1697 – 1763
Antoine-François Prévost
Kurzbiografie↑
Antoine-François Prévost war ein französischer Schriftsteller des 18. Jahrhunderts. Er hat ein umfangreiches Werk hinterlassen. Davon ist heute vor allem ein einziger Roman lebendig geblieben: Manon Lescaut. Dieser Roman wurde mehrfach verfilmt. Prévost wurde 1697 in Hesdin im Norden Frankreichs geboren. Er führte ein ungewöhnlich bewegtes Leben zwischen Klostermauern, Militärdienst und der Feder. Bekannt wurde er unter dem Namen Abbé Prévost. Neben Romanen verfasste er historische Sachbücher, Reiseberichte und Übersetzungen. Er starb 1763.
Biografie↑
Prévost wurde am 1. April 1697 in Hesdin im Département Pas-de-Calais geboren. Er stammte aus einer bürgerlichen Familie. Sein Lebensweg pendelte über Jahrzehnte zwischen geistlicher Berufung und weltlicher Unruhe. 1713 trat er für drei Jahre als Novize bei den Jesuiten ein. Dieses Noviziat brach er jedoch 1716 ab und meldete sich freiwillig zum Heer. Als Soldat nahm er am Spanischen Erbfolgekrieg teil. Nach einem erneuten Aufenthalt bei den Jesuiten diente er ab 1718 als Offiziersaspirant im französisch-spanischen Krieg. 1719 desertierte er aber und trat 1720 als Novize in die Abtei Jumièges des Benediktinerordens ein. Dort legte er 1721 sein Gelübde als Mönch ab. 1726 wurde er zum Priester geweiht.
Doch 1728 floh Prévost aus dem Kloster. Der Orden ließ ihn mit einem königlichen Haftbefehl, einem sogenannten Lettre de cachet, steckbrieflich suchen. Deshalb ging er zunächst nach England. Im Steckbrief wurde er beschrieben als von mittlerer Größe, blond, mit blauen, schön geschnittenen Augen und einem rosigen, vollen Gesicht. In London konvertierte er zum Anglikanismus. Er wurde Hauslehrer eines jungen Mannes aus bester Familie. Als er Heiratspläne mit dessen Schwester schmiedete, wurde er auf Betreiben des Vaters ausgewiesen.
Er ging nach Holland. Dort veröffentlichte er 1731 die Bücher V und VI seiner Mémoires. Diesen hängte er rasch einen nur locker verbundenen siebenten Band an: L’Histoire du chevalier des Grieux et de Manon Lescaut. Dieser Roman verarbeitet sichtlich Prévosts eigene, ebenso leidenschaftliche wie frustrierende und schuldbeladene Liebe zu der Haager Edelkurtisane Lenki Eckhardt. Diese hatte er kurz zuvor kennengelernt. Ebenfalls 1731 erschien in Utrecht in vier Bänden ein schon in England begonnener Roman: Histoire de Cleveland, fils naturel de Cromwell. Danach vollendete er eine Übertragung der lateinisch verfassten Memoiren des Anti-Richelieu-Verschwörers François-Auguste de Thou. Sie erschien 1733.
Mit Lenki hatte Prévost inzwischen Schulden angehäuft und floh erneut nach London. Dort schuf er eine Ein-Mann-Zeitschrift nach dem Vorbild von Addisons Spectator: Le Pour et le Contre. Sie erschien in Paris und sollte das neu erwachte England-Interesse der gebildeten französischen Leser bedienen. 1734 saß er wegen Wechselbetrugs kurz im Gefängnis und wurde ausgewiesen. Heimlich kehrte er nach Frankreich zurück. Dort war ein separater Nachdruck von Manon Lescaut gerade von der Zensur verboten und beschlagnahmt worden. Aus einem Versteck heraus nahm er Kontakt mit dem Benediktinerorden auf. Vom Papst erhielt er Vergebung für seinen Abfall vom katholischen Glauben sowie die Erlaubnis für ein verkürztes zweites Noviziat (1735).
Auch als Novize schrieb Prévost pausenlos weiter. 1735 erschienen die ersten Bände des Romans Le Doyen de Killérine. Nach dem Noviziat wurde er in Paris Almosenier beim Fürsten von Conti, also eine Art Privatpfarrer in einem hochadeligen Haus. Hier vollendete er 1737/38 die letzten Bände des Cleveland, 1739/40 die des Doyen de Killérine und 1740 das zwanzigste und letzte Faszikel von Le Pour et le Contre. Danach wandte er sich romanähnlichen historischen Sachbüchern und Biografien zu, darunter Histoire de Marguerite d’Anjou und Histoire de Guillaume le Conquérant. Anschließend verlegte er sich auf Reiseberichte wie Voyages du capitaine Robert Lade. 1746 begann er eine Histoire générale des voyages, zunächst als Übersetzer englischer Reisebücher, später in eigener Autorschaft. Bei Band 15 hörte er 1760 auf und ließ andere Autoren weiterschreiben.
Daneben machte sich Prévost als Übersetzer von Werken Samuel Richardsons einen Namen, eines der großen Autoren des europäischen empfindsamen Romans. 1751 erschien Lettres anglaises, ou Histoire de Miss Clarisse Harlowe, 1755 Nouvelles lettres anglaises, ou Histoire du chevalier Grandisson. Ob auch die 1742 erschienene Richardson-Übersetzung Paméla, ou la vertu récompensée bereits von ihm stammt, ist zweifelhaft. 1753 veröffentlichte er eine leicht überarbeitete und moralisierte Fassung von Manon Lescaut.
Prévost starb am 25. November 1763 in Courteuil im Département Oise, unweit von Chantilly, an einer Aneurysmaruptur.
Literarische Merkmale↑
Kennzeichnend für Prévosts Schreiben ist die enge Verflechtung von eigenem Erleben und erzählter Geschichte. So verarbeitet sein bekanntester Roman Manon Lescaut sichtlich die leidenschaftliche und schuldbeladene Liebe des Autors zu einer Frau. Diese Frau hatte er kurz zuvor kennengelernt. Sein Werk umfasst dabei sehr unterschiedliche Formen: mehrbändige Romane, romanähnliche historische Sachbücher und Biografien sowie Reiseberichte.
Als Übersetzer brachte Prévost den empfindsamen Roman des Engländers Samuel Richardson ins Französische. Damit vermittelte er eine literarische Strömung über die Ländergrenzen hinweg. Sein England-Interesse zeigt sich auch in seiner Zeitschrift Le Pour et le Contre, die er nach dem Vorbild von Addisons Spectator gestaltete. 1753 gab er eine leicht überarbeitete und moralisierte Fassung von Manon Lescaut heraus. Das deutet auf seine Bereitschaft, eigene Texte den moralischen Erwartungen seiner Zeit anzupassen.
Rezeption↑
Von Prévosts umfangreichem Werk ist bis heute vor allem ein einziger Roman lebendig geblieben: Manon Lescaut. Er wurde mehrfach verfilmt und bleibt damit über die Jahrhunderte hinweg gegenwärtig. Ein Großteil seines übrigen Schaffens ist heute dagegen weniger bekannt.
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