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Porträt Juan Rulfo
Juan Rulfo
1917 – 1986
– Autorenporträt –

Juan Rulfo

1917 – 1986 · 68 Jahre

Mexikanischer Schriftsteller, der mit nur zwei schmalen Büchern zu den wichtigsten Stimmen der lateinamerikanischen Literatur wurde – „Pedro Páramo" erzählt vom Leben aus von der anderen Seite des Grabes.

Kurzporträt

Mexikanischer Schriftsteller, der mit nur zwei schmalen Büchern Weltliteratur schrieb: Juan Rulfo (1917–1986) veröffentlichte die Kurzgeschichtensammlung Der Llano in Flammen und den Kurzroman Pedro Páramo. Mehr veröffentlichte er nicht. Und doch zählt er zu den wichtigsten Stimmen der lateinamerikanischen Literatur des 20. Jahrhunderts. In knapper, hart verdichteter Sprache schildert er die karge, gewalterfüllte Welt des mexikanischen Landes. Den Lebensunterhalt verdiente er als Regierungsbeamter. Das Schreiben betrieb er nie als Beruf. Daneben war er ein ausgezeichneter Fotograf. Er hielt die Landschaften und die soziale Wirklichkeit seines Landes fest.


Biografie

Geboren wurde Rulfo im Dorf Apulco im Distrikt Sayula im mexikanischen Bundesstaat Jalisco. Beim Geburtsjahr gehen die Quellen auseinander. Wikidata und die deutschsprachige Wikipedia nennen den 16. Mai 1917. Die Deutsche Nationalbibliothek nennt dagegen den 16. Mai 1918. Kurz nach der Geburt zog die Familie nach San Gabriel um. Dort verbrachte der Junge seine Kindheit.

Zwei Ereignisse prägten diese Kindheit tief. 1923 wurde sein Vater ermordet. Und der mexikanische Bürgerkrieg, die Guerra Cristera von 1926 bis 1929, erschütterte die Region. Die Familie verarmte. 1927 starb die Mutter. Rulfo lebte zunächst kurze Zeit bei seiner Großmutter. Als Vollwaise kam er in ein Waisenhaus. Er wurde Schüler des Kollegs von Guadalajara und legte dort 1932 das Abitur ab.

Ende 1935 zog er nach Mexiko-Stadt. Sein Plan, Literatur zu studieren, scheiterte. So nahm er 1936 eine Stelle als Beamter bei der Einwanderungsbehörde an. Eine erste literarische Arbeit erschien 1940, das Fragment eines Romans. Dieses Fragment zerstörte er später jedoch. 1945 erschien seine erste Erzählung La vida no es muy seria en sus cosas in der Zeitschrift América. Für diese Zeitschrift schrieb er seitdem regelmäßig. 1946 kehrte er nach sechs Jahren in Guadalajara nach Mexiko-Stadt zurück. Im folgenden Jahr heiratete er Clara Aparicio, mit der er drei Kinder hatte. Bis 1954 arbeitete er bei der Firma Goodrich als Publizist und Verkäufer. Dabei reiste er durch das ganze Land.

1953 erschien die Kurzgeschichtensammlung Der Llano in Flammen. Sie brachte ihm ein Stipendium der Rockefeller-Stiftung ein. 1955 folgte der mehrfach verfilmte Kurzroman Pedro Páramo, ein Blick auf das Leben von der anderen Seite des Grabes. 1956 zog die Familie nach Veracruz, wo Rulfo an einem Bewässerungsprojekt mitarbeitete. Schon im Folgejahr kehrte er nach Mexiko-Stadt zurück und begann, Drehbücher zu schreiben. 1959 arbeitete er für den Sender Televicentro. 1960 erschien der Film El despojo nach seinem Drehbuch. 1961 wurde er Berater des Centro de Escritores Mexicanos. 1962 ging er erneut nach Mexiko-Stadt und arbeitete dort bis zu seiner Pensionierung am Instituto Indigenista. 1965 kam mit La fórmula secreta ein weiterer Film heraus, zu dem er das Drehbuch verfasst hatte.

1982 war Rulfo Gast des West-Berliner Festivals Horizonte. Günter Grass las dort aus seinem Werk. Am 7. Januar 1986 starb er in Mexiko-Stadt.


Literarische Merkmale

Knappheit ist das auffälligste Merkmal von Rulfos Schreiben. In seinen beiden Büchern verdichtet er die erbärmliche, harte und grausame Welt des mexikanischen Landlebens. Seine Sprache ist dabei auf das literarisch Notwendige reduziert: nichts Überflüssiges, kein schmückendes Wort zu viel. Aus dieser Strenge gewinnen die Texte ihre Wucht.

In Pedro Páramo erzählt er gleichsam vom Leben her gesehen von der anderen Seite des Grabes. Die Stimmen der Toten bestimmen den Roman. So verbindet sich die genaue Schilderung einer bestimmten Region mit etwas Allgemeingültigem. Klaus-Dieter Ertler brachte das auf die Formel, es sei „die fiktionalisierte Mexikanität" gewesen, „die den narrativen Texten Rulfos trotz regionaler Verwurzelung ihren hohen Grad an Universalität verlieh".


Rezeption

Im Hauptberuf war Rulfo Regierungsbeamter und hatte gar nicht den Wunsch, die Schriftstellerei zum Beruf zu machen. Trotzdem genügten die beiden schmalen Bände, um ihn zu einem der wichtigsten Vertreter der lateinamerikanischen Literatur seiner Zeit zu machen. Gemeinsam mit Juan José Arreola zählt er zu den bedeutendsten Schriftstellern Mexikos.

Sein Einfluss reicht weit. Viele lateinamerikanische Autoren hatten am literarischen Boom in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts teil. Sie wurden von seinen Werken geprägt. Der Spanier Alberto Olmos nennt Rulfo ausdrücklich sein literarisches Vorbild. Die Stimmen der beiden Protagonistinnen in El estatus erinnern an die Stimmen der Toten in Pedro Páramo. Dass Günter Grass 1982 beim Berliner Festival Horizonte aus Rulfos Werk las, zeigt, wie früh seine Geltung auch über den spanischsprachigen Raum hinausreichte.

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