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Das Lexikon der klassischen Literatur
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Werkseintrag · Zaïre
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Cover Zaïre
Zaïre
1733
– Werkseintrag –

Zaïre

1733 · Tragödie

Im Jerusalem der Kreuzzüge liebt ein muslimischer Sultan eine christlich geborene Sklavin – bis ein abgefangener Brief und die rasende Eifersucht alles zu zerstören drohen.

Überblick

Mit der Tragödie Zaïre gelang Voltaire einer seiner größten Bühnenerfolge. Nach seinem eigenen Vorwort schrieb er das Stück im Sommer 1732 in nur 22 Tagen. Schon am 13. August 1732 wurde es in Paris uraufgeführt. Das Trauerspiel in fünf Aufzügen spielt in Jerusalem und stellt eine Liebe zwischen einem muslimischen Herrscher und einer christlich geborenen Sklavin in den Mittelpunkt. Die Verbindung von rasender Eifersucht und der Frage nach dem Einfluss der Religionen traf den Geschmack des Publikums. Das Werk blieb auf dem Spielplan und wurde erst 1931 von der Comédie-Française abgesetzt.

Inhalt (ohne Spoiler)

Der Schauplatz ist Jerusalem, viele Jahre nach der Rückeroberung der Stadt durch Saladin. Im Palast des Sultans Orosmane lebt die junge Zaïre. Sie ist Sklavin und zugleich die Braut des Herrschers, der sie aufrichtig liebt und den sie ebenso liebt. Zaïre wurde im islamischen Glauben erzogen, obwohl sie als Kind in einer christlichen Familie zur Welt kam. Über ihre wahre Herkunft weiß sie selbst nichts Genaues.

In diese Lage tritt Nérestan, ein gefangener französischer Ritter. Er erhält die Erlaubnis, eine Anzahl christlicher Gefangener freizukaufen, unter ihnen auch Zaïre. Doch der Sultan behält zwei Menschen zurück: Zaïre selbst und einen greisen Christen, der seit vielen Jahren im Kerker sitzt. Als dieser alte Mann freigelassen wird, beginnt sich das Geheimnis um Zaïres Abstammung zu lüften. Zwischen der Treue zu ihrem Glauben, der Liebe zu Orosmane und neuen Bindungen, die plötzlich aufbrechen, gerät die junge Frau in einen Zwiespalt, der sie zu zerreißen droht. Das Stück führt diesen Widerstreit der Gefühle und Überzeugungen Schritt für Schritt einer Zuspitzung entgegen.

Die Handlung im Detail

Die frei erfundene Handlung spielt in Jerusalem, 24 Jahre nach der Rückeroberung der Stadt durch Saladin. Schauplatz ist der Serail von dessen Sohn und Nachfolger, Sultan Orosmane. Dessen Braut und Sklavin Zaïre ist eigentlich eine ungetaufte Christin, die jedoch im islamischen Glauben erzogen wurde. Orosmane liebt sie, und auch Zaïre erwidert seine Liebe.

Der gefangene französische Ritter Nérestan erhält Geld, um zehn gefangene Christen freizukaufen, darunter Zaïre. Orosmane zeigt sich großzügig und gibt sogar hundert christliche Ritter heraus. Zwei Gefangene aber behält er zurück: Zaïre und den seit 24 Jahren eingekerkerten Lusignan. Dieser greise Lusignan ist der ehemalige christliche König von Jerusalem. Aus der Haft entlassen, erkennt er in Zaïre und Nérestan seine verloren geglaubten Kinder. Er offenbart sich den beiden und drängt Zaïre, sich zum christlichen Glauben ihrer Vorfahren zu bekennen. Nérestan soll seine Schwester bei einer nächtlichen Zusammenkunft heimlich taufen.

Zaïre, hin- und hergerissen zwischen ihrem neu entdeckten Glauben und ihrer Liebe zu Orosmane, willigt in das geheime Treffen ein. Orosmane jedoch fängt den Brief ab, mit dem die Geschwister ihre Verabredung treffen. Er kennt das verwandtschaftliche Verhältnis nicht und deutet die nächtliche Zusammenkunft als Verrat und Untreue. Von rasender Eifersucht überwältigt, tötet er die unschuldige Zaïre, die ihn liebt. Erst danach klärt Nérestan ihn über die wahren Zusammenhänge auf. Über der Leiche Zaïres erkennt Orosmane sein furchtbares Unrecht und gibt sich aus Verzweiflung selbst den Tod.

Stil

Das Werk ist als klassische Tragödie in fünf Aufzügen angelegt. Liebe, Glaubenstreue und Eifersucht stoßen aufeinander und treiben rasch auf die Katastrophe zu.

Ein Vergleich mit Shakespeares Othello lag manchen früheren Betrachtern nahe. Gemeinsam ist beiden Werken aber allein das Thema der rasenden Eifersucht, die einen liebenden Mann zum Mörder der Unschuldigen macht. Im Druck der Zaïre führte Voltaire zudem eine Neuerung der französischen Schreibung ein: Die Wortendung „ois" (wie in „anglois") wurde zu „ais" (wie in „anglais") abgeändert.

Rezeption

Schon die Pariser Uraufführung wurde zu einem großen Erfolg. Im Anschluss an die vierte Aufführung brachte man dem Autor eine Ovation dar. Das Thema vom unseligen, fanatischen Einfluss der Religionen und der dramatische Rhythmus des Stücks trafen den Zeitgeist. In der ersten Spielzeit erlebte das Werk 31 Aufführungen. Mit insgesamt 485 Aufführungen wurde es zum meistgespielten Bühnenwerk Voltaires und blieb bis 1931 auf dem festen Spielplan der Comédie-Française.

Übersetzungen ins Englische, Italienische, Niederländische und Deutsche machten das Stück zu einem europäischen Erfolg. Die englische Fassung The Tragedy of Zara wurde 1736 von Aaron Hill besorgt. Der Stoff fand auch auf der Opernbühne großen Widerhall: In dreizehn Opern wurde er vertont, darunter Zaira von Vincenzo Bellini aus dem Jahr 1829. Johann Andreas Schachtner verfasste ein Libretto für Mozarts unvollendet gebliebene Oper Zaïde, die in Handlung und Figuren deutliche Parallelen zu Zaïre aufweist. Im Jahr 1874 gelang Sarah Bernhardt in der Titelrolle ein vielbeachteter Bühnenerfolg.

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