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Porträt Gustav Schwab
Gustav Schwab
1792 – 1850
– Autorenporträt –

Gustav Schwab

1792 – 1850 · 58 Jahre

Pfarrer, Lehrer und Dichter der Schwäbischen Dichterschule, dessen Nacherzählung der antiken Sagen zum Klassiker der Jugendliteratur wurde.

Kurzporträt

Zu den bekanntesten Gestalten der Schwäbischen Dichterschule zählt Gustav Schwab, geboren 1792 und gestorben 1850, beide Male in Stuttgart. Er war Pfarrer, Gymnasialprofessor und Schriftsteller in einer Person. Über seine literarischen Werke hinaus wirkte er als einflussreicher Redakteur und Förderer jüngerer Dichter. Bleibende Bekanntheit verdankt er seiner Nacherzählung der antiken Sagenwelt: Die schönsten Sagen des klassischen Altertums, erschienen zwischen 1838 und 1840, wurde zu einem Klassiker der deutschsprachigen Kinder- und Jugendliteratur und prägte die Vorstellung von der griechischen und römischen Mythologie im deutschen Sprachraum über Generationen.


Biografie

Geboren wurde Gustav Benjamin Schwab am 19. Juni 1792 in Stuttgart. Sein Vater Johann Christoph Schwab war Geheimer Hofrat und zeitweilig Professor an der Hohen Karlsschule. Die Mutter Friederike stammte aus einer angesehenen Stuttgarter Kaufmannsfamilie und war eine Nichte des Bildhauers Johann Heinrich Dannecker. Schwab wuchs in der evangelisch-humanistischen Atmosphäre des schwäbischen Bildungsbürgertums auf. Er besuchte das Gymnasium illustre in Stuttgart.

Ab 1809 studierte er als Stipendiat des Evangelischen Stifts in Tübingen. Zunächst widmete er sich zwei Jahre lang der Philologie und Philosophie, später der Theologie. In Tübingen schloss er Freundschaft mit Ludwig Uhland, Justinus Kerner und Karl Mayer. Im Frühjahr 1815 reiste er nach Berlin und Norddeutschland und lernte dort weitere Autoren kennen, unter ihnen Friedrich Rückert und Friedrich de la Motte Fouqué.

Im Dezember 1817 erhielt Schwab eine Professur für alte Sprachen am oberen Gymnasium in Stuttgart. Wenig später, 1818, heiratete er Sophie Gmelin, die Tochter eines Tübinger Rechtsprofessors. In diesen Jahren trat er bei vielen offiziellen Anlässen mit Widmungsgedichten, Nachrufen und Festreden für das württembergische Königshaus hervor. 1823 veröffentlichte er sein erstes Reisebuch über die Neckarseite der Schwäbischen Alb.

Ab 1825 wirkte er zwanzig Jahre lang an den bei Brockhaus in Leipzig erscheinenden Blättern für literarische Unterhaltung mit. Anfang 1828 trat er in die Redaktion des Verlages von Johann Friedrich Cotta ein, der das Morgenblatt für gebildete Stände herausgab. Aus dieser Schlüsselposition heraus wurde Schwab zum Mäzen jüngerer Autoren. Er förderte schwäbische Dichter wie Wilhelm Waiblinger, Gustav Pfizer, Hermann Kurz, Eduard Mörike und Wilhelm Hauff. Auch nicht-schwäbische Schriftsteller wie August von Platen, Nikolaus Lenau, Anastasius Grün und Ferdinand Freiligrath unterstützte er.

1837 übernahm Schwab das Pfarramt im Dorf Gomaringen am Fuß der Schwäbischen Alb. Das Predigen wurde ihm neben dem Lehren zu einer seiner liebsten Tätigkeiten. In Gomaringen entstand jenes Werk, mit dem er für viele Generationen zum Vermittler der antiken Götter- und Sagenwelt wurde. Zwischen 1838 und 1840 trug er die großen Epen der Antike aus Originaltexten zusammen, übersetzte sie ins Deutsche und erzählte sie mit pädagogischer Absicht nach. Grausame und erotische Passagen kürzte und milderte er dabei. So entstanden Die schönsten Sagen des klassischen Altertums in drei Bänden. Dass Schwab nicht frei von antisemitischen Ressentiments war, zeigt ein Brief an seinen lebenslangen Freund, den Theologen Carl Christian Ullmann, in dem er sich abfällig über die zeitgenössische Literatur und das Junge Deutschland äußerte.

