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Autoreneintrag · Karl Gutzkow
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Porträt Karl Gutzkow
Karl Gutzkow
1811 – 1878
– Autorenporträt –

Karl Gutzkow

1811 – 1878 · 67 Jahre

Wortführer des Jungen Deutschland, mit dem Skandalroman Wally, die Zweiflerin (1835) Anlass für das Verbot der jungdeutschen Autoren durch den Deutschen Bundestag.

Kurzporträt

Karl Ferdinand Gutzkow (1811–1878) war ein deutscher Schriftsteller, Dramatiker und Journalist. Er war einer der Wortführer des Jungen Deutschland. Mit dem Roman Wally, die Zweiflerin (1835) löste er einen der größten Literaturskandale des 19. Jahrhunderts aus. Das Buch wurde verboten, und Gutzkow wurde wegen Verächtlichmachung der Religion eingesperrt. Kurz darauf verbot der Deutsche Bundestag alle Schriften der jungdeutschen Autoren. Bis zu seinem Tod arbeitete er rastlos als Romancier, Bühnenautor und Zeitschriftenherausgeber. Er gilt als bedeutender Vertreter des deutschen Frührealismus.


Biografie

Karl Gutzkow wuchs in Berlin in ärmlichen Verhältnissen auf. Sein Vater Karl August war gelernter Maurer und diente Prinz Wilhelm von Preußen als Bereiter, später als Geheimer Kanzleidiener im preußischen Kriegsministerium. Die Deutsche Biographie notiert, dass die verworrene Lebensführung des Vaters Schatten auf den Sohn warf. Sie disponierte ihn lebenslang zu Depressionen und im Alter zu jahrelangem Verfolgungswahn. Gutzkow wurde zeitweise in der wohlhabenden Familie eines Spielgefährten erzogen. Früh wurde er so zu einem empfindsamen Beobachter sozialer Unterschiede. Von 1821 bis 1829 besuchte er das Friedrichswerdersche Gymnasium. Ab 1829 studierte er in Berlin Theologie, Philologie und Philosophie und hörte unter anderem bei Hegel, Schleiermacher, Boeckh und Lachmann. 1830 erhielt er für die Arbeit De diis fatalibus einen Preis, den ihm Hegel persönlich überreichte.

Die französische Julirevolution lenkte sein Interesse auf politische und soziale Fragen. 1831 gab er als Student die kurzlebige Zeitschrift Forum der Journal-Literatur heraus. Anschließend reiste er nach Stuttgart zum Literaturkritiker Wolfgang Menzel, an dessen Literatur-Blatt er bis 1834 mitarbeitete. 1832 wurde er von der Universität Jena in Abwesenheit zum Doktor der Philosophie promoviert. Im selben Jahr erschienen anonym die Briefe eines Narren an eine Närrin, die in Preußen verboten wurden. In Heidelberg und München nahm er ein Jurastudium auf. In München gab er jedoch während der Arbeit an seinem ersten Roman alle Pläne auf, einen Brotberuf zu ergreifen. Ende 1833 erschien Maha Guru. Geschichte eines Gottes, eine in Tibet spielende Satire auf die Zustände in Deutschland und Preußen. Mit Heinrich Laube unternahm er eine Reise nach Österreich und Oberitalien und entschied sich, freier Schriftsteller zu werden.

1835 wurde zum Schicksalsjahr. In Frankfurt am Main gab Gutzkow das Literatur-Blatt zur Zeitschrift Phönix heraus. Er sorgte dafür, dass Georg Büchners Dantons Tod dort erstmals erschien – sein Verdienst als Förderer eines unerkannten Talents. Gemeinsam mit Ludolf Wienbarg plante er die groß angelegte Deutsche Revue, für die er auch Börne, Heine und Büchner gewann. Im August 1835 erschien Wally, die Zweiflerin. Schon im September wurde der Roman in Preußen verboten. Sein einstiger Mentor Menzel führte eine Kampagne gegen die Autoren des Jungen Deutschland. Am 10. Dezember 1835 verbot der Deutsche Bundestag die Schriften Gutzkows, Heines, Laubes, Mundts und Wienbargs. Am 13. Januar 1836 wurde Gutzkow vom Hofgericht Mannheim wegen Verächtlichmachung der Religion zu einem Monat Gefängnis verurteilt. Zuvor hatte er bereits sechs Wochen in Untersuchungshaft gesessen. Direkt nach der Entlassung wurde er aus Baden ausgewiesen.

