1908 – 1967
Guimarães Rosa
Kurzbiografie↑
João Guimarães Rosa zählt zu den bekanntesten Schriftstellern Brasiliens. Er wurde 1908 in Cordisburgo im Bundesstaat Minas Gerais geboren und starb 1967 in Rio de Janeiro. Ausgebildet als Arzt, verbrachte er den größten Teil seines Lebens als brasilianischer Diplomat in Europa und Lateinamerika. Sein bekanntester Roman Grande Sertão: Veredas wird von manchen Literaturkritikern als brasilianisches Gegenstück zu Ulysses von James Joyce und zu Berlin Alexanderplatz von Alfred Döblin angesehen. Nach ihm ist das staatliche brasilianische Kulturinstitut Instituto Guimarães Rosa benannt.
Biografie↑
Geboren wurde Guimarães Rosa am 27. Juni 1908 in Cordisburgo. Er war das erste von sechs Kindern von Florduardo Pinto Rosa und Francisca Guimarães Rosa. Als Kind kam er zu seinen Großeltern nach Belo Horizonte, wo er die Grundschule beendete. Die höhere Schule besuchte er zunächst am Santo Antônio College in São João del Rei. Bald kehrte er nach Belo Horizonte zurück und schloss dort die Schule ab.
Sprachen brachte er sich weitgehend selbst bei. Mit dem Französischen begann er nach eigener Auskunft im Alter von sieben Jahren; im Lauf seines Lebens eignete er sich ein umfangreiches Wissen und zahlreiche Sprachen an. Wikidata führt ihn unter anderem als Esperantisten.
Mit sechzehn Jahren bewarb er sich 1925 an der medizinischen Fakultät der Universität von Minas Gerais. Am 27. Juni 1930 heiratete er die sechzehnjährige Lígia Cabral Penna; aus der Ehe gingen die Töchter Vilma und Agnes hervor. Im selben Jahr schloss er sein Studium ab und begann als Arzt in Itaguara zu arbeiten, das damals zu Itaúna in Minas Gerais gehörte. Er blieb dort etwa zwei Jahre. In dieser Kleinstadt kam er zum ersten Mal mit Menschen aus dem Sertão in Berührung. Diese Gegend wurde später zum Bezugspunkt und zur Inspirationsquelle seines Werkes.
Während der Auseinandersetzung um die Verfassungsänderung von 1932 diente er als freiwilliger Arzt in der Força Pública. In Passa-Quatro in Minas Gerais lernte er dabei Juscelino Kubitschek kennen, den späteren Präsidenten Brasiliens, der damals als Chefarzt tätig war. Danach wurde Guimarães Rosa Beamter. 1933 ging er nach Barbacena und arbeitete dort als Arzt beim 9. Infanteriebataillon.
Den größten Teil seines weiteren Lebens verbrachte er im diplomatischen Dienst. Von 1938 bis 1942 war er Vizekonsul in Hamburg. Dort lernte er seine zweite Frau kennen, Aracy de Carvalho Guimarães Rosa. Sie wurde später für ihren Einsatz zur Rettung von Juden als Gerechte unter den Völkern ausgezeichnet. Nach dem Abbruch der deutsch-brasilianischen Beziehungen im August 1942 wurde Guimarães Rosa kurzzeitig interniert. Weitere Stationen führten ihn nach Europa und Lateinamerika.
1963 wurde er bei seiner zweiten Kandidatur einstimmig in die Academia Brasileira de Letras gewählt. Seinen Sitz nahm er allerdings erst 1967 ein, drei Tage bevor er in Rio de Janeiro an einem Herzinfarkt starb. Sein Todestag war der 19. November 1967.
Literarische Merkmale↑
Prägend für sein Schreiben ist die Landschaft des Sertão, jener Gegend im brasilianischen Hinterland, die er als junger Arzt kennengelernt hatte. In seinem umfangreichen Roman Grande Sertão: Veredas montiert er Versatzstücke aus Mythen in die Erzählung hinein, darunter den Faust-Stoff und die Odysseus-Sage. Diese Bezüge stammen aus der europäischen, nicht aus der indigenen Überlieferung. Deshalb lässt sich sein Werk trotz des regionalen Hintergrunds nicht ohne weiteres der Strömung des magischen Realismus zurechnen.
Rezeption↑
Als sein bekanntestes Buch gilt Grande Sertão: Veredas. Manche Literaturkritiker sehen darin das brasilianische Gegenstück zu Ulysses von James Joyce und zu Berlin Alexanderplatz von Alfred Döblin. Andere Kritiker betonen stattdessen die Verwandtschaft seines Werkes mit der „Literatura fantástica“ der Länder am Río de la Plata.
Die brasilianische Academia Brasileira de Letras wählte ihn 1963 einstimmig zum Mitglied. Nach ihm ist das staatliche brasilianische Kulturinstitut Instituto Guimarães Rosa benannt.
Im deutschen Sprachraum wurde er durch einen einzigen Übersetzer vermittelt: Sämtliche Übertragungen ins Deutsche stammen von Curt Meyer-Clason.
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