1844
Zdravljica
Überblick↑
Das Gedicht Zdravljica von France Prešeren gehört zu den bekanntesten Werken der slowenischen Literatur. Der Titel bedeutet so viel wie „Ein Trinkspruch“ oder „Ich erhebe mein Glas“. Prešeren schrieb es 1844 und überarbeitete es 1846. Es gilt als Zeugnis der slowenischen Romantik, und Prešeren wird als einer ihrer wichtigsten Vertreter angesehen. Zugleich hat er mit seinem Werk die slowenische Sprache geprägt und ihr eine literarische Grundlage gegeben.
Die siebte Strophe des Gedichts bildet heute die Nationalhymne Sloweniens. Die Melodie dazu komponierte 1905 der slowenische Komponist Stanko Premrl. Im März 2020 zeichnete die Europäische Kommission das Werk mit dem Europäischen Kulturerbe-Siegel aus.
Inhalt (ohne Spoiler)↑
Bei dem Werk handelt es sich nicht um eine Erzählung, sondern um ein Gedicht in Form eines Trinkspruchs. Wie schon der Titel andeutet, erhebt der Sprecher das Glas und bringt einen Toast aus. Das Gedicht ist von den Idealen der Französischen Revolution durchzogen: Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit.
Der Toast gilt der Sehnsucht nach Freiheit – für den einzelnen Menschen ebenso wie für das eigene Volk und für alle Nationen. Anders als viele andere europäische Hymnen schlägt Zdravljica einen betont zuversichtlichen Ton an. Die Botschaft reicht über das rein Nationale hinaus und mündet in ein Lob des friedlichen Miteinanders. Eine formale Besonderheit macht das Gedicht auf den ersten Blick unverwechselbar – sie sei hier noch nicht verraten.
Die Handlung im Detail↑
Das Werk Zdravljica ist ein Gedicht aus acht Strophen. Seine auffälligste Eigenheit ist die äußere Form: Jede Strophe ist im Schriftbild wie ein Weinglas gestaltet, sodass das Gedicht die Gestalt einer Reihe von Trinkgläsern annimmt. Damit spiegelt schon die Form den Inhalt – den Trinkspruch – wider.
Inhaltlich folgt das Gedicht den Idealen der Französischen Revolution von Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit. Es ist ein Toast, der die Sehnsucht nach Freiheit besingt, und zwar auf mehreren Ebenen zugleich: für den einzelnen Menschen, für die eigene Nation und für das Verhältnis der Völker untereinander. Der Höhepunkt liegt in der siebten Strophe. Sie preist Frieden, Duldsamkeit und die Zusammenarbeit zwischen den Nationen und hebt sich damit vom bloßen Nationalismus ab. Gerade diese Strophe ist es, die heute allein in der Nationalhymne gesungen wird.
Die Entstehungs- und Wirkungsgeschichte ist bewegt. Prešeren schrieb das Gedicht 1844. Wegen seiner panslawischen Botschaften wurde es zunächst von den österreichischen Behörden zensiert. Erst nach dem Beginn der Revolutionen von 1848 konnte es veröffentlicht werden. In den 1860er Jahren vertonten Benjamin Ipavec und Davorin Jenko den Text zum ersten Mal, doch ihre Fassungen fanden beim Publikum keinen Anklang. 1905 schrieb Stanko Premrl eine Fassung für Chorgesang zu Prešerens Worten. Sie wurde 1917 erstmals aufgeführt und wurde sogleich ein Erfolg.
Den Weg zur Hymne beschritt das Werk erst im 20. Jahrhundert. Im September 1989 wurde es zur Hymne der Sozialistischen Republik Slowenien bestimmt – kurz vor der Unabhängigkeit des Landes im Zuge des Zerfalls Jugoslawiens. Es löste damit das Lied Naprej zastava slave ab, ein seit 1918 verwendetes militärisches Lied, das heute die Hymne der slowenischen Streitkräfte ist. Nach der Unabhängigkeit 1991 bestätigte die Verfassung des Landes die Stellung des Werks als Nationalhymne. Ein Gesetz über die nationalen Symbole legte 1994 fest, dass die Hymne aus der Melodie und allein der siebten Strophe bestehen solle. Diese Beschränkung ist nicht unumstritten: Manche sehen darin einen Widerspruch zur Verfassung, die das Gedicht nur mit seinem Namen nennt, und meinen, das Verfassungsgericht müsse entscheiden, ob der Hymnentext den ganzen Text oder nur die siebte Strophe umfasse.
Stil↑
Prägend für das Werk ist seine ungewöhnliche äußere Gestalt. Die acht Strophen sind im Druckbild jeweils wie ein Weinglas geformt, sodass die Form unmittelbar an den Trinkspruch erinnert, den das Gedicht ausspricht. Diese Verbindung von Bild und Bedeutung macht das Gedicht auf einen Blick erkennbar.
Sprachlich steht das Werk in der Tradition der Romantik. Prešeren gab mit seiner Dichtung der slowenischen Sprache eine literarische Grundlage und trug wesentlich zu ihrer Entwicklung bei. Der Grundton ist ausgesprochen zuversichtlich und hebt sich damit von der oft feierlich-ernsten Haltung anderer europäischer Hymnen ab.
Rezeption↑
Schon seine Entstehung war von Widerstand begleitet: Die österreichischen Behörden hielten das Gedicht wegen seiner panslawischen Botschaften zunächst zurück. Erst die Ereignisse von 1848 machten den Weg zur Veröffentlichung frei. Auch die frühen Vertonungen der 1860er Jahre fanden kein Echo beim Publikum. Der Durchbruch gelang erst mit der Chorfassung von 1905, die nach ihrer Aufführung 1917 rasch beliebt wurde.
Die spätere Wirkung reicht weit über das literarische Feld hinaus. Das Gedicht wurde zum Symbol der slowenischen Nation und schließlich zur Nationalhymne. Im März 2020 verlieh die Europäische Kommission dem Werk das Europäische Kulturerbe-Siegel. Damit ist es weit über die Grenzen Sloweniens hinaus als Teil des gemeinsamen europäischen Erbes anerkannt.
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