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Das Lexikon der klassischen Literatur
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Porträt Alexander Pope
Alexander Pope
1688 – 1744
– Autorenporträt –

Alexander Pope

1688 – 1744 · 56 Jahre

Einer der bekanntesten englischen Dichter des 18. Jahrhunderts – Meister des geschliffenen Reimpaars, gefeierter Homer-Übersetzer und gefürchteter Satiriker.

Kurzbiografie↑

Zu den bekanntesten englischen Dichtern des 18. Jahrhunderts zählt Alexander Pope, geboren 1688 in London und gestorben 1744 in Twickenham. Er gilt als Dichter, Übersetzer und Schriftsteller des Klassizismus in der Frühzeit der Aufklärung. Bekannt wurde er durch geschliffene Verse, seine vielgelesenen Homer-Übersetzungen und scharfe Satiren. Er war einer der ersten Schriftsteller, die allein von nicht-dramatischen Werken leben konnten. Während seine Dichtung im 19. Jahrhundert aus romantischer Sicht wenig galt, wurde sie im 20. Jahrhundert wieder angemessen gewürdigt.


Biografie↑

Geboren wurde Alexander Pope am 21. Mai 1688 in London als Sohn eines Leinenhändlers. Seine Familie war katholisch. Wegen der Strafgesetze, die damals den Status der anglikanischen Kirche schützen sollten, konnte Pope kaum die üblichen Schulen besuchen. Ein befreundeter Priester unterrichtete ihn in den klassischen Sprachen Latein und Griechisch; später lernte er auch Französisch und Italienisch. Vom fünfzehnten Lebensjahr an schrieb er eigene Gedichte.

Im Jahr 1700 zog die Familie nach Binfield im Windsor Forest. Pope erkrankte an Tuberkulose und Asthma und bekam in der Folge eine Rückgratverkrümmung, was ihm später oft vorgehalten wurde. Er wurde nur 1,38 Meter groß und trug ein Mieder als Rückenstütze.

Nach seiner Rückkehr nach London veröffentlichte Pope 1711 sein erstes größeres Werk, den Vers-Essay An Essay on Criticism. Mit diesem literaturkritischen Manifest gelang ihm ein erster Durchbruch, und er fand Zutritt zu literarischen Zirkeln, zunächst aus der oppositionellen Whig-Partei. 1713 wechselte er zu den Tories und wurde Mitglied im Scriblerus Club. Dort lernte er Jonathan Swift, John Gay, William Congreve und Robert Harley kennen. Schon im Jahr zuvor hatte er eine erste Fassung von The Rape of the Lock herausgegeben, einem komischen Epos über den Krieg der Geschlechter, das seine Popularität weiter steigerte. Wie in seinen anderen Epen zeigte Pope hier seine kunstvolle Beherrschung der klassischen epischen Form, ohne deren mythisch-heroische Weltsicht zu teilen.

Pope bewunderte klassische Autoren wie Horaz, Vergil und Homer und wählte sie als Vorbilder. Zu seinen großen Leistungen zählen die englischen Übersetzungen der Ilias (1715–1720, sechs Bände) und der Odyssee Homers (1725–1726, fünf Bände). Diese Übertragungen waren sprachlich eher Umdichtungen als werkgetreue Übersetzungen. Pope verwandelte die raue, kraftvolle Sprache Homers in eine elegante, dem zeitgenössischen Geschmack angepasste Form, um den antiken Dichter den gebildeten Schichten Englands näherzubringen. Mit den Einnahmen aus diesen finanziell sehr erfolgreichen Übersetzungen zog er nach Twickenham.

In Twickenham widmete sich Pope auch dem Gartenbau und der Landschaftsarchitektur. Er ließ sich eine künstliche Grotte anlegen; der Antiquar und Naturforscher William Borlase, mit dem er lange korrespondierte, lieferte dafür Fossilien und Mineralien. Pope freundete sich mit seiner Nachbarin Lady Mary Wortley Montagu an. Nach dem Abkühlen dieser Beziehung begann er ein lebenslanges Verhältnis mit Martha Blount, die er oft in ihrem Elternhaus Mapledurham House besuchte. In Twickenham empfing er viele namhafte Besucher, darunter Jonathan Swift, dem er bei der Veröffentlichung von Gullivers Reisen half.

