1932 – 1990
Manuel Puig
Biografie↑
Geboren wurde Juan Manuel Puig Delledonne am 28. Dezember 1932. Über den Geburtsort gehen die Angaben auseinander: Wikidata nennt den kleinen Provinzort General Villegas, die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet allgemeiner die Provinz Buenos Aires. Seine Eltern waren Baldomero Puig und María Elena Delledonne; in der Familie hieß der Junge „Coco“. General Villegas kehrte später in mehreren seiner Romane als Ort „Coronel Vallejos“ wieder.
Schon als Kind zog es ihn ins Kino. Von seinem vierten Lebensjahr an ging er regelmäßig mit der Mutter in die Vorstellungen. Mit zehn Jahren begann er Englisch zu lernen, um die amerikanischen Filme besser zu verstehen. 1943 erlitt seine Mutter eine Totgeburt, 1944 kam der jüngere Bruder Carlos zur Welt, der später Maler wurde. Weil die Provinz keine höhere Schulbildung bot, zog die Familie 1946 nach Buenos Aires, wo Puig das Colegio Ward besuchte.
Zunächst schrieb er sich für Architektur ein, wechselte aber bald das Fach. Ab 1951 studierte er Literaturwissenschaft an der Universität von Buenos Aires. 1956 erhielt er ein Stipendium für die Filmhochschule Centro Sperimentale di Cinematografia in Rom. In den Jahren danach schlug er sich als Spanisch- und Italienischlehrer sowie als Tellerwäscher durch und schrieb erste Drehbücher. Zwischen 1961 und 1962 arbeitete er als Assistent bei Filmproduktionen in Buenos Aires und Rom.
1963 ging Puig nach New York. Dort entstand sein erster Roman La traición de Rita Hayworth, deutsch Verraten von Rita Hayworth, den er 1965 abschloss. Noch im Dezember desselben Jahres wurde das Buch für den spanischen Literaturpreis Biblioteca Breve des Verlags Seix Barral vorgeschlagen. 1969 zeichnete die Zeitung Le Monde den Roman als bestes Werk der Jahre 1968/1969 aus.
1967 kehrte Puig nach Buenos Aires zurück. Sein zweiter Roman Boquitas pintadas, auf Deutsch Der schönste Tango der Welt, wurde ein Erfolg. 1973 folgte The Buenos Aires Affair. Dieses Buch verbot die argentinische Militärdiktatur später. Nach wiederholten Drohanrufen verließ Puig sein Heimatland und ließ sich in Mexiko nieder. Dort stellte er 1976 El beso de la mujer araña fertig, deutsch Der Kuß der Spinnenfrau.
1979 erschien Pubis angelical, auf Deutsch Die Engel von Hollywood. In Spanien wurde das Buch ein Bestseller, Raúl de la Torre verfilmte es. 1980 übersiedelte Puig nach Brasilien und blieb dort zehn Jahre. 1985 schrieb Leonard Schrader das Drehbuch zu Héctor Babencos preisgekröntem Film Kuß der Spinnenfrau. 1986 erhielt Puig den italienischen Premio Malaparte. Sein letzter Roman Cae la noche tropical, deutsch Bei Einbruch der tropischen Nacht, kam 1988 heraus.
Kurz vor seinem Tod kaufte Puig ein Haus in Cuernavaca in Mexiko. Dort wollte er sich zusammen mit seiner alten Mutter niederlassen. Wenig später starb er dort unerwartet an Herzversagen nach einer Operation an der Gallenblase, am 22. Juli 1990. Unvollendet blieb der Roman Humedad relativa 95 %.
Vom Literaturbetrieb hielt Puig zeitlebens Abstand. Auch zu den anderen lateinamerikanischen Autoren der nueva novela hispanoamericana wie Mario Vargas Llosa oder Gabriel García Márquez suchte er keine Nähe.
Literarische Merkmale↑
Puigs Romane leben von den Verheißungen des Kinos und des Tangos. Für die Menschen in der argentinischen Provinz, deren Leben farblos und eintönig verläuft, sind Film und Tango der einzige Ausweg. Diese Sehnsucht bestimmt seine ersten Bücher.
Charakteristisch ist die Art, in der Puig Elemente der Massenkultur mit avantgardistischen Stilmitteln verband. Filmhandlungen, Kitsch und Traumbilder stehen neben modernen Erzählverfahren. Gerade diese Mischung stieß bei vielen Kritikern zunächst auf Ablehnung.
Gesellschaftliche und sexuelle Unterdrückung schildert Puig mit Zurückhaltung, ohne Anklageton. Seine Romane sind stark von eigenen Erfahrungen geprägt. Der Schauplatz seiner ersten beiden Bücher, Coronel Vallejos, erinnert deutlich an seinen Geburtsort General Villegas. Puig beschrieb den Ort später als flach und hässlich; wer dort geboren werde, komme nie fort und habe keine Vorstellung davon, was das Leben sei. Als ihn seine Mutter mit vier Jahren zum ersten Mal ins Kino mitnahm, dachte er: Dort ist das Leben.
In der Figur des Toto aus La traición de Rita Hayworth und in der Gestalt des Molina aus El beso de la mujer araña findet sich der bekennend homosexuelle Autor selbst wieder. Beide Figuren tragen eigene Erfahrungen mit der Unterdrückung von Homosexualität in sich.
Rezeption↑
Anerkennung kam für Puig nur zögerlich. Heute wird er zu den großen argentinischen Autoren gerechnet, doch lange galt seine Verbindung von Trivialem und Kunstvollem als verdächtig. Vor allem in Argentinien wurde ihm vorgeworfen, er schreibe Trivialliteratur.
Erste internationale Aufmerksamkeit brachte ihm sein Erstling. Er wurde 1965 für den Preis Biblioteca Breve vorgeschlagen, und Le Monde zeichnete ihn 1969 als bestes Werk der Jahre 1968/1969 aus. In Argentinien geriet Puig dagegen unter politischen Druck: Die Militärdiktatur verbot The Buenos Aires Affair, Drohanrufe trieben ihn ins Exil.
Der Durchbruch gelang ihm erst mit El beso de la mujer araña. Héctor Babencos Verfilmung nach dem Drehbuch von Leonard Schrader kam 1985 heraus und wurde preisgekrönt. Auch Pubis angelical wurde verfilmt, von Raúl de la Torre, und war in Spanien ein Bestseller. 1986 erhielt Puig den italienischen Premio Malaparte.
Seine Erzählweise fand Nachahmer. Mario Vargas Llosa griff Puigs Verfahren in seinem Roman La tía Julia y el escribidor, deutsch Tante Julia und der Kunstschreiber, auf und montierte darin ebenfalls Hochliteratur und Kitsch.
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