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Autoreneintrag · Henrik Pontoppidan
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Porträt Henrik Pontoppidan
Henrik Pontoppidan
1857 – 1943
– Autorenporträt –

Henrik Pontoppidan

1857 – 1943 · 86 Jahre

Dänischer Erzähler des Naturalismus, der in <i class="werktitel">Hans im Glück</i> das Leben seiner Zeit einfing – 1917 mit dem Nobelpreis für Literatur geehrt.

Kurzporträt

Henrik Pontoppidan (1857–1943) war ein dänischer Schriftsteller, der vor allem als Erzähler hervortrat. Zwischen 1898 und 1904 erschien sein Roman Hans im Glück zunächst in acht Bänden. Damit schuf er eines der umfangreichsten und bedeutendsten Werke der dänischen Literatur. 1917 wurde ihm der Nobelpreis für Literatur zuerkannt, den er sich mit Karl Gjellerup teilte. Pontoppidan gilt als bedeutender Vertreter des Naturalismus in Dänemark. Sein Schreiben verband eine schlichte, klare Sprache mit Ironie und einem wachen Blick für die Widersprüche seiner Zeit.


Biografie

Geboren wurde Henrik Pontoppidan am 24. Juli 1857 in Fredericia. Er stammte aus einem grundtvigianischen Pastorenhaus. Seine Kindheit verbrachte er überwiegend in dem ostjütländischen Hafenstädtchen Randers bei Aarhus. Dieser Ort findet sich, verschlüsselt, auch in seinem Hauptwerk Hans im Glück wieder. Ähnlich wie der Held dieses Romans nahm Pontoppidan am Kopenhagener Polytechnikum ein Ingenieursstudium auf. Es schloss er jedoch nicht ab.

Seinen Lebensunterhalt verdiente er zunächst als Heimvolkshochschullehrer und als Journalist. Sein Debüt als Erzähler gab er 1881 in dem illustrierten Wochenblatt Ude og Hjemme. Im selben Jahr heiratete er Mette Marie Hansen (1855–1937), mit der er drei Kinder hatte. Er bereiste Deutschland, Österreich und die Schweiz. 1884 kam es zu seiner ersten persönlichen Begegnung mit dem antiklerikalen Philosophen und Literaturkritiker Georg Brandes, der ihn stark beeinflusste. In Hans im Glück hat Pontoppidan diesem Brandes in der Figur des Dr. Nathan ein sympathisches und eindrucksvolles Porträt gesetzt.

Pontoppidan zog in seinem Leben häufig um und wohnte mal ländlich, mal in Kopenhagen. Der dänische Staat gewährte ihm zumindest streckenweise Zuschüsse zum Lebensunterhalt. 1892 wurde seine Ehe mit Mette geschieden. Im selben Jahr heiratete er Antoinette Kofoed (1862–1928), mit der er zwei Kinder hatte. Es folgten Reisen nach Italien, Dresden und Norwegen sowie zahlreiche Buchveröffentlichungen.

1917 wurde Pontoppidan der Nobelpreis für Literatur verliehen. Die Begründung nannte seine anschaulichen Schilderungen des zeitgenössischen Lebens in Dänemark. Den Preis teilte er sich mit Karl Gjellerup. 1927 gewährte ihm der dänische Staat eine Ehrengabe. 1937 rief der Dänische Schriftstellerverband den Henrik Pontoppidan Gedächtnisfonds ins Leben. Bereits um 1927 ertaubte und erblindete er zunehmend.

Das Alter hinderte Pontoppidan nicht daran, das Zeitgeschehen zu verfolgen. Es stimmte ihn aber unverkennbar düsterer. Peter Urban-Halle zitiert den betagten Schriftsteller mit den Worten, das Leben müsse erlitten werden, man bevölkere das Land nicht allein um der Freude willen. Damit, so Urban-Halle, greife Pontoppidan fast wieder pietistisches Gedankengut auf. Er sei ein Mann der Gegensätze gewesen, was ihn ein wenig zerrissen erscheinen lasse, sein Werk aber zugleich umfassender mache. Obwohl am Ende seines Lebens Resignation und Pessimismus überwogen, blieb er stets ein politischer Schriftsteller. Henrik Pontoppidan starb am 21. August 1943 während des Zweiten Weltkrieges im Alter von 86 Jahren in Kopenhagen.


Literarische Merkmale

Kennzeichnend für Pontoppidans Schreiben ist eine schlichte und klare Sprache. Sie war jedoch nicht ohne Ironie und Hintergründigkeit. Mit Blick auf Hans im Glück nennt Erhard Schütz diese unprätentiöse Sprache sogar „sacht veraltet". Sie hat eine eigene Behutsamkeit: Pontoppidan vermeidet es, über seine „Helden" mehr als mit Samthandschuhen zu richten. Damit löste er ein eigenes Selbstverständnis ein. Er hatte es in einer Vorbemerkung zu seiner Novelle Sturmlied von 1896 formuliert und diese mit einem Hieb auf die allgegenwärtigen Lebensphilosophen und -priester eröffnet. Der Roman war für ihn ein totales Gebilde, das sämtliche Strömungen der Zeit und der Gesellschaft in sich aufnehmen sollte.


Rezeption

Als bedeutender Vertreter des Naturalismus in Dänemark fand Pontoppidan auch über die Grenzen seiner Heimat hinaus Beachtung. Denker wie Georg Lukács, Ernst Bloch und Jean Améry schätzten ihn hoch und zogen ihn in ihren Betrachtungen heran. Neben der Liebe kreiste sein Werk vor allem um den Gegensatz von Kultur und Natur und damit auch um das Verhältnis von Stadt und Land. Auf der einen Seite begrüßte er den um 1900 vielgepriesenen „Fortschritt". Auf der anderen erfüllten ihn dessen gleichmacherische, zerstörerische und gleichgültig machende Züge mit Sorge. Es war zugleich die Epoche eines Zynismus, der sich prägnant im Siegeszug der Presse und ganz allgemein des Geldes zeigte. Georg Simmel beschrieb dieses Phänomen in derselben Zeit. Von politischen Parteien hielt sich Pontoppidan fern. Was sein dänisches Vaterland anging, war er Patriot.

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