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Das Lexikon der klassischen Literatur
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Porträt Wassili Andrejewitsch Schukowski
Wassili Andrejewitsch Schukowski
1783 – 1852
– Autorenporträt –

Wassili Andrejewitsch Schukowski

1783 – 1852 · 69 Jahre

Russischer Dichter und Übersetzer, dessen melodiöse Balladen-Nachdichtungen den Beginn der Romantik in Russland markierten – und der als Erzieher am Zarenhof verfolgten Dichtern wie Puschkin beistand.

Kurzbiografie↑

Wassili Andrejewitsch Schukowski (1783–1852) war ein russischer Dichter und Übersetzer der Romantik. Er prägte die Literatur seines Landes an einer Schwelle. Seine Übersetzung von Thomas Grays Elegy Written in a Country Church Yard aus dem Jahr 1802 gilt allgemein als Beginn der russischen Romantik. Berühmt wurde er vor allem für seine melodiösen Nachdichtungen deutscher und englischer Balladen. Doch auch seine eigene Ballade Swetlana zählt zu den Meilensteinen der russischen Lyrik. Am Sankt Petersburger Hof erzog er den späteren Zaren Alexander II. Sein Ansehen nutzte er, um rebellischen Autoren beizustehen. Seine letzten Jahre verbrachte er in Deutschland. Dort starb er 1852 in Baden-Baden.


Biografie↑

Geboren wurde Schukowski im Jahr 1783. Das genaue Datum wird je nach Quelle unterschiedlich angegeben. Die russische Überlieferung nennt den 29. Januar (julianisch) beziehungsweise 9. Februar (gregorianisch). Die Deutsche Biographie verzeichnet nur das Jahr. Auch der Geburtsort ist nicht eindeutig überliefert. Wikidata nennt das Gut Mischenskoje im Bezirk Belew, die Deutsche Biographie dagegen Tula. Beide Angaben lassen sich vereinbaren, denn das Gut lag in der zentralrussischen Region bei Tula. Er war der uneheliche Sohn eines Gutsherrn namens Bunin und einer türkischen Leibeigenen. Seinen Namen erhielt er nach seinem Paten Schukowski. Seine Jugend verbrachte er in Moskau. Dort verkehrte er im Haus des Dichters Nikolai Michailowitsch Karamsin.

Seine erste Veröffentlichung, die erwähnte Gray-Übersetzung, erschien 1802. Der Großteil seines Werkes besteht aus freien Übersetzungen einer Vielzahl von Dichtern, von Firdausi bis Friedrich Schiller. Vor allem für seine erstklassigen, melodiösen Übertragungen deutscher und englischer Balladen wurde er gerühmt. Eine seiner eigenen Balladen, Swetlana (1813), gilt als Meilenstein der russischen Lyrik. Sie widmete er seiner Nichte Alexandra Voeikova als Hochzeitsgeschenk. Seine jahrelang unerwiderte Liebe galt hingegen Alexandras Schwester Maria Protasova.

Im Vaterländischen Krieg gegen Napoléon Bonaparte schloss sich Schukowski 1812 der russischen Armee an. In der Folge schrieb er zahlreiche patriotische Werke. Dazu gehört die Zarenhymne Gott schütze den Zaren!, die von Alexei Fjodorowitsch Lwow vertont wurde. Um Karamsins anti-klassische Ästhetik zu verbreiten, begründete er die humoristische literarische Gesellschaft „Arsamas“. Zu deren Mitgliedern gehörte der junge Alexander Puschkin. Nach Puschkins Tod sorgte Schukowski als Testamentsvollstrecker für die Veröffentlichung von dessen nachgelassenen Werken.

1826 wurde er zum Hauslehrer des Zarewitsch ernannt, des späteren Zaren Alexander II. Sein Einfluss auf diesen soll so groß gewesen sein, dass die liberalen Reformen Alexanders in den 1860er Jahren manchmal auf Schukowskis Erziehung zurückgeführt werden. Sein hohes Ansehen am Sankt Petersburger Hof nutzte er, um rebellischen Autoren zu helfen. Dazu zählten Alexander Puschkin, Michail Lermontow, Alexander Herzen, Taras Schewtschenko und die Dekabristen. 1828 wurde er Ehrenmitglied der Russischen Akademie der Wissenschaften in St. Petersburg.

1841 zog er sich aus gesundheitlichen Gründen vom Hof zurück und ging nach Deutschland. Dort konzentrierte er sich auf die Übersetzung von Homers Odyssee, die 1849 erschien. Im selben Jahr 1841 heiratete er Elisabeth von Reutern, die Tochter von Gerhardt Wilhelm von Reutern. 1842 kam die gemeinsame Tochter Alexandra zur Welt, 1845 der Sohn Paul. Die letzten Jahre verbrachte er im Kreis seiner Familie, zunächst in Düsseldorf, später in Frankfurt am Main und schließlich in Baden-Baden, wo er seit 1848 wohnte. Dort starb er 1852. Sein Leichnam wurde nach Russland überführt. Er liegt auf dem Friedhof des Alexander-Newski-Klosters in Sankt Petersburg begraben.


Literarische Merkmale↑

Charakteristisch für Schukowski ist die Nähe seines Schaffens zur Übersetzung. Der Großteil seiner Veröffentlichungen besteht aus freien Übertragungen fremder Dichter, von Firdausi bis Friedrich Schiller. Gerühmt wurde er vor allem für die melodiöse Qualität seiner Nachdichtungen deutscher und englischer Balladen. Diese musikalische, klangbetonte Sprache prägt auch seine eigene Ballade Swetlana, die als Meilenstein der russischen Lyrik gilt.


Rezeption↑

Mit seiner Übersetzung von Thomas Grays Elegy Written in a Country Church Yard wird allgemein der Beginn der russischen Romantik verbunden. Seine Balladen-Übertragungen galten den Zeitgenossen als erstklassig. Auch Swetlana behauptete sich als ein Wendepunkt der russischen Lyrik. Über die Literatur hinaus wirkte Schukowski als Erzieher des späteren Zaren Alexander II. Sein Einfluss war so groß, dass die liberalen Reformen der 1860er Jahre bisweilen auf seine Erziehung zurückgeführt werden. Als Förderer und Beschützer half er bedrängten Autoren wie Puschkin, Lermontow, Herzen und Schewtschenko. Als Testamentsvollstrecker sicherte er die Veröffentlichung von Puschkins Nachlass.

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Aus dem Werkverzeichnis↑

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