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MEISTERWERKE DER WORTE
Das Lexikon der klassischen Literatur
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Porträt Bruno Schulz
Bruno Schulz
1892 – 1942
– Autorenporträt –

Bruno Schulz

1892 – 1942 · 50 Jahre

Polnischer Erzähler und Zeichner aus dem galizischen Drohobycz, der mit seinen Erzählungen „Die Zimtläden“ bekannt wurde und 1942 im dortigen Ghetto erschossen wurde.

Kurzbiografie↑

Bruno Schulz war ein polnischer Schriftsteller, Zeichner und Grafiker aus dem galizischen Drohobycz, der zu Lebzeiten vor allem durch seine Erzählungen bekannt wurde. Geboren 1892 in einer jüdischen Kaufmannsfamilie, verbrachte er fast sein ganzes Leben in seiner Heimatstadt und arbeitete jahrelang als Zeichenlehrer. Erst 1933 erschien mit Die Zimtläden das Werk, das ihn innerhalb Polens rasch bekannt machte. Neben dem Schreiben trat Schulz früh als bildender Künstler hervor. Im November 1942 wurde er im Ghetto von Drohobycz auf offener Straße erschossen – ein Opfer des Holocaust.


Biografie↑

Geboren wurde Bruno Schulz am 12. Juli 1892 als drittes Kind von Jakub und Henrietta Schulz. Der Geburtsort erscheint in den Quellen in unterschiedlicher Schreibweise: Wikidata nennt ihn Drohobytsch, die Deutsche Nationalbibliothek Drogobytsch. Gemeint ist dieselbe Stadt, die damals zu Galizien in Österreich-Ungarn gehörte und heute in der Ukraine liegt. Die Familie war jüdischen Glaubens, orientierte sich aber an der polnischen Kultur; Schulz wuchs polnischsprachig auf und kam über die Mutter früh auch mit dem Deutschen in Berührung. Im Erdgeschoss des Wohnhauses lag das Seiden- und Textilwarengeschäft des Vaters. Wegen dessen schwerer Krankheit und der Konkurrenz von Großhändlern wurde das Geschäft 1910 aufgelöst.

Nach dem Abitur begann Schulz 1910 in Lemberg an der Technischen Hochschule ein Architekturstudium. Er brach es 1914 ab – wegen der Krankheit des Vaters, seines eigenen schlechten Gesundheitszustands und infolge des Ersten Weltkriegs. Aus der österreichischen Armee ausgemustert, verbrachte er die Kriegsjahre in Kurorten und für längere Zeit in Wien, wo er an der Akademie der Künste eingeschrieben war. Noch zu Lebzeiten des Vaters musste das durch Kriegshandlungen zerstörte Familienhaus verkauft werden. Die verarmte Familie zog in das Haus der Tochter Hania Hofman; deren Mann, in der Erdölindustrie tätig, nahm sich einige Zeit später das Leben. 1915 starb der Vater. Nach dem Krieg kehrte Schulz nach Drohobycz zurück und verließ die Stadt bis zu seinem Lebensende nur noch für Aufenthalte in Warschau, Reisen innerhalb Polens, eine Parisreise und eine Schifffahrt nach Dänemark.

Vor allem nach dem Ersten Weltkrieg betätigte sich Schulz autodidaktisch als Zeichner, Grafiker und Maler. Um 1920/1921 entstand der Grafikzyklus Xięga Bałwochwalcza (Das Buch vom Götzendienst), von dem einige Exemplare in polnischen Museen erhalten sind. Eine Mappe mit über hundert Zeichnungen und Skizzen vertraute er seinem ehemaligen Schüler Samuel Bergman an; sie befindet sich seit 1964 im Literaturmuseum in Warschau. Die meisten Arbeiten gingen während der Besatzung verloren.