Im Sommer 1836 heiratete er Amalie Klönne. Aus der Ehe gingen drei Söhne hervor. Ab 1838 gab er in Hamburg den Telegraph für Deutschland heraus, an dem unter anderen Friedrich Engels, Friedrich Hebbel und Georg Herwegh mitarbeiteten. 1839 wurde sein erstes Schauspiel Richard Savage in Frankfurt uraufgeführt. 1842 reiste er erstmals nach Paris, wo er George Sand kennenlernte. Mitte 1843 endete die Zensur seiner Werke. 1845 erschienen die Wiener Eindrücke, die zu einem Verbot seiner Schriften in Österreich führten. Ende 1846 wurde er Dramaturg am Hoftheater in Dresden, wo er fast fünfzehn Jahre lebte. Im April 1848 starb seine Frau. Im August 1849 heiratete er Bertha Meidinger, eine Cousine seiner ersten Frau, mit der er drei Töchter hatte. Den Dresdner Dramaturgenposten verlor er im Sommer 1849 als Folge von Revolution und Konterrevolution.

Ab Juli 1850 erschien sein Zeit- und Gesellschaftsroman Die Ritter vom Geiste in der Beilage der Leipziger Deutschen Allgemeinen Zeitung. Ende 1851 lag er vollständig in neun Bänden mit rund 4.100 Seiten vor. 1852 begann mit Julian Schmidt und Gustav Freytag der „Grenzbotenstreit", eine harte öffentliche Kontroverse. In ihr erklärte Schmidt, Gutzkow hätte es verdient, „bis zur Vernichtung" verfolgt zu werden. Ab September 1852 gab Gutzkow die Wochenzeitschrift Unterhaltungen am häuslichen Herd heraus. 1858 bis 1861 erschien sein zweiter Großroman Der Zauberer von Rom, wiederum in neun Bänden. 1861 zog er nach Weimar und wurde Generalsekretär der Schillerstiftung, an deren Gründung er entscheidend mitgewirkt hatte. Ende 1864 legte er sein Amt nieder. Im Januar 1865 versuchte er auf dem Höhepunkt einer schweren psychischen Krise, sich das Leben zu nehmen. Bis Dezember 1865 kam er in die Heilanstalt St. Gilgenberg bei Bayreuth.

Anschließend lebte er bis 1869 in Kesselstadt im sogenannten „Gutzkowhäuschen". 1867/1868 erschien der Roman Hohenschwangau, 1869 wurde Der westphälische Friede uraufgeführt. Ende 1869 zog er nach Berlin. 1873 hatte er erneut mit schweren psychischen Problemen und Anfällen von Paranoia zu kämpfen und floh mit seiner Tochter Selma nach Italien. 1874 ließ er sich in Wieblingen nieder, 1875 in Heidelberg. 1877 erschien sein letzter Zeitroman Die neuen Serapionsbrüder. Im Dezember 1878 kam Gutzkow bei einem Schwelbrand schlafend ums Leben. Zum Sterbeort gibt es widersprüchliche Angaben: Wikidata nennt Frankfurt am Main, die Deutsche Nationalbibliothek das Stadtteil Frankfurt-Sachsenhausen. Die Deutsche Biographie führt beides zusammen als „Frankfurt/Main-Sachsenhausen". Beigesetzt wurde er am 19. Dezember auf dem Frankfurter Hauptfriedhof.


Literarische Merkmale

Einen einheitlichen Gutzkow-Stil gibt es nicht – die Deutsche Biographie stellt das ausdrücklich fest. Im Bereich der Publizistik traf Gutzkow den Stil des Tages. Dieser richtete sich jeweils nach dem Blatt, das er gerade redigierte oder für das er schrieb. Sein Ton schwankte zwischen leidenschaftlicher Begeisterung und wütender Ablehnung, je nachdem, was der behandelte Gegenstand in ihm auslöste. Diese seismographische Beweglichkeit war seine Stärke als Journalist und zugleich seine Schwäche als Künstler. Anders als Heyse mit seiner ästhetischen Abkehr oder Fontane mit seinem „heiteren Darüberstehen" fand er nie zu einer eigenen Harmonie.

