1889 – 1959
Alfonso Reyes
Kurzbiografie↑
Der mexikanische Dichter, Essayist und Diplomat Alfonso Reyes wurde 1889 geboren und starb 1959 in Mexiko-Stadt. Er stammte aus einer wohlhabenden Familie und studierte Jura, wandte sich aber schon während der Studienzeit der Literatur zu. Als junger Mann gehörte er zu den Gründern des Literaturzirkels „Ateneo de la Juventud“. Sein bekanntester Essay Visión de Anáhuac beschreibt das Hochtal von Mexiko und die Aztekenhauptstadt Tenochtitlán so, wie die spanischen Eroberer sie gesehen haben müssen. Über Jahrzehnte diente Reyes seinem Land zugleich als Botschafter in Europa und Südamerika.
Biografie↑
Geboren wurde Alfonso Reyes Ochoa am 17. Mai 1889. Die Angaben zum Geburtsort gehen auseinander: Die Deutsche Nationalbibliothek nennt Monterrey im Bundesstaat Nuevo León, während Wikidata allgemeiner Mexiko verzeichnet. Seine Familie war wohlhabend und politisch einflussreich. Sein Vater, General Bernardo Reyes, amtierte unter Porfirio Díaz als Gouverneur von Nuevo León und als Verteidigungsminister.
Zur Schule ging Reyes am Liceo Francés in Mexiko-Stadt und am Colegio Civil in Monterrey. Anschließend studierte er Jura an der Universidad Nacional Autónoma de México und schloss das Studium 1913 ab. Schon während dieser Jahre begann seine literarische Arbeit. 1909 gründete er gemeinsam mit den Nachwuchsautoren Pedro Henríquez Ureña, Antonio Caso und José Vasconcelos den Literaturzirkel „Ateneo de la Juventud“, zu Deutsch: Kulturgemeinschaft der Jugend. Daneben hielt er an der Nationaluniversität Vorlesungen über die Geschichte der spanischen Sprache und Literatur.
Kaum war das Studium beendet, holten ihn die Wirren der Mexikanischen Revolution ein. Im Februar 1913, während der Decena Trágica und damit der blutigsten Kampfhandlungen der Revolution, wurde sein Vater vor dem Nationalpalast in Mexiko-Stadt erschossen. Reyes floh nach Paris und arbeitete dort zeitweilig in der mexikanischen Botschaft. Als 1914 der Erste Weltkrieg ausbrach, siedelte er nach Spanien über.
Die spanischen Jahre wurden für sein Schreiben fruchtbar. In dieser Zeit entstanden Arbeiten wie Visión de Anáhuac, das 1915 verfasst und 1917 in Costa Rica gedruckt wurde, sowie die Erzählung La cena und die Gedichtsammlung Cartones de Madrid, beide aus dem Jahr 1917. Bereits 1911 war die Aufsatzsammlung Cuestiones estéticas erschienen.
Nachdem General Álvaro Obregón die Kontrolle über Mexiko gewonnen hatte, trat Reyes in den diplomatischen Dienst seines Landes ein. 1920 war er stellvertretender Botschafter in Spanien, ab 1924 wieder in Frankreich. Nach 1927 kehrte er auf den amerikanischen Kontinent zurück und vertrat Mexiko als Botschafter in Argentinien und in Brasilien. Während seines Aufenthaltes in Buenos Aires entstand eine tiefe, lebenslange Freundschaft mit Jorge Luis Borges.
1939 kehrte Reyes nach Mexiko zurück. Dort übernahm er die Leitung des neugegründeten Casa de España, eines Kollegs, das von spanischen Bürgerkriegsflüchtlingen gegründet worden war. Die Einrichtung wurde später in El Colegio de México und danach in Colegio Nacional umbenannt. In den mexikanischen Jahren entstanden umfangreiche literaturwissenschaftliche Arbeiten, darunter die Capítulos de literatura española, die zwischen 1939 und 1945 herauskamen, sowie La experiencia literaria von 1942 und El deslinde von 1944. 1954 folgte Trayectoria de Goethe.
Alfonso Reyes starb am 27. Dezember 1959 in Mexiko-Stadt, nach mehreren Herzinfarkten. Sein Gesamtwerk erschien beim Fondo de Cultura Económica in 26 Bänden. Die Nomination Database des Nobelpreises führt seinen Namen unter den Kandidaten.
Literarische Merkmale↑
Zentrales Thema in Reyes' Werk ist die mexikanische Identität. Am deutlichsten zeigt sich das in Visión de Anáhuac, wo er das Hochtal von Mexiko und die Aztekenhauptstadt Tenochtitlán so schildert, wie die Eroberer unter Hernán Cortés sie erlebt haben müssen. Aus diesem Text stammt die Wendung „la región más transparente del aire“ für Mexiko-Stadt, die sprichwörtlich wurde.
Reyes schrieb in mehreren Formen: Aufsätze über Literatur und Ästhetik, Erzählungen, Gedichtsammlungen und ein lyrisches Theaterstück, Ifigenia cruel von 1924. Die Erzählung La cena aus dem Jahr 1917 gilt als Vorläufer des Surrealismus. Daneben trat er als Übersetzer hervor und übertrug unter anderem Laurence Sterne, G. K. Chesterton und Anton Tschechow ins Spanische.
Rezeption↑
Als Essayist wurde Reyes über Mexiko hinaus wahrgenommen; er gilt als einer der ersten Essayisten Lateinamerikas. Jorge Luis Borges, mit dem ihn eine lebenslange Freundschaft verband, hielt ihn für einen der besten Prosastilisten der spanischen Sprache. Seine Wendung „la región más transparente del aire“ wirkte weiter und gab Carlos Fuentes die Vorlage für einen Buchtitel.
Seine Werke wurden beim Fondo de Cultura Económica in einer 26-bändigen Gesamtausgabe versammelt. In Mexiko-Stadt erinnert die Capilla Alfonsina, sein früheres Haus, an ihn. Das Deutsche Literaturarchiv Marbach und der Kalliope-Verbund verzeichnen Materialien zu seiner Person, und die Nomination Database des Nobelpreises führt ihn unter den vorgeschlagenen Kandidaten.
Mitglieder des YouTube-Kanals erhalten das ganze Lexikon als PDF zum Download – zum Sammeln, Offline-Lesen und Ausdrucken. Mitglied werden →
Aus dem Werkverzeichnis↑
Vollständiges Werkverzeichnis bei Wikipedia (8 weitere Titel)