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Das Lexikon der klassischen Literatur
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Porträt Georges Rodenbach
Georges Rodenbach
1855 – 1898
– Autorenporträt –

Georges Rodenbach

1855 – 1898 · 43 Jahre

Der belgische Dichter Georges Rodenbach schrieb sein bekanntestes Werk „Bruges-la-Morte“, das die stille Stadt Brügge zum Schauplatz macht und den Komponisten Erich Wolfgang Korngold zu seiner Oper „Die tote Stadt“ anregte.

Kurzbiografie↑

Georges Rodenbach war ein belgischer Dichter und Schriftsteller des Symbolismus, der auf Französisch schrieb. Geboren 1855 in Tournai, wuchs er im flämischen Gent auf, studierte Jura und arbeitete zeitweise als Rechtsanwalt, bevor er ganz zur Literatur und zum Journalismus fand. Neben acht Gedichtsammlungen verfasste er vier Romane sowie zahlreiche Erzählungen, Bühnenarbeiten und Kritiken. Sein bekanntestes Werk ist das 1892 erschienene Bruges-la-Morte, das die stille Stadt Brügge zum Schauplatz macht. Rodenbach starb 1898 in Paris.


Biografie↑

Am 16. Juli 1855 kam Georges Raymond Constantin Rodenbach in Tournai zur Welt. Sein Vater Constantin Ferdinand Auguste Rodenbach stammte aus Brügge, seine Mutter war eine Wallonin aus Tournai. Der Urgroßvater Ferdinand Rodenbach stammte aus Andernach im Rheinland und war als Militärarzt tätig. Ende des 18. Jahrhunderts wanderte er in das heutige Belgien ein, das damals noch zur Habsburgermonarchie gehörte. Rodenbachs Großvater Constantin-François und drei von dessen Brüdern waren maßgeblich am Unabhängigkeitskampf der Belgier gegen die niederländische Herrschaft beteiligt. Der Vater hatte in Paris Philosophie und in Brüssel Rechtswissenschaften studiert und arbeitete als Beamter des Eichamtes, unter anderem in Ypern und Tournai. In Tournai lernte er seine Frau kennen, und dort wurde Georges geboren.

Ende 1855 wurde der Vater nach Gent versetzt. Dort wuchs Rodenbach in einer rein flämischen Umgebung auf, obwohl er später auf Französisch schrieb. Nach der Mittelschule besuchte er ab 1866 das Collège Sainte-Barbe. Dort lernte er 1868 den Mitschüler Émile Verhaeren kennen, der ein lebenslanger Freund werden sollte. Über diese Schulzeit und ihre eher triste Atmosphäre schrieb er später die Erzählung Au Collège. 1874 legte er das Schlussexamen ab und nahm anschließend ein Jurastudium an der Universität Gent auf, das er im Juli 1878 mit dem Doktorat abschloss. Schon während des Studiums, im Jahr 1877, erschien sein erster Gedichtband unter dem Titel Le Foyer et le champs.

Auf Wunsch seines Vaters ging Rodenbach nach dem Examen für ein Jahr nach Paris. Dort hörte er an der Sorbonne philosophische Vorlesungen und arbeitete zugleich als Rechtsanwalt. Regelmäßig schrieb er nun die Lettres Parisiennes, die in der katholischen Brüsseler Zeitschrift La Paix erschienen. Gedichte aus dieser Pariser Zeit wurden auch von französischen Zeitschriften gedruckt und 1879 unter dem Titel Les Tristesses gesammelt.

Ab 1880 arbeitete Rodenbach als Rechtsanwalt in Gent, blieb aber weiterhin journalistisch und schriftstellerisch tätig. 1881 erschien der Gedichtband La Mer élégante. Im selben Jahr wurde er Mitarbeiter der neugegründeten Zeitschrift La Jeune Belgique, in deren Redaktion sich vor allem jüngere belgische Autoren versammelten. 1883 zog er nach Brüssel, wo er sowohl als Anwalt als auch als Journalist tätig war. In dieser Zeit erschienen die Gedichtbände L'Hiver mondain (1884) und La Jeunesse blanche (1886). Den zweiten sah er später als sein erstes Werk von wirklicher literarischer Bedeutung an. Nachdem sich ab 1886 Auseinandersetzungen in der Redaktion von La Jeune Belgique zeigten, brach er 1887 mit der Zeitschrift. Die anwaltliche Tätigkeit, die auch wirtschaftlich wenig einträglich war, gab er nun auf. Seinen Lebensunterhalt sicherte er durch eine Stellung als Sekretär der Zeitschrift Le Progrès, für die er zudem regelmäßig die Chroniques Bruxelloises schrieb.

Als Le Progrès 1888 aus finanziellen Gründen eingestellt wurde, erhielt er das Angebot, für die katholische Tageszeitung Journal des Bruxelles als Korrespondent nach Paris zu gehen. Er nahm sofort an. Wenige Monate später heiratete er Anna-Maria Urbain, eine wallonische Belgierin, die er 1887 bei Freunden in Brüssel kennengelernt hatte. 1892 kam der Sohn Constantin zur Welt. In seiner Pariser Zeit verfasste Rodenbach insgesamt 481 Briefe aus Paris, die überwiegend im Journal, daneben in Le Patriote und im Journal de Genève erschienen. Auch im Figaro veröffentlichte er, so eine vierteilige Essayreihe unter dem Titel Agonie der Städte, die sich mit der holländischen Insel Walcheren und flandrischen Städten wie Gent und Brügge beschäftigte. 1892 erschien sein Hauptwerk Bruges-la-Morte. Rodenbach starb am 25. Dezember 1898 in Paris an einer akuten Blinddarmentzündung. Beigesetzt wurde er auf dem Cimetière du Père-Lachaise.


Literarische Merkmale↑

Zum Symbolismus zählte Rodenbach als belgischer Dichter, der in französischer Sprache schrieb. Sein Werk umfasst acht Gedichtsammlungen, vier Romane sowie zahlreiche Erzählungen, Arbeiten für die Bühne und Kritiken. Wiederkehrend ist die Beschäftigung mit den flandrischen Städten, allen voran Brügge. In seinem bekanntesten Werk Bruges-la-Morte wird die Stadt selbst zum bestimmenden Element, und auch in der Essayreihe Agonie der Städte kreist er um flandrische Orte. Den Gedichtband La Jeunesse blanche von 1886 betrachtete er rückblickend als sein erstes literarisch bedeutendes Werk.


Rezeption↑

Bekannt wurde Rodenbach vor allem durch das Werk Bruges-la-Morte von 1892. Er erweckte die Stadt Brügge für den modernen Tourismus wieder zum Leben. Erich Wolfgang Korngold verwendete das Werk als Grundlage für seine Oper Die tote Stadt. Ins Deutsche übertrug Siegfried Trebitsch das Schauspiel Die stille Stadt und das dramatische Gedicht Der Schleier, die 1902 in Wien erschienen.

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