1820 – 1878
Anna Sewell
Kurzbiografie↑
Anna Sewell war eine britische Schriftstellerin, deren Name mit einem einzigen Buch verbunden ist: Black Beauty. Geboren 1820 in Great Yarmouth in der Grafschaft Norfolk, verbrachte sie ihr Leben überwiegend im Haushalt ihrer Eltern, nachdem eine Verletzung im Jugendalter sie dauerhaft in ihrer Beweglichkeit einschränkte. Erst im Alter von über fünfzig Jahren fasste sie den Entschluss, ein Buch über Pferde zu schreiben. Ihr Anliegen war kein literarisches im engeren Sinne, sondern ein praktisches: Sie wollte Pferdehalter über grausame Haltungsbedingungen aufklären. Das Buch erschien kurz vor ihrem Tod im Jahr 1878; den Erfolg, den es später hatte, erlebte sie nicht mehr.
Biografie↑
Geboren wurde Anna Sewell am 30. März 1820 in Great Yarmouth in Norfolk. Sie war das ältere der beiden Kinder von Mary Wright Sewell und Isaac Sewell; ihr Bruder Philip war zwei Jahre jünger. Noch in Annas früher Kindheit zog die Familie nach London. Wirtschaftliche Schwierigkeiten führten dazu, dass man den Wohnsitz häufig wechselte.
Den ersten Unterricht erhielten Anna und Philip zu Hause von ihrer Mutter. Mary Wright Sewell stammte aus einer Quäkerfamilie. Sie schrieb außerdem selbst Kinderliteratur. Erst in Stoke Newington bei London ging sie zur Schule. Als Vierzehnjährige verletzte sie sich auf dem Heimweg am Knöchel. Ob an einem oder an beiden, ist nicht eindeutig überliefert. Die Verletzung heilte nie richtig aus und prägte ihr weiteres Leben. Sie wohnte bis zu ihrem Tod im Haushalt ihrer Eltern. Ihr Vater starb im selben Jahr wie sie, die Mutter lebte bis 1884.
1866 starb ihre Schwägerin. Philip Sewell blieb mit sieben Kindern zurück. Um ihm zu helfen, zogen die Eltern gemeinsam mit Anna Sewell nach Norfolk, wo die Familie des Bruders lebte. Anna Sewell beteiligte sich dort an der Erziehung ihrer Nichten und Neffen. Ab 1867 wohnte sie im sogenannten „White House“ an der Spixworth Road in Old Catton. Das Anwesen ist heute als Anna Sewell House bekannt.
Außer Haus bewegte sie sich mit einer Ponykutsche, die sie selbst lenkte. Das Pony, das diese Kutsche zog, soll später das Vorbild für die Figur Merrylegs in ihrem Roman geworden sein. Der Rappe Black Beauty selbst geht der Überlieferung nach auf das Kutschpferd ihres Bruders zurück, eine schwarze Stute namens Bess.
Im Alter von über fünfzig Jahren fasste Anna Sewell den Entschluss, ein Buch über Pferde zu schreiben. Ein Kinderbuch hatte sie dabei weniger im Sinn. Sie wollte Pferdehalter und Pferdenutzer über tierquälerische Haltungsbedingungen aufklären. Besonders lag ihr der Aufsatzzügel am Herzen, ein Riemen, der die Pferde zwang, den Kopf in einer unnatürlichen Haltung zu tragen. Die Folge waren Überanstrengung und Atembeschwerden, und die Gespanne verschlissen schneller.
In ihren letzten Lebensjahren konnte sie wegen einer Krankheit das Haus nicht mehr verlassen. Einen Teil des Buches musste sie ihrer Mutter satzweise diktieren. Für das Manuskript erhielt sie keine hohe Bezahlung. Black Beauty wurde kurz vor ihrem Tod veröffentlicht. Den ersten Erfolg erlebte sie noch, den Welterfolg nicht mehr.
Sie starb am 25. April 1878 im White House in Old Catton bei Norwich. Bestattet wurde sie auf dem Quäker-Friedhof in Lamas bei Buxton. Der Ort wird auch Lammas genannt. Ihr Grabstein ist erhalten. Seit das Grab 1984 eingeebnet wurde, steht er jedoch nicht mehr an der ursprünglichen Stelle.
Das Geburtshaus in Great Yarmouth ist heute ein Museum. In Norwich steht am Eingang zum Sewell Park, an der Kreuzung von Constitution Hill und St. Clement's Hill, ein Brunnen in Form einer Pferdetränke. Ada Sewell ließ ihn 1917 zur Erinnerung an Anna Sewell dort aufstellen. Im Sewell Barn, heute Heimat der Sewell Barn Theatre Company, soll einst das Pferd gelebt haben, das sie zur Figur des Black Beauty anregte. Das Gebäude gehörte zum Anwesen ihres Bruders Philip; dessen eigentliches Wohnhaus ist nicht erhalten.
Literarische Merkmale↑
Kennzeichnend für Anna Sewells Schreiben ist, dass es einem außerliterarischen Zweck diente. Sie wollte mit Black Beauty aufklären, nicht unterhalten: Adressaten waren Pferdehalter und Pferdenutzer, denen sie die Folgen grausamer Haltungsbedingungen vor Augen stellen wollte. Konkrete Missstände wie der Aufsatzzügel werden im Buch beim Namen genannt. Ein Kinderbuch hatte sie ausdrücklich weniger im Sinn. Die Entstehungsbedingungen hinterließen ebenfalls Spuren: Einen Teil des Textes diktierte die erkrankte Verfasserin ihrer Mutter Satz für Satz.
Rezeption↑
Zu Lebzeiten brachte das Buch seiner Verfasserin wenig ein – für das Manuskript erhielt sie keine hohe Bezahlung. Black Beauty erschien kurz vor ihrem Tod. Den ersten Erfolg erlebte sie noch, den Welterfolg nicht mehr. Ihr Name blieb dauerhaft mit diesem einen Buch verknüpft.
In Norfolk erinnern mehrere Orte an sie. Ihr Geburtshaus in Great Yarmouth ist heute ein Museum, und das „White House“ in Old Catton trägt den Namen Anna Sewell House. 1917 ließ Ada Sewell in Norwich am Eingang zum Sewell Park eine Pferdetränke als Gedenkbrunnen aufstellen – ein Denkmal, das das Anliegen des Buches aufgreift. Der Sewell Barn, in dem das Vorbildpferd gelebt haben soll, dient heute einer Theatergruppe als Spielstätte. Der englische Text von Black Beauty ist beim Project Gutenberg als E-Book frei zugänglich.
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