Als Popes Edition der Werke Shakespeares 1726 von dem Herausgeber Lewis Theobald angegriffen wurde, antwortete er 1728 in Versform mit dem Spottepos The Dunciad. Darin setzte er Theobald satirisch auf den Thron der Dummköpfe und rechnete mit der Grub Street ab, der Zunft der Lohnschreiber. In der späteren, endgültigen Fassung von 1742–1743 weitete er die Polemik zu einer Auseinandersetzung mit dem kulturellen und politischen Verfall der Walpole-Ära aus, die mit der Vision eines allumfassenden Untergangs schloss. Mit geschliffenen Versen und Einfallsreichtum machte Pope sich als Satiriker einen Namen und wurde zu einer Art öffentlicher Instanz.

Im Jahr 1731 veröffentlichte er die Moral Essays, drei Jahre später An Essay on Man. Zugleich arbeitete er an einer kunstvollen Ausgabe seiner Briefwechsel. Pope schloss sich den Freimaurern an und wurde Mitglied der Lodge No. 16, die sich in einer Londoner Taverne traf. In seinen letzten Jahren entwarf Pope auf seinem Anwesen eine Grotte, einen mit Muscheln und Spiegeln verzierten Tunnel, der das Flussufer mit dem hinteren Gartenteil verband.

Pope starb am 30. Mai 1744 in Twickenham. Seine Hinterlassenschaft fiel an Martha Blount. William Warburton gab 1751 posthum die gesammelten Werke unter dem Titel The Works of Alexander Pope heraus.


Literarische Merkmale↑

Kennzeichnend für Popes Dichtung sind geschliffene Verse, Einfallsreichtum und die kunstvolle Beherrschung der klassischen epischen Form. Er orientierte sich an antiken Vorbildern wie Horaz, Vergil und Homer, ohne deren mythisch-heroische Weltsicht zu übernehmen. Das traditionelle Epos übertrug er mit Erfolg in eine zeitgemäße Form. Bei seinen Homer-Übersetzungen verwandelte er die raue, kraftvolle Sprache des antiken Dichters in eine elegante, dem Geschmack seiner Zeit entsprechende Ausdrucksweise; dabei entstanden eher Umdichtungen als werkgetreue Übertragungen.

Pope war der letzte große Dichter, der in traditionellen Reimpaaren schrieb. Er entwickelte die sogenannten heroic couplets und nutzte deren Möglichkeiten weitgehend aus. Berühmt wurde er auch für seine hintergründig-satirischen und aggressiv-bitteren Auseinandersetzungen mit anderen Schriftstellern. In An Essay on Man besingt er in der Nachfolge griechischer Philosophie und Dichtung Glanz und Elend des menschlichen Daseins mit hohem Pathos und stellenweise ergreifenden Versen.


Rezeption↑

Als einer der ersten Berufsschriftsteller nicht-dramatischer Werke nahm Pope eine besondere Stellung ein. Die 1717 erschienene Ausgabe seiner gesammelten Werke machte ihn zum führenden Vertreter der Briefdichtung. Sein bis heute meistgelesenes und vielfach zitiertes Werk ist An Essay on Man. Seine Dichtung spiegelt zugleich die Kulturgeschichte seines Landes wider: pastorale Gedichte zur Zeit von Königin Anne, Homer-Übersetzungen unter König Georg I. und später Werke über die religiösen und intellektuellen Fragen seiner Zeit.

Aus heutiger Sicht gilt Pope allgemein als einer der bedeutendsten englischen Dichter des 18. Jahrhunderts. Im 19. Jahrhundert jedoch wurde sein Werk aus dem Blickwinkel einer romantischen Literaturauffassung weitgehend verkannt und erst im 20. Jahrhundert wieder angemessen gewürdigt. Ein später Nachhall findet sich bei Jorge Luis Borges: Seine Erzählung Der Unsterbliche beginnt mit dem Erwerb eines antiquarischen Exemplars der Erstausgabe von Popes Homer-Übersetzung.

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