Über den Schriftsteller Stanisław Ignacy Witkiewicz lernte Schulz die Philosophin und Schriftstellerin Debora Vogel kennen. In einem Briefwechsel mit ihr wandte er sich stärker der sprachlichen Gestaltung zu; ihrer Unterstützung ist die Entdeckung seiner Erzählungen zu verdanken. Von 1924 bis 1941 arbeitete Schulz als Zeichenlehrer, eine feste Anstellung erhielt er erst 1932. In Briefen klagte er wiederholt über Langeweile und Überforderung durch diese Tätigkeit, die ihm kaum Zeit zum Schreiben lasse. Nach dem Tod der Mutter 1931 und dem des älteren Bruders drei Jahre später war er auf die Stelle jedoch angewiesen, weil ihm der Familienunterhalt zufiel.

Auf Fürsprache der Dichterin Zofia Nałkowska erschien 1933 die Erzählungsfolge Die Zimtläden. Sie machte ihn innerhalb Polens schnell bekannt. Versuche, die Erzählungen in andere europäische Sprachen zu übersetzen, scheiterten zu seinen Lebzeiten. An der polnischen Übersetzung von Kafkas Romanfragment Der Process war Schulz nur als Berater seiner Verlobten Józefina Szelińska beteiligt: Sie übersetzte, er stellte seinen Namen zur Verfügung, um die Veröffentlichung zu beschleunigen.

Nach dem Einmarsch der Roten Armee in Ostpolen im September 1939 verdiente Schulz sein Brot unter anderem damit, für die neuen Machthaber propagandistische Bilder zu malen, und arbeitete eine Zeitlang in der Bibliothek eines ehemaligen Klosters in Chyrów. Als die deutsche Armee nach dem Überfall auf die Sowjetunion bis nach Galizien vordrang, musste er 1941 in das Drohobyczer Ghetto übersiedeln. Im SS-Hauptscharführer Felix Landau fand er einen zweifelhaften Protektor: Schulz wurde gezwungen, das Kinderzimmer einer beschlagnahmten Villa mit Fresken nach deutschen Märchen zu bemalen. Diese Wandbilder wurden erst 2001 vom deutschen Dokumentarregisseur Benjamin Geissler entdeckt. Am 19. November 1942, kurz vor einer geplanten Flucht aus dem Ghetto, wurde Schulz auf offener Straße von Landaus SS-Kollegen Karl Günther erschossen. Auch der Sterbeort wird in den Quellen unterschiedlich bezeichnet – als Ghetto Drohobytsch (Wikidata) beziehungsweise Drogobytsch (Deutsche Nationalbibliothek). Die genauen Todesumstände lassen sich wegen widersprüchlicher Zeugenaussagen schwer rekonstruieren; sein Grab ist nicht bekannt.


Literarische Merkmale↑

Zum Schreiben fand Schulz auf einem Umweg. Erst über den Briefwechsel mit Debora Vogel wandte er sich stärker der sprachlichen Gestaltung zu, aus der schließlich die Erzählungen der Zimtläden hervorgingen. Zugleich war er ausgebildeter Künstler, der sich autodidaktisch als Zeichner, Grafiker und Maler betätigte – bildende Kunst und Literatur liefen in seinem Werk nebeneinander her. Über die genauen stilistischen Merkmale seines Schreibens gibt das vorliegende Material keine näheren Auskünfte.


Rezeption↑

Bekannt wurde Schulz zu Lebzeiten vor allem durch die Erzählungen der Zimtläden, die ihn nach ihrem Erscheinen 1933 innerhalb Polens rasch einem Publikum vertraut machten. Über die polnischen Grenzen hinaus blieb ihm der Erfolg zunächst verwehrt: Versuche, die Erzählungen in andere europäische Sprachen zu übersetzen, scheiterten noch zu seinen Lebzeiten. Ein spätes Nachleben fand auch sein bildnerisches Werk. Die Fresken, die er im Ghetto für Felix Landau malen musste, wurden 2001 von Benjamin Geissler wiederentdeckt; die Suche nach den Wandbildern und der Streit um ihre illegale Ausfuhr nach Yad Vashem sind in Geißlers Film Bilder Finden festgehalten.

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