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Das Lexikon der klassischen Literatur
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Autoreneintrag · Jacques Prévert
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Porträt Jacques Prévert
Jacques Prévert
1900 – 1977
– Autorenporträt –

Jacques Prévert

1900 – 1977 · 77 Jahre

Einer der volkstümlichsten französischen Dichter des 20. Jahrhunderts, dessen schlichte Verse und Chansontexte ein breites Publikum erreichten – bekannt auch als Drehbuchautor von „Kinder des Olymp“.

Kurzbiografie↑

Als einer der volkstümlichsten französischen Dichter des 20. Jahrhunderts verband Jacques Prévert (1900–1977) Lyrik, Theater und Film zu einem populären Werk. Er schrieb Gedichte, Chansontexte, Theaterstücke, Drehbücher und Erzählungen. Weltweit bekannt wurden sein Drehbuch zu dem Film Kinder des Olymp und der Chanson-Klassiker Les Feuilles Mortes. Seine Verse gelten als schlicht und unmittelbar verständlich, obwohl sie voller Wortspiele und Bilder stecken. Damit erreichte er ein breites Publikum, das über den Kreis der Lyrikleser weit hinausreichte.


Biografie↑

Geboren wurde Jacques Prévert am 4. Februar 1900 im Pariser Vorort Neuilly-sur-Seine, wo er zunächst und später in Paris aufwuchs. Sein Vater war Theaterkritiker und nahm ihn oft zu Aufführungen mit, seine Mutter weckte in ihm die Liebe zur Literatur. Mit 15 Jahren verließ er die Schule und arbeitete in einem Kaufhaus.

Während des Militärdienstes lernte er 1920 Yves Tanguy und Marcel Duhamel kennen. 1925 stieß er über Raymond Queneau zum Kreis der Surrealisten. Das autoritäre Auftreten ihres Anführers André Breton vertrieb ihn jedoch bald aus dieser Gruppe. Daraufhin gründete er mit seinem Bruder Pierre sowie Tanguy, Queneau und anderen die sogenannte „bande à Prévert“.

Im Jahr 1928 sammelte er zusammen mit seinem Bruder Erfahrungen als Filmproduzent. Zwischen 1932 und 1936 schrieb er Stücke für das linke Amateurtheater Octobre. Daneben verfasste er Gedichte. Einen Namen machte er sich ab Mitte der 1930er Jahre aber zunächst als Drehbuchautor. Er arbeitete für die Filme seines Bruders und für die Regisseure Jean Renoir und Marcel Carné. Für Renoir schrieb er Das Verbrechen des Herrn Lange (1936). Für Carné entstanden unter anderem Drôle de drame (1937), Hafen im Nebel (1938), Der Tag bricht an (1939), Die Nacht mit dem Teufel (1942), Kinder des Olymp (1943/45) und Les portes de la nuit (1946). Er zählt zu den Begründern des Poetischen Realismus.

Eine Sammlung seiner in Zeitschriften veröffentlichten und weiterer unveröffentlichter Gedichte erschien 1946 unter dem Titel Paroles. Der Erfolg dieses Buches machte ihn zu einem der einflussreichsten französischen Lyriker seiner Zeit. Viele seiner Gedichte wurden von Joseph Kosma und anderen vertont und von bekannten Chansonniers gesungen; Les feuilles mortes etwa sangen Juliette Gréco und Yves Montand. Zu den berühmten Texten der Sammlung gehört auch das Gedicht Barbara, das die Bombardierung der Stadt Brest im Zweiten Weltkrieg zum Thema hat. Auch spätere Lyrikbände hatten Erfolg, darunter Histoires (1946), Spectacle (1951), La Pluie et le beau temps (1955), Fatras (1966) und Choses et autres (1972). Der Band La Cinquième Saison erschien 1984 nach seinem Tod.

Im Jahr 1948 erlitt Prévert einen Fenstersturz und lag mehrere Tage im Koma; in der Folge erkrankte er an einem neurologischen Leiden. 1971 zog er von Antibes nach Omonville-la-Petite, in die Nachbarschaft seines Freundes Alexandre Trauner. Dort starb er am 11. April 1977 an Lungenkrebs. Sein Altersruhesitz in der Normandie wurde vom Département Manche gekauft und als kleines Museum eingerichtet.


Literarische Merkmale↑

Kennzeichnend für Préverts Dichtung sind Schlichtheit und Verständlichkeit. Die meisten seiner Gedichte stecken voller Wortspiele und Metaphern und strahlen dennoch eine unmittelbare Poesie aus. Sie vermitteln eingängige Botschaften und sind auch ohne literarische Vorbildung sofort zugänglich.

Besonders wirken jene Texte fort, die zeitlose menschliche Themen behandeln: das Streben nach Freiheit, Liebe, Glück und Enttäuschung. Sie sprechen noch heute viele Leser an und werden in Schulen als Unterrichtsstoff gelesen. Zu seinem Werk gehören auch politisch motivierte Gedichte. Darin wandte er sich gegen Militarismus, gegen die katholische Kirchenlehre und gegen bürgerliche Konventionen.


Rezeption↑

Ungewöhnlich für einen Lyriker war Prévert außerordentlich populär. Der Erfolg von Paroles machte ihn zu einem der einflussreichsten französischen Dichter der Jahrhundertmitte. Dass zahlreiche seiner Gedichte vertont und von bekannten Chansonniers gesungen wurden, trug seine Verse über die Leserschaft hinaus zu einem breiten Publikum.

Seine Wirkung reicht bis in die Gegenwart. Das Haus in der Normandie wurde als Museum „La Maison de Jacques Prévert“ eingerichtet, eine weitere Gedenkstätte mit fast gleichem Namen befindet sich in Dieppe. Auch sein Pariser Wohnhaus in Montmartre, direkt hinter dem Moulin Rouge, hat musealen Charakter. Als 2026 Abrisspläne bekannt wurden, reichten Bürger und Prominente eine Petition beim Staat ein, um diesen kulturellen Verlust zu verhindern.

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