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Porträt Jean Rhys
Jean Rhys
1890 – 1979
– Autorenporträt –

Jean Rhys

1890 – 1979 · 88 Jahre

Schriftstellerin aus der Karibik, die nach fast drei Jahrzehnten des Vergessens 1966 mit ihrem Roman „Wide Sargasso Sea“ zurückkehrte und späten literarischen Ruhm fand.

Kurzbiografie↑

Jean Rhys wurde 1890 auf der Karibikinsel Dominica geboren und starb 1979 in England. Ihr eigentlicher Name war Ella Gwendolen Rees Williams. Bis 1939 veröffentlichte sie Erzählungen und vier Romane, danach verschwand sie für fast drei Jahrzehnte aus dem Blick der Öffentlichkeit. Erst 1966 kehrte sie mit dem Roman Wide Sargasso Sea zurück, der auf Deutsch als Die weite Sargassosee erschien. Das Buch machte sie als postkoloniale Autorin bekannt und trug ihr späten literarischen Ruf ein.


Biografie↑

Geboren wurde die Schriftstellerin am 24. August 1890 in Roseau auf Dominica. Ihr Vater war Waliser, ihre Mutter Kreolin. Sie wuchs in der Karibik auf.

1907 kam sie nach England. Dort arbeitete sie zunächst als Revuegirl in der Provinz. Als ihr Vater 1910 starb, lebte sie am Rande der Armut. Sie beschäftigte sich mit Kunst und Literatur, verdiente ihr Geld als Aktmodell und wurde von verschiedenen Männern unterstützt.

1919 heiratete sie zum ersten Mal. Sie bekam zwei Kinder, von denen eines früh starb. Insgesamt war sie dreimal verheiratet. Ihr letzter Ehemann starb Mitte der 1960er Jahre.

In den 1920er Jahren zog sie auf den europäischen Kontinent und lebte unter anderem in Paris. Ihr erster Ehemann kam in dieser Zeit ins Gefängnis. Sie hatte stets Heimweh nach der Karibik. In diese Jahre fällt auch der Beginn ihrer Alkoholkrankheit.

1923 begann sie zu schreiben. Der englische Schriftsteller und Verleger Ford Madox Ford förderte sie dabei. Viele ihrer Arbeiten tragen autobiografische Züge. Ihr Roman Quartett handelt in verschlüsselter Form von ihrer Affäre mit Ford, der darin als kalt und egoistisch beschrieben wird. Ford wiederum lobte zwar ihren durchdringenden Außenseiterblick und ihr literarisches Formbewusstsein, zeichnete aber in When The Wicked Man ein verschlüsseltes Zerrbild ihrer Person.

Bis 1939 erschienen Erzählungen und vier Romane. Danach geriet sie für fast drei Jahrzehnte in Vergessenheit. Man hielt sie sogar für verstorben. Als die BBC eine Sendung nach Good Morning, Midnight ausstrahlen wollte, suchte man nach ihr, worauf sie sich selbst meldete.

1966 erschien Wide Sargasso Sea, deutsch Sargassomeer und Die weite Sargassosee. In diesem Jahr wurde sie als postkoloniale Autorin entdeckt und errang literarischen Ruf.

In ihren letzten Lebensjahren war sie finanziell unabhängig. Ihr Spätwerk erreichte jedoch nicht mehr die Bedeutung der früheren Bücher. Sie veröffentlichte den Erzählungsband Sleep it off Lady und arbeitete an ihrer Autobiografie Smile Please: An Unfinished Autobiography, die erst nach ihrem Tod erschien. 1979 wurde sie als Ehrenmitglied in die American Academy of Arts and Letters gewählt. Am 14. Mai 1979 starb sie in Exeter in England.

1984 wurden ihre Briefe in einer Bearbeitung von Francis Wyndham und Diana Melly unter dem Titel Jean Rhys's Letters 1931-1966 veröffentlicht. 1994 benannte man einen Krater auf der Venus nach ihr.


Literarische Merkmale↑

Vieles in ihren Büchern stammt aus ihrem eigenen Leben. Der Roman Quartett erzählt in verschlüsselter Form von ihrer Affäre mit Ford Madox Ford. Ford selbst hob ihren durchdringenden Außenseiterblick und ihr Gespür für literarische Form hervor.

Unter anderem arbeitete sie mit der Technik des Bewusstseinsstroms: Der Text folgt dann den Gedanken einer Figur so, wie sie ihr durch den Kopf gehen.

In Wide Sargasso Sea knüpft sie an einen fremden Roman an. Charlotte Brontës Jane Eyre enthält die Figur der verrückten Frau auf dem Dachboden. Rhys nimmt darauf Bezug und erzählt deren Geschichte: Ihre Hauptfigur heiratet einen Engländer, der wie die meisten Briten die Karibik nicht versteht oder verstehen will, und endet als Verrückte auf einem Dachboden in England.


Rezeption↑

Ford Madox Ford förderte sie von ihren Anfängen als Schriftstellerin an. Sein Urteil über ihre Arbeit war anerkennend, doch in When The Wicked Man zeichnete er ein verzerrtes Bild ihrer Person.

Nach 1939 verschwand sie fast drei Jahrzehnte lang aus dem literarischen Leben; manche hielten sie für tot. Die Wende brachte 1966 der Roman Wide Sargasso Sea. Sie wurde nun als postkoloniale Autorin wahrgenommen. Dazu trug auch die feministische Bewegung bei, die das Buch als Fortschreibung des viktorianischen Klassikers Jane Eyre von Charlotte Brontë las.

Das Magazin Time zählte Die weite Sargassosee zu den besten hundert englischsprachigen Romanen, die zwischen 1923 und 2005 erschienen sind. Ins Deutsche übersetzt wurde der Roman erst 1980. 2015 erschien eine neue Übersetzung von Brigitte Walitzek.

1979 wurde sie zum Ehrenmitglied der American Academy of Arts and Letters gewählt. 1994 erhielt ein Krater auf der Venus ihren Namen.

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