Den Antrieb seines Schreibens fasste die Deutsche Biographie in einem Wort zusammen: Tendenz. In jungen Jahren war es Tendenz gegen Reaktion und Restauration. Später war es Tendenz gegen alle, die ihn verkannten und verunglimpften, noch in seinem letzten Pamphlet Dionysius Longinus, oder über den Schwulst in der neueren deutschen Literatur (1878). Den Sinn fürs Aktuelle und für modische Sentimentalität trieb er besonders weit in seinen monumentalen Sensationsromanen. Sie sind nach dem Muster der Kriminalromane Eugène Sues gebaut, allen voran Die Ritter vom Geiste (neun Bände, 1850/51) und Der Zauberer von Rom (neun Bände, 1858–61).

In diesen Großromanen versuchte Gutzkow, an die Stelle des herkömmlichen „Nacheinanders" der Romanhandlung sein eigenes Gesetz vom „Nebeneinander" zu setzen. Statt einer Hauptfigur, die durch die Zeit geführt wird, sollte ein Panorama gleichzeitiger Schauplätze und Schicksale die Gesellschaft im Querschnitt zeigen. 1855 stellte er diese romanpoetologische Position in einer Kritik von Freytags Soll und Haben gegen die Vertreter des Programmatischen Realismus dar. Auf der Bühne erreichte er seine beste Form im Lustspiel Das Urbild des Tartuffe und im Trauerspiel Uriel Acosta (beide 1847). Lebendig geblieben sind nach dem Urteil der Deutschen Biographie vor allem seine autobiographischen Schriften: Aus der Knabenzeit (1852), die Lebensbilder (drei Bände, 1869–72) und der Rückblick auf mein Leben (1875).


Rezeption

Kaum ein schriftstellernder Zeitgenosse, urteilt die Deutsche Biographie, hat sich so rasch unerbittliche Feinde geschaffen wie Gutzkow. Verbote trafen seine Zeitschriften, seine Romane und seine Bühnenstücke. Zensurbehörden verfolgten ihn auf Schritt und Tritt. Frühere Freunde wie sein Mentor Wolfgang Menzel denunzierten ihn, als sie ihn als Konkurrenz fürchteten. So wurde er zu dem Schriftsteller, gegen den eigens der Deutsche Bund aufgeboten wurde und von dem man den Umsturz von Staat, Religion, Gesellschaft und Sitten befürchtete. Keiner der Schläge hinderte ihn daran, immer wieder neu zu planen, zu gründen, zu schreiben und Unruhe zu schaffen. Dabei zog er sich stets neuen Hass zu.

Wally, die Zweiflerin wurde 1835 als unmoralisch verfemt. Der Roman führte zum Bundestagsbeschluss vom 10. Dezember 1835, der die jungdeutschen Autoren mundtot machen sollte. Die Deutsche Biographie nennt den Roman heute mit deutlichem Abstand ein „Meisterwerk des Kitsches". Die monumentalen Ritter vom Geiste waren in der Mitte des 19. Jahrhunderts dagegen enorm populär – nachweislich auch von prominenten Zeitgenossen wie Gregor Mendel gelesen. Mit dem Zeitkritiker Julian Schmidt und Gustav Freytag focht Gutzkow ab 1852 den „Grenzbotenstreit" aus. In ihm forderte Schmidt, Gutzkow gehöre „bis zur Vernichtung" verfolgt. Von da an wurde in den Grenzboten alles verrissen, was er schrieb.

Bleibenden Anteil hatte Gutzkow als Förderer fremder Talente. Dass Büchners Dantons Tod 1835 im Phönix erstmals gedruckt wurde, ist nach dem Urteil der Deutschen Biographie ein bedeutendes Verdienst. Auch an der Gründung der Schillerstiftung wirkte er entscheidend mit. Die großen Sensationsromane gelten heute als ebenso vergessen wie die meisten Dramen. Von diesen wurden das Lustspiel Das Urbild des Tartuffe und das Trauerspiel Uriel Acosta noch bis zum Ende der Wilhelminischen Zeit aufgeführt. Lebendig geblieben sind, so die Deutsche Biographie, seine autobiographischen Schriften als Zeitdokumente einer rastlosen Existenz zwischen 1830 und 1870.

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