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Das Lexikon der klassischen Literatur
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Autoreneintrag · Władysław Reymont
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Porträt Władysław Reymont
Władysław Reymont
1867 – 1925
– Autorenporträt –

Władysław Reymont

1867 – 1925 · 58 Jahre

Polnischer Erzähler des bäuerlichen und großstädtischen Lebens, 1924 für seinen Roman „Die Bauern" mit dem Nobelpreis für Literatur geehrt.

Kurzporträt

Władysław Reymont gehört zu den bedeutendsten polnischen Erzählern um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert. Er gilt als einer der Hauptvertreter des Realismus mit Einflüssen des Naturalismus. Der literarischen Bewegung Młoda Polska (Junges Polen) stand er nahe. Bekannt wurde er vor allem durch den vierbändigen, nach den Jahreszeiten gegliederten Roman Die Bauern. Dafür erhielt er 1924 den Nobelpreis für Literatur. Daneben schuf er Das gelobte Land sowie zahlreiche Novellen und Erzählungen. Seine Werke sind oft von gesellschaftskritischen Sichtweisen geprägt und tragen teils satirische Züge.


Biografie

Geboren wurde Władysław Stanisław Reymont, eigentlich Stanisław Władysław Rejment, am 7. Mai 1867 in Kobiele Wielkie bei Radomsko. Sein Vater Józef Rejment war Kantor bei einer Pfarrei. Zugleich war er für die Zivilstandsbücher sowie für die Korrespondenz des Pfarrers mit den russischen Behörden zuständig. Seine Mutter Antonina, geborene Kupczyńska, stammte vom Krakauer Adelsstand ab. Ihr wurde großes Erzähltalent zugeschrieben. Reymont war das sechste von neun Kindern. Ein Jahr nach seiner Geburt erwarb die Familie in Tuszyn, einem Dorf etwa zwanzig Kilometer südlich der Industriestadt Łódź, ein Stück Land. Dort hielt sich Reymont in den folgenden Jahren oft mit der Mutter und einigen älteren Geschwistern auf, während der Vater weiterhin in Kobiele Wielkie wirkte.

Dem Wunsch der Eltern, ebenfalls Kantor zu werden, verweigerte sich Reymont. Er beendete die Schulausbildung vorzeitig, wechselte mehrfach Beruf und Wohnort und reiste viel durch Polen und Europa. Er absolvierte die Warschauer Sonntagsschule für Handwerker. In den Jahren 1880 bis 1884 machte er eine Lehre zum Schneider in Warschau. Ab 1882 schrieb er erste Gedichte. Von 1884 bis 1888 war er als Schauspieler in lokalen Wandertruppen tätig. Anschließend arbeitete er von 1888 bis 1893 als untergeordneter Mitarbeiter bei der Warschau-Wiener Eisenbahn, unter anderem in Rogów und Lipce. 1890 starb seine Mutter. 1894 ließ sich Reymont in Warschau als Schriftsteller nieder und lebte fortan von seiner literarischen Tätigkeit.

Am 13. Juli 1900 verunglückte Reymont bei einem Eisenbahnunfall und wurde mit zwei gebrochenen Rippen ins Krankenhaus gebracht. Ein mit Absicht verfälschter ärztlicher Bericht diagnostizierte zwölf gebrochene Rippen und weitere Verletzungen. Er bezweifelte, ob Reymont weiterhin zu geistiger Arbeit fähig sein werde. Die daraufhin zugesprochene hohe Entschädigung von 38.500 Rubel verschaffte ihm finanzielle Unabhängigkeit. Am 15. Juli 1902 heiratete er in Krakau Aurelia Szabłowska, geborene Schatzschnejder. Die Trauung fand in der Karmeliterkirche statt. Im selben Jahr starb sein Bruder Franciszek.

