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Autoreneintrag · Augusto Roa Bastos
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Porträt Augusto Roa Bastos
Augusto Roa Bastos
1917 – 2005
– Autorenporträt –

Augusto Roa Bastos

1917 – 2005 · 87 Jahre

Augusto Roa Bastos, einer der bedeutendsten Romanciers Paraguays, lebte fast drei Jahrzehnte im argentinischen Exil und verarbeitete in „Ich, der Allmächtige“ die Selbstherrlichkeit eines Diktators literarisch.

Kurzbiografie↑

Der paraguayische Schriftsteller Augusto Roa Bastos (1917–2005) gilt als einer der bedeutendsten Romanciers seines Landes und wird neben Gabriel García Márquez und Mario Vargas Llosa zu den wichtigsten Autoren Südamerikas gezählt. Bekannt wurde er vor allem durch den Roman Yo, el Supremo (deutsch Ich, der Allmächtige) aus dem Jahr 1974, der die Herrschaft von Paraguays erstem Diktator José Gaspar Rodríguez de Francia umkreist. Fast drei Jahrzehnte seines Lebens verbrachte Roa Bastos im argentinischen Exil, später lehrte er in Frankreich. Er zählt zu den wichtigsten Vertretern des magischen Realismus. 1989 wurde ihm der Premio Cervantes zugesprochen, einer der bedeutendsten Literaturpreise der spanischsprachigen Welt.


Biografie↑

Geboren wurde Augusto Roa Bastos am 13. Juni 1917 in Asunción. Über seine Herkunft gehen die Angaben auseinander: Nach der einen Darstellung war seine Mutter eine sehr gebildete Portugiesin, nach anderen Quellen eine Guaraní-Indigene. Der Vater besaß eine Zuckerraffinerie, stammte aus Brasilien und war französischer Herkunft; er galt als bürgerlich-autoritär. Seine Kindheit verbrachte der Junge in Iturbe, einem kleinen Dorf im Departamento Guairá.

Später kam er nach Asunción und wohnte dort bei seinem Onkel väterlicherseits, dem Priester Hermenegildo Roa. Dieser förderte ihn und öffnete ihm den Weg zur Literatur. Der Heranwachsende las die französischen Klassiker und beschäftigte sich mit William Faulkner. Mit fünfzehn Jahren floh er, um Kranke zu pflegen; unter den von ihm Betreuten waren Verwundete des Chacokriegs gegen Bolivien. Was er dort an Brutalität erlebte, prägte ihn dauerhaft: Von da an lehnte er Gewalt entschieden ab.

Beruflich begann Roa Bastos als Bankangestellter, und in dieser Zeit entstanden seine ersten Theaterstücke. Danach arbeitete er als Journalist für die Tageszeitung El País in Asunción. In deren Auftrag unternahm er erste Reisen nach Europa, vor allem nach England. 1944 schloss er sich der Gruppe Vy'a Raity an, deren Name auf Guaraní „Das Liebesnest“ bedeutet. Gemeinsam mit Josefina Pla und Hérib Campos Cervera trug diese Gruppe entscheidend zur Erneuerung von Dichtung und Kunst in den 1940er Jahren bei. Während des Bürgerkriegs ergriff er in seinen Zeitungsbeiträgen zunehmend Partei für die Unterdrückten.

1945 lud ihn der British Council nach England ein; ein Jahr blieb er dort. Anschließend ging er nach Frankreich und schickte aus Paris Interviews und Chroniken über das Ende des Zweiten Weltkriegs nach Hause, darunter ein Gespräch mit General de Gaulle. Von Frankreich aus reiste er weiter nach Nürnberg und berichtete als Zeitungsjournalist vom Alliierten Kriegsverbrechertribunal.

Von 1947 an lebte Roa Bastos im Exil in Buenos Aires. Fast drei Jahrzehnte blieb er in Argentinien. Als sich dort 1976 die Militärdiktatur festsetzte, nahm er eine Einladung der Universität Toulouse an und ging nach Frankreich. Bis 1989 lehrte er dort als Professor für lateinamerikanische Literatur und für Guaraní.

Sein Werk entstand also weitgehend fern der Heimat. 1960 erschien der Roman Hijo de Hombre, auf Deutsch Menschensohn. 1974 folgte Yo, el Supremo, deutsch Ich, der Allmächtige. Für dieses Buch ließ er sich von José Gaspar Rodríguez de Francia anregen, dem ersten Diktator Paraguays, der das Land im 19. Jahrhundert sechsundzwanzig Jahre lang beherrschte. Daneben veröffentlichte Roa Bastos zahlreiche weitere Romane, realistische Erzählungen und Lyrik.

Die Diktatur in Paraguay ließ ihn auch im Ausland nicht in Ruhe. 1982 reiste er in sein Heimatland; auf Anordnung des Diktators Alfredo Stroessner wurde ihm bei dieser Gelegenheit die Staatsbürgerschaft aberkannt. Erst nach Stroessners Sturz erhielt er sie zurück. Daraufhin entschloss er sich zur Rückkehr in sein Vaterland.

Anerkennung fand sein Werk früh. 1970 und noch einmal 1979 erhielt er ein Guggenheim-Stipendium. 1989 wurde ihm der Premio Cervantes verliehen. Nach einem Sturz in seiner Wohnung musste er am Gehirn notoperiert werden. Am 26. April 2005 starb Augusto Roa Bastos nach Mitteilung seines Arztes in Asunción an Herzversagen.


Literarische Merkmale↑

Prägend für sein Schreiben ist der magische Realismus, als dessen wichtiger Vertreter Roa Bastos neben Gabriel García Márquez gilt. Sein Werk umfasst mehrere Gattungen: Romane, realistische Erzählungen und Lyrik, dazu Theaterstücke aus den frühen Jahren und Arbeiten fürs Kino. Ein wiederkehrendes Thema ist die Macht des Alleinherrschers. In Yo, el Supremo nimmt er dafür die historische Gestalt des paraguayischen Diktators José Gaspar Rodríguez de Francia zum Ausgangspunkt und macht daraus eine literarische Auseinandersetzung mit Diktatur und Selbstherrlichkeit. Neben dem Spanischen war ihm auch das Guaraní vertraut, die indigene Sprache Paraguays; an der Universität Toulouse lehrte er sie über Jahre hinweg.


Rezeption↑

Innerhalb der lateinamerikanischen Literatur nimmt Roa Bastos einen festen Platz ein. Er wird als einer der bedeutendsten Romanautoren Paraguays bezeichnet und neben Gabriel García Márquez und Mario Vargas Llosa unter die wichtigsten Schriftsteller Südamerikas gerechnet. Sein Roman Yo, el Supremo gilt als eines der gewichtigsten lateinamerikanischen Bücher über Diktatur und Selbstherrlichkeit. Zweimal, 1970 und 1979, wurde er mit einem Guggenheim-Stipendium bedacht. 1989 folgte der Premio Cervantes, der als einer der wichtigsten Literaturpreise der spanischsprachigen Welt gilt. Wie sehr sein Schreiben die Machthaber in der Heimat traf, zeigt der Entzug der Staatsbürgerschaft durch Alfredo Stroessner im Jahr 1982.

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