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Properz
Kurzporträt↑
Zu den Vertretern der römischen Liebeselegie zählt Sextus Aurelius Propertius, im Deutschen Properz genannt. Gemeinsam mit Cornelius Gallus, Tibull und Ovid prägte er diese Gattung. Sie erlebte in der zweiten Hälfte des ersten Jahrhunderts v. Chr. ihre kurze Blüte. Geboren wurde er vermutlich um 47 v. Chr. in Assisi. Gestorben ist er spätestens vor 2 v. Chr. Überliefert sind von ihm ausschließlich Elegien, gesammelt in vier Büchern. In deren Mittelpunkt steht zunächst die Liebe zu einer Frau, die er Cynthia nennt. Sein Erstlingswerk erregte solche Aufmerksamkeit, dass er in den Dichterkreis um Maecenas aufgenommen wurde.
Biografie↑
Über die Lebensdaten des Properz ist wenig gesichert. Sein Geburtsdatum ist nicht überliefert. Das Entstehungsdatum seiner ersten Werke und seine Aufnahme in den Kreis des Maecenas sprechen dafür, dass er etwa 47 v. Chr. geboren wurde. Die hier herangezogenen Quellen widersprechen einander: Wikidata gibt das Geburtsjahr mit 47 v. Chr. an, die Deutsche Nationalbibliothek nennt das Jahr 50 v. Chr. Als Geburtsort gilt Assisi.
Vermutlich gehörte seine Familie dem Ritterstand an und verfügte über Landbesitz. Das mag ein Grund dafür sein, dass Properz sich bereits in jungen Jahren das Dichten leisten konnte. Wie später auch Tibull und Ovid verzichtete er auf die politische Ämterlaufbahn. Im Jahr 41 v. Chr. verlor er einen Teil seines Landbesitzes durch die Landverteilungen und Enteignungen der Triumvirn.
Properz schrieb Elegien. Diese Lieder gingen aus Grabepigrammen hervor und standen im Versmaß des Distichons. Sie behandelten vorzüglich Themen wie Liebe, Schmerz und Zurückweisung. Um die Mitte des ersten Jahrhunderts v. Chr. waren sie nach dem Vorbild des Dichters Catull zu einer neuen Gattung römischer Dichtung geworden. In dieser Gattung versuchten sich viele jüngere Adlige. Cicero nannte diese Dichter abfällig Neoteroi – griechisch für „die Neueren" – und lateinisch poetae novi. Daraus entstand die Gattungsbezeichnung Neoteriker. Sie wandten sich mit ihren Gedichten bewusst vom politischen und militärischen Geschehen ihrer Zeit ab und flüchteten sich in private Traumwelten und Liebesabenteuer. Vor allem waren sie experimentierfreudig in der Gestaltung dichterischer Kleinformen. Dieselbe Lust am Experiment zeigte der junge Properz in seinem ersten Elegienbuch. Aufbauend auf dem Epigramm erweiterte er mit großem Einfallsreichtum die Motive der alten Dichtungsgattung. Das Erstlingswerk erregte so viel Aufmerksamkeit, dass er in den Kreis des Maecenas aufgenommen wurde.
Auch das Todesdatum des Properz ist nicht überliefert. Sein Name wird in einem Dichterkatalog in Ovids Remedia amoris erwähnt. Daher dürfte er vor dem Jahr 2 v. Chr. gestorben sein, denn eine solche Erwähnung setzte nach antiker Praxis den Tod des Dichters voraus. Auch hier weichen die Quellen voneinander ab: Wikidata gibt 16 v. Chr. an, die Deutsche Nationalbibliothek 15 v. Chr. Als Sterbeort wird Rom genannt.
Literarische Merkmale↑
Erhalten sind von Properz ausschließlich Elegien, verteilt auf vier Bücher. Das erste wird auch Monobiblos genannt und wurde vermutlich vor 28 v. Chr. veröffentlicht. In seinen 22 Elegien geht es vor allem um die Liebe des elegischen Ichs zu einem Mädchen namens Cynthia. Schon in der ersten Elegie erscheint Cynthia als Herrin, die den armen Liebenden mit ihren lieblichen Augen gefangen genommen hat. Hinter dem Pseudonym Cynthia soll sich nach Apuleius eine gewisse Hostia verbergen.
Cynthia ist auch die Hauptperson des zweiten Buches. Es erschien kurz nach dem Tod des Gallus, etwa 26 v. Chr. Mit seinen 35 Elegien ist es das längste Buch. Doch die Grenzen der überlieferten Gedichte sind strittig, denn es gibt Einteilungen zwischen 34 und 49 Elegien. Das Dichten selbst wird hier stärker zum Thema als im ersten Buch.
Das dritte Buch wurde um 23 v. Chr. veröffentlicht. Im ersten Gedicht stellt sich das Werk ausdrücklich in die Nachfolge der hellenistischen Dichter Kallimachos und Philetas. Cynthia steht nur noch in fünf Elegien im Mittelpunkt. Häufig greift Properz auf die recusatio zurück, die entschuldigende Zurückweisung. Er lehnt es ab, ein preisendes Epos auf Augustus zu verfassen, und wählt stattdessen die kleinere Gattung der Liebeselegie. Wie die einzelnen recusationes zu deuten sind, ist in der Forschung umstritten. Heute versteht man sie meist als raffinierte Form der praeteritio, des „Übergehens". Dabei wird der Gegenstand genannt, dann aber kunstvoll übergangen und damit indirekt doch gewürdigt.
Das vierte und letzte Buch aus elf Elegien erschien etwa 16 v. Chr. Hier wechseln sich erotische und aitiologische Elegien ab, letztere mit Ursprungssagen zu Bräuchen oder Namen. Nur noch zwei Gedichte sind an Cynthia gerichtet: In Elegie 7 erscheint die verstorbene Cynthia dem Dichter als Gespenst im Schlaf, in Elegie 8 ist sie wieder lebendig. Der deutsche Altphilologe Peter Habermehl deutet beide Gedichte als aufeinander bezogenes Diptychon, in dem Moll und Dur einander gegenüberstehen. Die Elegie 6 auf die Seeschlacht bei Actium bildet den Mittelpunkt des Buches. Die abschließende Elegie ist eine Rede der verstorbenen Cornelia. Im vierten Buch präsentiert sich Properz so als augusteischer Dichter. Er behandelt nicht mehr nur die Liebe, sondern auch historische und mythologische Stoffe.
Rezeption↑
Bereits zu Lebzeiten fand Properz Anerkennung, denn sein erstes Buch trug ihm den Eintritt in den Dichterkreis des Maecenas ein. Ovid führte ihn in einem Dichterkatalog in den Remedia amoris auf. Das zeigt, dass er als fester Bestandteil der römischen Liebeselegie galt. Apuleius beschäftigte sich später mit der Frage, wer sich hinter dem Pseudonym Cynthia verberge, und nannte den Namen Hostia.
In der neueren Forschung wird betont, dass das elegische Ich nicht mit der Person des Dichters gleichgesetzt werden darf. Vielmehr handele es sich bei seinen Elegien um Rollengedichte. Auch einzelne Verfahren seiner Dichtung, etwa die recusatio, sind Gegenstand anhaltender Deutungsdiskussionen.
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