1841 kehrte Schwab nach Stuttgart zurück und erhielt das Stadtpfarramt von St. Leonhard. 1842 wurde er Dekan, 1845 Oberkonsistorialrat der höheren Schulen in Württemberg. 1847 verlieh ihm die Universität Tübingen den Ehrendoktor der Theologie. Er starb am 4. November 1850 in Stuttgart. Über die Todesursache gehen die Quellen auseinander: Während die eine von einer fehlerhaften ärztlichen Behandlung spricht, nennt die Neue Deutsche Biographie einen Herzinfarkt. Sein Grab liegt auf dem Stuttgarter Hoppenlaufriedhof, wo auch Wilhelm Hauff bestattet ist. Sein Sohn Christoph Theodor Schwab (1821–1883) wurde als Hölderlin-Biograf bekannt.


Literarische Merkmale

Neben seiner berühmten Sagensammlung hinterließ Schwab ein vielseitiges Werk, das Balladen, Gedichte, Reisebücher und Übersetzungen umfasst. Seine eigenen Dichtungen schilderten oft historische Wendepunkte oder tragische Ereignisse als Einzelschicksale in Balladenform. Die wenigsten davon sind volkstümlich geblieben; zu den bekannteren zählt das Gedicht Der Reiter und der Bodensee. Sein 1828 veröffentlichtes Gedicht Das Gewitter erlangte im 20. Jahrhundert dadurch neue Bekanntheit, dass Heinz Erhardt es paraphrasierte und komprimierte.

Charakteristisch für Schwab war die Rolle des Vermittlers und Sammlers. Er redigierte von 1828 bis 1838 den Poesieteil des Morgenblatts für gebildete Stände und wurde zum wichtigsten literarischen Berater des Cotta-Verlags. Verstreute Gedichte Hölderlins trug er 1826 zusammen. Gemeinsam mit Adelbert von Chamisso betreute er den Deutschen Musenalmanach. Als er in Religions- und Sittlichkeitsfragen unnachgiebig blieb, zog er sich aus Protest von einem Band zurück, den ein Heine-Porträt schmücken sollte. Heinrich Heine verspottete ihn daraufhin 1838 in seinem Schwabenspiegel.

Als literarischer Weltbürger übertrug Schwab französische Poesie von Lamartine und Hugo sowie polnische Dichtung von Mickiewicz ins Deutsche. Er stellte zudem eine Sammlung griechischer und römischer Prosaisten und Dichter in neuen Übersetzungen zusammen. Sein Anliegen war es dabei, den antiken Stoff einem breiten Publikum ohne klassische Vorbildung zugänglich zu machen. Genau diese Absicht steht auch hinter seiner bekanntesten Arbeit: Die Sagensammlung wurde von Susanne Jentgens als „Volks-Buch der Deutschen“ bezeichnet.


Rezeption

Über den literarischen Rang seiner eigenen Gedichte hinaus wirkt Schwab bis heute vor allem durch seine Nacherzählung des antiken Mythenstoffs nach. Obwohl vorrangig an Jugendliche gerichtet, hat sie die Aufnahme der griechischen und römischen Mythologie im deutschsprachigen Raum auch bei erwachsenen Lesern stark beeinflusst und wurde immer wieder nachgedruckt.

Sein Andenken wird an mehreren Orten gepflegt. Eine Büste erinnert in Stuttgart an ihn, ein Gedenkstein steht an der Uferpromenade in Friedrichshafen. Im Gomaringer Schloss besteht seit 1998 das Gustav-Schwab-Museum, das unter anderem Möbelstücke aus seinem Besitz zeigt. In mehreren Städten tragen Straßen seinen Namen. Seit 2009 vergibt der Schwäbische Heimatbund alle zwei Jahre den Gustav-Schwab-Preis, mit dem herausragende Studien über den schwäbischen Raum ausgezeichnet werden.

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