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Das Lexikon der klassischen Literatur
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Porträt Leonardo Sciascia
Leonardo Sciascia
1921 – 1989
– Autorenporträt –

Leonardo Sciascia

1921 – 1989 · 68 Jahre

Sizilianischer Erzähler und Chronist der Mafia, dessen Kriminalromane zugleich die politische Macht Italiens sezierten – gerühmt als „Gewissen der italienischen Gesellschaft“.

Kurzbiografie↑

Leonardo Sciascia, geboren 1921 im sizilianischen Racalmuto und gestorben 1989 in Palermo, war ein italienischer Schriftsteller. Bekannt wurde er durch seine Kriminalromane, die meist in seiner sizilianischen Heimat spielen und die Mafia zum Thema haben. Er galt als einer der bedeutendsten zeitgenössischen Vertreter der sizilianischen Literatur und griff immer wieder in kulturelle und politische Debatten seines Landes ein. Zeitweise war er auch selbst Politiker: Er saß im Stadtrat von Palermo, im italienischen Abgeordnetenhaus und im Europaparlament.


Biografie↑

Ausgebildet wurde Sciascia an der Fachhochschule für Lehrer in Caltanissetta. In seinem Heimatort Racalmuto in der Nähe von Agrigent arbeitete er als Angestellter der Behörde für Getreidespeicherung. Von 1949 bis 1957 war er dort außerdem als Volksschullehrer tätig.

Den literarischen Durchbruch brachte ihm 1961 der Roman Der Tag der Eule. Bald galt er als bedeutendster lebender sizilianischer Schriftsteller und wurde als „Gewissen der italienischen Gesellschaft“ bezeichnet, das sich in vielen kulturellen und politischen Debatten des Landes zu Wort meldete. Das Buch rückte das Problem der Mafia über die Grenzen Italiens hinaus ins öffentliche Bewusstsein und gilt als erste literarische Behandlung dieses Themas. Laut Manfred Hardt entwickelte Sciascia in seinen Romanen „eine neue Form von kritischem Realismus“: Innerhalb des Kriminalromans verband er Erzählung mit Argumentation und Essay und knüpfte so an die Tradition der Aufklärung an.

In seinen Werken behandelte Sciascia neben gesellschaftlichen Strukturen vor allem politische Machtsysteme, vom faschistischen bis zum christdemokratischen Italien. Justiz, Richteramt und Kommissare sind häufige Figuren. Die Frage von Schuld und Unschuld nimmt darin eine zentrale Stellung ein, ebenso die überhandnehmenden Verstrickungen seiner Figuren. Die Untersuchung von Machtverhältnissen anhand eines tatsächlichen Falls findet sich schließlich in Die Affäre Moro, die 1989 auf Deutsch erschien.

Sein politisches Engagement führte ihn auch in Ämter. 1975 wurde er als unabhängiger Kandidat über die Liste des Partito Comunista Italiano in den Stadtrat von Palermo gewählt; 1977 trat er von diesem Posten zurück. 1979 zog er als Abgeordneter des Partito Radicale ins italienische Abgeordnetenhaus ein, dem er bis 1983 angehörte, und für kurze Zeit auch ins Europaparlament.

Trotz seines literarischen Engagements gegen die Mafia sorgte er 1987 für Aufsehen. In einem Artikel im Corriere della Sera vom 10. Januar 1987 diskreditierte er die Antimafiabewegung um die Staatsanwälte Antonino Caponnetto, Giovanni Falcone, Paolo Borsellino, Leonardo Guarnotta und Giuseppe Di Lello mit den Worten, heute brauche man nur einen Prozess gegen die Mafia zu leiten, um Karriere zu machen. Er bezweifelte die Aussagekraft von Überläufern wie Tommaso Buscetta, die dem Antimafiapool viele Erfolge beschert hatten. Seine Polemik und die Kritik anderer Zeitungen trugen dazu bei, dass die Strategie zentralisierter Ermittlungen gegen die Cosa Nostra ein Jahr später aufgegeben wurde.

Für sein bei Sellerio Editore in Palermo erschienenes Buch Cronachette erhielt er 1986 den Premio Bagutta. Mehrere seiner Bücher wurden verfilmt.


Literarische Merkmale↑

Charakteristisch für Sciascias Schreiben ist die Verbindung des Kriminalromans mit gesellschaftlicher und politischer Analyse. Laut Manfred Hardt entwickelte er darin „eine neue Form von kritischem Realismus“, in der er Erzählung, Argumentation und Essay miteinander verknüpfte und so an die Tradition der Aufklärung anknüpfte. Im Mittelpunkt stehen weniger einzelne Verbrechen als politische Machtsysteme und gesellschaftliche Verhältnisse. Justiz, Richteramt und Kommissare kehren als Figuren immer wieder. Die Frage von Schuld und Unschuld sowie die zunehmenden Verstrickungen seiner Figuren bilden zentrale Themen. In Die Affäre Moro untersuchte er Machtverhältnisse ausdrücklich anhand eines tatsächlichen Falls.


Rezeption↑

Berühmt wurde Sciascia mit dem Roman Der Tag der Eule von 1961. Bald galt er als bedeutendster lebender sizilianischer Schriftsteller und wurde als „Gewissen der italienischen Gesellschaft“ gewürdigt, das sich in zahlreiche kulturelle und politische Debatten einmischte. Sein Werk trug maßgeblich dazu bei, das Problem der Mafia über Italien hinaus ins öffentliche Bewusstsein zu rücken. Umstritten war er wegen seines Artikels im Corriere della Sera von 1987, in dem er Teile der Antimafiabewegung angriff; die heftigen Reaktionen darauf und die Kritik anderer Zeitungen wirkten unmittelbar auf die damalige Ermittlungspraxis gegen die Cosa Nostra. 1986 wurde er für Cronachette mit dem Premio Bagutta ausgezeichnet, und mehrere seiner Bücher wurden verfilmt.

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