1800 – 1849
France Prešeren
Kurzbiografie↑
Als slowenischer Nationaldichter gilt France Prešeren (1800–1849). Er schrieb Liebes- und Naturgedichte, ein großes historisches Epos und verfasste daneben auch deutschsprachige Verse. Sein Leben verlief unglücklich: beruflich ausgebremst, in der Liebe enttäuscht, vereinsamt und früh gestorben. Sein Nachruhm ist dagegen gewaltig. Ein Teil seines Gedichts Zdravljica bildet heute die slowenische Nationalhymne.
Biografie↑
Geboren wurde Prešeren am 3. Dezember 1800 in Vrba im damaligen Herzogtum Krain, als drittes von acht Kindern einer bäuerlichen Familie. Nach dem Schulbesuch in Reifnitz und Laibach ging er nach Wien, wo er von 1821 bis 1828 Rechtswissenschaften studierte. Dort begann er sich für die Dichtung zu interessieren. Am Klinkowströmschen Institut lernte er den Deutschkrainer Dichter Anton von Auersperg kennen, der unter dem Pseudonym Anastasius Grün schrieb. Ebenso begegnete er den slowenischen Gelehrten Jernej Kopitar und Matija Čop.
Nach der Promotion arbeitete er als Advokat. 1832 zog er nach Klagenfurt und legte dort am 26. Mai die Advokatenprüfung ab, bei der er fast durchgefallen wäre. Er hatte auch für den Angeklagten recherchiert. Diese Haltung beeinträchtigte seine gesamte weitere Laufbahn: Mehrmals bewarb er sich vergeblich um eine eigene Advokatur. Erst 1846 erhielt er sie in Krainburg (Kranj). In Klagenfurt trat er mit dem Kärntner slowenischen Schriftsteller Urban Jarnik in Verbindung, den er in Moosburg besuchte, sowie mit dem Spiritual Anton Martin Slomšek.
Von 1828 bis 1846 lebte Prešeren in Laibach (Ljubljana), wo er als Angestellter einer Rechtsanwaltskanzlei arbeitete. Dort fand er nur wenig Anklang und vereinsamte. Seine große Liebe Julija Primic wollte von ihm nichts wissen, obwohl ein Teil der Ausgabe seiner Poezije mit einem Akrostichon ihren Namen trug. 1839 lernte er in ihrem Haus die Arbeiterin Ana Jelovšek kennen, die ihm drei Kinder gebar, ihn dann aber verließ. Vereinsamt starb er am 8. Februar 1849 an Leberzirrhose.
Zu seinen Werken zählen Liebes- und Naturlyrik sowie das große historische Epos Die Taufe an der Savica. 1847 erschien sein Hauptwerk Poezije. Mit seinen deutschen Gedichten und Sonetten gehört Prešeren auch zur deutschsprachigen Literatur; sein wichtigstes deutschsprachiges Werk ist Das große Tor, in dem er seine Verbundenheit zu Ljubljana ausdrückte.
Literarische Merkmale↑
Seine Dichtung umfasst vor allem Liebes- und Naturlyrik. Daneben schuf er mit Die Taufe an der Savica ein großes historisches Epos. Prešeren arbeitete in strengen Formen wie dem Sonett; ein Teil seiner Poezije war so gebaut, dass die Anfangsbuchstaben der Verse den Namen seiner Angebeteten ergaben. Er schrieb sowohl slowenisch als auch deutsch und gehört mit seinen deutschsprachigen Gedichten und Sonetten zugleich zur deutschsprachigen Literatur.
Rezeption↑
Zu Lebzeiten fand Prešeren in Laibach nur wenig Anklang. Heute jedoch gilt er als slowenischer Nationaldichter. Ein Teil seines Gedichts Zdravljica ist die slowenische Nationalhymne, und sein Bildnis ziert die Rückseite der slowenischen 2-Euro-Münze.
Sein Name ist im öffentlichen Leben Sloweniens fest verankert. Nach ihm benannt sind der Hauptplatz von Ljubljana, der Prešerenplatz, sowie 1939 das Prešeren-Haus, sein Geburtshaus in Vrba. Seit 1947 verleiht das slowenische Kulturministerium jährlich den Großen Prešeren-Preis an ein oder zwei Künstler; die Prešeren-Stiftung vergibt zusätzlich einen eigenen Preis an bis zu sechs Künstler.
Auch im deutschsprachigen Raum wurde sein Werk früh vermittelt. Bereits 1880 erschienen die von Edward Samhaber übertragenen Presirenklänge, 1901 folgte ein Sonettenkranz in der Übersetzung von Anton Frutek. Weitere Ausgaben und Studien erschienen bis ins 20. und 21. Jahrhundert, darunter Boris Paternus Darstellung France Prešeren. Ein slowenischer Dichter, 1800–1849 von 1994.
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