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Autoreneintrag · Hermann Sudermann
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Porträt Hermann Sudermann
Hermann Sudermann
1857 – 1928
– Autorenporträt –

Hermann Sudermann

1857 – 1928 · 71 Jahre

Hermann Sudermann war einer der erfolgreichsten Bühnenautoren des deutschen Kaiserreichs, dessen zugkräftige Stücke die Theater füllten und zugleich scharfe Kritik hervorriefen – vor allem beim einflussreichen Kritiker Alfred Kerr.

Kurzporträt

Zu den erfolgreichsten Bühnenautoren des deutschen Kaiserreichs gehörte Hermann Sudermann, geboren am 30. September 1857, gestorben am 21. November 1928 in Berlin. Bekannt wurde er vor allem als Dramatiker des Naturalismus: Sein Schauspiel Die Ehre machte ihn 1889 über Nacht berühmt, mit Heimat gelang ihm 1893 ein internationaler Erfolg. Zugleich hatte er sich schon zuvor als Erzähler einen Namen gemacht, etwa mit den Romanen Frau Sorge und Der Katzensteg. Zeitweise galt er als Anwärter auf den Literatur-Nobelpreis. Seine gebauten, wirkungssicheren Stücke füllten die Theater, riefen aber auch scharfe Kritik hervor.


Biografie

Geboren wurde Sudermann als Sohn des Landwirts und Bierbrauers Johann Sudermann und seiner Frau Dorothea, geborene Raabe. Die Familie des Vaters stammte von niederländischen Mennoniten ab, die einst in das Weichseldelta eingewandert waren. Sein Geburtsort war Matzicken (heute Macikai) im Kreis Heydekrug, ein Dorf in Ostpreußen im Memelland, wo Sudermann aufwuchs.

Er besuchte die Volksschule in Heydekrug und die Realschule in Elbing, die er in der Obersekunda abbrach. Danach begann er eine Apothekerlehre, die er aus gesundheitlichen Gründen aufgeben musste. 1872 trat er in das Realgymnasium in Tilsit ein und legte dort 1875 die Reifeprüfung ab. Anschließend studierte er in Königsberg Geschichte und Philosophie. 1877 wechselte er nach Berlin, wo er nur noch sporadisch studierte und ohne akademischen Abschluss blieb. Weil ihm das Geld fehlte, arbeitete er als Hauslehrer, unter anderem für die Söhne des Schriftstellers Hans Hopfen und eines Bankiers.

Da seine ersten Versuche in Prosa und Drama wenig Widerhall fanden, wandte sich Sudermann dem Journalismus zu. Seit den frühen 1880er Jahren war er journalistisch tätig, unter anderem für die Liberale Korrespondenz, das Deutsche Reichsblatt und den Reichsfreund, der auch seine ersten Erzählungen veröffentlichte. 1886 erschien seine erste Novellensammlung Im Zwielicht. Bekannt wurde er dann durch die vielfach aufgelegten Romane Frau Sorge (1887) und Der Katzensteg (1890).

1891 heiratete er in Königsberg die verwitwete Schriftstellerin Clara Lauckner, die drei Kinder mit in die Ehe brachte. Das Paar lebte zunächst in Königsberg, dann in Dresden und ließ sich 1895 endgültig in Berlin nieder. Aus der Ehe ging die Tochter Hede hervor. 1900 wurde Sudermann Vorsitzender des Goethe-Bundes, der gegen das geplante Sittengesetz Lex Heinze protestierte. Zu seinen befreundeten Schriftstellern zählten Paul Heyse, Friedrich Spielhagen und Ludwig Fulda. Er sammelte Gemälde und Skulpturen und unternahm ausgedehnte Reisen, unter anderem nach Griechenland, Ägypten, in den Vorderen Orient und nach Indien.

Seit 1902 besaß Sudermann das Landgut Blankensee bei Trebbin, dessen Schloss und Park er mit seiner Kunstsammlung ausstattete. 1909 erwarb er zusätzlich eine repräsentative Villa in Berlin-Grunewald. Blankensee blieb sein bevorzugter Wohnsitz. Von der nationalen Begeisterung zu Beginn des Ersten Weltkriegs wurde auch er erfasst: Er schrieb patriotische Lyrik, sammelte Spenden für Notleidende und war im Herbst 1914 einer der Verfasser des Aufrufs „An die Kulturwelt!“. Nach 1918 gehörte er zu den Gründern des „Bundes schaffender Künstler“, wurde aber als politischer Opportunist angefeindet.

1924 starb seine Frau, mit der er trotz mancher Spannungen lange zusammengelebt hatte. Hermann Sudermann starb 1928 im Alter von 71 Jahren an einer Lungenentzündung, der ein Schlaganfall vorausgegangen war. Nach seinem Testament gründete sein Stiefsohn Rolf Lauckner die Hermann-Sudermann-Stiftung, die bedürftige Autoren unterstützte.