In diesen Jahren entstanden seine Hauptwerke. Bereits 1896 hatte er die Idee zu Das gelobte Land gefasst. Das Werk hat die kapitalistische Industriestadt Łódź zum Schauplatz und erschien 1897 bis 1898 zunächst in Fortsetzungen in der Warschauer Zeitung Kurier Warszawski. Zwischen 1901 und 1908 schrieb er den vierteiligen Roman Die Bauern. 1905 wurde Reymont Zeuge des Generalstreiks und der Demonstrationen in Warschau, nachdem Zar Nikolaus II. das Verfassungsmanifest erlassen hatte. Seine Eindrücke hielt er unter anderem in Blätter aus dem Notizbuch fest. Bis zum Ausbruch des Ersten Weltkriegs 1914 war er Mitglied des Volksbundes.

1920 kaufte Reymont ein Landgut in Kołaczkowo bei Września. 1924 wurde ihm für Die Bauern der Nobelpreis für Literatur zuerkannt. Zu seinen Mitbewerbern zählten unter anderem Stefan Żeromski und Thomas Mann. Im selben Jahr erschien sein letzter Roman Die Empörung als Buch, der zuvor 1922 in Fortsetzungen veröffentlicht worden war. Reymont starb am 5. Dezember 1925 in Warschau. Am 9. Dezember wurde er auf dem Powązki-Friedhof in der „Allee der Verdienten" begraben. Sein Herz wurde in einen Pfeiler der Heilig-Kreuz-Kirche in Warschau eingemauert.


Literarische Merkmale

Reymonts Werke sind in Thematik und literarischer Form sehr vielfältig. Häufig sind sie von gesellschaftskritischen Sichtweisen bestimmt und tragen teils satirische Züge. Er gilt als Realist mit deutlichen Einflüssen des Naturalismus. In Das gelobte Land zeichnet er ein naturalistisches Bild der Industriestadt Łódź und ihrer Bewohner. Das Werk gilt als Beispiel für seine Ablehnung der Verstädterung und verbindet Gesellschaftskritik mit einem politischen Anliegen. Demgegenüber steht in vielen seiner Texte die Liebe zur Natur und das bäuerliche Leben mit seinen Traditionen und seinem Wertesystem.

In Die Bauern ist diese Darstellung in einer volkstümlichen Sprache verfasst. Das Leben der Dorfgemeinschaft wird vom Rhythmus der Natur bestimmt, vom Bestellen des Ackers, von Sitten und Bräuchen ebenso wie vom sozialen und wirtschaftlichen Wandel auf dem Lande. Sein Spätwerk Die Empörung hebt sich von den früheren Romanen stark ab und verbindet Elemente aus Märchen und Dystopie zu einer Parabel über Aufstand und Gewalt.


Rezeption

Mit der Verleihung des Nobelpreises für Literatur 1924 fand Reymonts Werk höchste internationale Anerkennung. Ausgezeichnet wurde der Roman Die Bauern, der sich gegen Mitbewerber wie Stefan Żeromski und Thomas Mann durchsetzte. Schon zuvor war Reymont mehrfach geehrt worden, unter anderem 1921 als Komtur und 1924 mit dem Großkreuz des Ordens Polonia Restituta sowie als Kommandeur der Ehrenlegion.

Sein letzter Roman Die Empörung erinnerte als Parabel an die Oktoberrevolution und fiel in der Volksrepublik Polen aus ideologischen Gründen der Zensur zum Opfer. Das Werk geriet in Vergessenheit und wurde erst 2004 im polnischen Verlag Fronda neu aufgelegt. Eine Neuauflage der deutschsprachigen Ausgabe erschien im Mai 2017 zu Reymonts 150. Geburtstag mit einem Nachwort von Martin Pollack. Mehrere seiner Romane wurden verfilmt, darunter Das gelobte Land 1975 unter der Regie von Andrzej Wajda. Das fortdauernde Andenken zeigt sich auch darin, dass der Sejm der Republik Polen das Jahr 2000 zum offiziellen Reymont-Jahr ausrief und der Flughafen der Stadt Łódź 2005 nach ihm benannt wurde.

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