater Su Xun war Literat, sein Bruder Su Zhe wurde später ebenfalls ein bekannter Gelehrter. Die Familie war also von Anfang an dem Studium und dem Schreiben verpflichtet.

Im Jahr 1057 bestand Su Shi gemeinsam mit seinem Bruder die chinesische Beamtenprüfung als Jinshi. Diese Prüfung war die Voraussetzung für ein hohes Regierungsamt. 1060 trat er in den Staatsdienst ein. Zwanzig Jahre lang bekleidete er unterschiedliche Beamtenposten in ganz China, vor allem in Hangzhou in der Provinz Zhejiang. An diese Zeit erinnert bis heute der nach ihm benannte Su-Damm, der quer über den Westsee führt.

1069 wurde er Sekretär im Ministerium für das Beamtenwesen. Dort trat er offen als Gegner der Reformpolitik des Kanzlers Wang Anshi auf. Die Folge war eine Strafversetzung nach Huangzhou in der Provinz Hubei. Dort lebte er auf einem kleinen Landgut ohne Bezüge und in tiefer Armut. Häufig setzte er über einen inzwischen ausgetrockneten See zum „Roten Abhang“ Dongpo über; von diesem Ort stammt sein Beiname. In jener Zeit hatte er Kontakt zu einem Zenpriester und beschäftigte sich mit Meditation und mit dem Buddhismus.

1079 wurde gegen ihn ein Verfahren wegen beleidigender Äußerungen über die Regierung angestrengt. Für kurze Zeit kam er sogar ins Gefängnis. Erst 1086, nach dem Tod Wang Anshis, rief man ihn an den Kaiserhof in Kaifeng zurück. Dort übernahm er wieder hohe Staatsämter.

1094 kam die Reformpartei erneut an die Macht, und Su Shi wurde ein zweites Mal der Prozess gemacht. Der Vorwurf lautete, er habe sich abschätzig über den Kaiser geäußert. Zunächst verbannte man ihn in die heutige Provinz Guangdong, danach auf die subtropische Insel Hainan. Diese lag damals noch außerhalb des chinesischen Kulturraums. 1101 ließ die Kaiserinmutter ihn rehabilitieren. Doch noch im selben Jahr starb er nach seiner Begnadigung im Ort Changzhou in der heutigen Provinz Jiangsu.

Der unruhige Verlauf dieses Lebens hat einen politischen Grund. Im ausgehenden 11. Jahrhundert bildeten sich am Hof politische Parteien, die erbittert um die Durchsetzung ihrer Ziele stritten. Fast jeder Machtwechsel zog Säuberungsaktionen nach sich. Su Shi hatte immer wieder Kritik an der Regierungspolitik geübt, und so traf ihn Versetzung, Verbannung und Haft. Verglichen mit den Strafen früherer Dynastien blieben diese Maßnahmen allerdings maßvoll. Auslöser des jahrzehntelangen Parteienstreits waren vor allem die Reformen Wang Anshis.

Bemerkenswert ist, wie Su Shi selbst später über diesen Streit urteilte. Für seine Angriffe entschuldigte er sich persönlich bei Wang Anshi mit den Worten: „Als die neue Politik zuerst verkündet wurde, waren wir sicher zu voreingenommen. In unserem Enthusiasmus für Gegenargumente schadeten wir dem Land sehr. Wir sprachen impulsiv und trafen selten die Wahrheit.“ Groll blieb offenbar nicht zurück. Nachdem sich Wang Anshi aus der aktiven Politik zurückgezogen hatte, trafen sich die beiden Dichter sogar, um über Literatur zu sprechen.

Auch nach seinem Tod schwankte das Urteil über ihn. Seine Werke blieben jahrzehntelang verboten, und sein Name wurde als der eines von 120 Verrätern in eine Stele eingemeißelt. Später erhielt er sogar einen Platz im Konfuziustempel. Sechs Jahrhunderte danach entfernte man die Tafel mit seinem Namen jedoch wieder.

Ein volkstümliches Andenken hat sich bis heute gehalten. Nach ihm benannt ist das Schweinefleischgericht „Dongporou“, „Fleisch nach Dongpo-Art“. Der Überlieferung nach erfand er es, weil die Arbeit an einem Gedicht ihn einen Topf mit schmorendem Schweinefleisch vergessen ließ; nach mehreren Stunden war es besonders zart geworden.


Literarische Merkmale↑

Am stärksten trat Su Shi als Dichter und als Prosaschriftsteller hervor. Rund 2.700 Gedichte gehen auf ihn zurück. Zu den bekanntesten zählen Chibifu („Die roten Klippen“) und Shuidiao getou („Erinnerung an Su Che am Mondfest“).

Sein Schaffen beschränkte sich nicht auf das Wort. Er gilt als wichtiger Vertreter der chinesischen Tuschmalerei, die während der Song-Dynastie entstand. In der Kalligraphie zählte man ihn zu den „Vier Meistern der Song-Zeit“, zu denen auch Huang Tingjian gehörte. Dichtung, Malerei und Schriftkunst gehörten bei ihm zusammen.


Rezeption↑

Sein Nachruhm verlief ebenso wechselhaft wie sein Leben. Nach dem Tod wurde Su Shi abwechselnd geächtet und geehrt: Seine Werke blieben jahrzehntelang verboten, sein Name stand als einer von 120 Verrätern auf einer Stele. Später ehrte man ihn mit einem Platz im Konfuziustempel, doch sechs Jahrhunderte danach wurde die Tafel mit seinem Namen wieder entfernt.

In der westlichen Forschung hat man sich vor allem mit dem Gerichtsverfahren gegen ihn befasst. Charles Hartman untersuchte 1993 im Journal of the American Oriental Society das Verfahren gegen Su Shi als Beispiel für die Rechtspraxis der Song-Zeit. Lin Yutang legte 1947 die englischsprachige Veröffentlichung „The Gay Genius“ über ihn vor.

Im deutschen Sprachraum ist er unter einer Vielzahl von Namensformen verzeichnet, von Su Dongpo über Su Tung-p'o bis Su Zizhan. Die Deutsche Biographie führt ihn mit einem Indexeintrag; sein Werk ist im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek nachgewiesen.

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