Literarische Merkmale

Bevor Sudermann als Dramatiker durchbrach, hatte er sich als Erzähler einen Namen gemacht. In den gesammelten Erzählungen Im Zwielicht (1886) orientierte er sich an Guy de Maupassant. Sein erster Roman Frau Sorge (1887), ein Bildungsroman mit Zügen des Gesellschaftsromans, schloss anscheinend an die Schule Friedrich Spielhagens an. Der Titel geht auf ein Motiv aus dem zweiten Teil von Goethes Faust zurück. Im Roman Der Katzensteg (1890) stellte man inszenierte Posen und mythische Überhöhung fest; der Literaturwissenschaftler Peter Sprengel sieht darin jedoch mehr als bloße Konvention, nämlich einen Protest gegen ein klerikal verengtes Christentum.

Als Erzähler wirkte Sudermann bis weit ins 20. Jahrhundert zwiespältig. Einerseits stand er im Verdacht der Trivialität, andererseits erzählte er spannungsreich und mit sicherem Gespür für Effekte. Aktuelle Bezüge und sein liberales Engagement rücken ihn in die Nähe der literarischen Moderne. Sein reflektierter, aber ungebrochener Umgang mit überlieferten Modellen und Klischees steigerte allerdings das Pathos der Empfindung, das er den Lesern vermitteln wollte.

Auf der Bühne kontrastierte Sudermann in Die Ehre (1889) den Ehrbegriff der Reichen mit dem der Armen und stellte die gegensätzlichen Wohnverhältnisse von Bürgertum und Proletariat als Vorderhaus und Hinterhaus dar. Sein erfolgreichstes Stück wurde Heimat (1893), die Geschichte einer jungen Frau, die sich den Heiratsplänen ihres Vaters widersetzt und als berühmte Opernsängerin zurückkehrt. Zeitgenössische Kritiker wie Maximilian Harden, Franz Mehring und Alfred Kerr warfen ihm vor, zugunsten der Bühnenwirkung zu konventionellen Lösungen zu greifen. Sudermann hielt in seinen Dramen an den moralischen Idealen fest, die den Naturalismus um 1890 bestimmt hatten. Mit dem nachlassenden Erfolg seiner Stücke wandte er sich verstärkt der Prosa zu, die an den Poetischen Realismus anknüpfte und stärker heimatverbunden wirkte, etwa in den Litauischen Geschichten (1917).


Rezeption

Einer breiten Öffentlichkeit wurde Sudermann durch seine vielfach neu aufgelegten Bestseller-Romane Frau Sorge und Der Katzensteg bekannt. Mit dem Schauspiel Die Ehre (1889), das die soziale Frage und die Moral der bürgerlichen Gesellschaft aufgriff, wurde er laut der Neuen Deutschen Biographie zu einem der bedeutendsten und meistgespielten Dramatiker des Naturalismus. Die Uraufführung seines Künstlerdramas Sodoms Ende (1890) wurde zunächst vom Berliner Polizeipräsidenten untersagt und erst nach Kürzungen erlaubt; auch Kaiser Wilhelm II. nahm Anstoß an dem Stück. In Kassel und München wurde es verboten, in Bielefeld und Halle kam es zu öffentlichen Protesten.

Sudermanns Stücke gehörten, auch dank berühmter Schauspieler wie Eleonora Duse, Albert Bassermann und Josef Kainz, bis weit ins 20. Jahrhundert zum Standardrepertoire vieler deutscher und internationaler Bühnen. Heimat war besonders in England und den USA populär, wo Sarah Bernhardt und Eleonora Duse mit der Hauptrolle bekannt wurden. Zugleich wurden seine raffiniert gebauten, am Konversationsstück geschulten Schauspiele zunehmend kritisch bewertet. In Alfred Kerr erwuchs ihm ein erbitterter Gegner, der die Theatralik der Stücke wortgewaltig ablehnte und die öffentliche Wahrnehmung immer stärker beeinflusste. Sudermann stellte sich der Kritik, stieß mit seiner Entgegnung Die Verrohung in der Theaterkritik (1902) aber nur auf verhaltene Resonanz.

Zeitweise galt er sogar als Kandidat für den Literatur-Nobelpreis, der 1912 jedoch an Gerhart Hauptmann ging, den Sudermann als Konkurrenten empfand. Nach der Jahrhundertwende konnte er nicht mehr an seine früheren Erfolge anknüpfen. In den Litauischen Geschichten (1917) zeigte er sich nach dem Urteil der Neuen Deutschen Biographie noch einmal als treff- und stilsicherer Chronist seiner Zeit. Sein später Roman Der tolle Professor (1926), eine scharfzüngige Bildungssatire, zählt bis heute zu seinen unterschätzten Werken.

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