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Plautus
Kurzporträt↑
Zu den ersten und produktivsten Komödiendichtern des alten Rom zählt Titus Maccius Plautus. Er lebte um die Wende vom 3. zum 2. Jahrhundert v. Chr. Seine Lustspiele waren beim römischen Publikum sehr beliebt und sicherten ihm rasch Erfolg. Über sein Leben ist wenig Gesichertes überliefert. Vieles, was die antiken Lebensbeschreibungen berichten, lässt sich nicht mehr nachprüfen. Sein Werk wirkte über die Jahrhunderte fort. Es lieferte späteren Dramatikern von William Shakespeare bis Heinrich von Kleist den Stoff für eigene Stücke.
Biografie↑
Geboren wurde Plautus im kleinen apenninischen Bergdorf Sassina, dem heutigen Sarsina in der Romagna. Über das genaue Geburtsjahr sind sich die Quellen nicht einig. Wikipedia und die Deutsche Nationalbibliothek setzen das Jahr um 254 v. Chr. an, Wikidata nennt das Jahr 250 v. Chr. Auch das Todesjahr wird leicht unterschiedlich angegeben, läuft aber in allen Quellen auf etwa 184 v. Chr. hinaus.
Über seinen Werdegang berichten antike Lebensbeschreibungen mancherlei. Heute lässt sich nicht mehr feststellen, wie viel davon wahr ist. Demnach schloss sich Plautus als Jugendlicher einer der umherziehenden Theatertruppen an. Später wurde er römischer Soldat, dann Kaufmann. Bei diesem Handel soll er sein Geld verloren haben, sodass er sich als wandernder Handmüller durchschlagen musste. Bemerkenswert ist, dass Schiffbruch und Mühlenarbeit zugleich zentrale Motive in seinen Komödien sind. So bleibt offen, ob der Inhalt der Stücke wirklich autobiografisch geprägt ist. Vielleicht unterstellten die späteren Vitenschreiber dies nur und übertrugen Einzelheiten aus den Werken in das Leben des Dichters zurück.
Einigermaßen abgesichert ist allein eine Anekdote. Sie geht auf den großen Gelehrten Varro aus der ersten Hälfte des 1. Jahrhunderts v. Chr. zurück und ist in den Noctes Atticae des Aulus Gellius überliefert. Etwa im Alter von 45 Jahren begann Plautus, Komödien zu schreiben. Diese Gattung war zu seiner Zeit sehr beliebt. Seine ersten Stücke, Addictus und Saturio, fanden rasch Anklang beim Publikum. So konnte er das Müllerdasein aufgeben und sich ganz dem Schreiben widmen. Plautus starb um 184 v. Chr.
Literarische Merkmale↑
Aus dem vorliegenden Material lässt sich über die Eigenart seines Schreibens vor allem eines ablesen: Schiffbruch und die Arbeit in der Mühle bildeten wiederkehrende Motive seiner Komödien. So tritt in einer seiner Komödien der schlaue Sklave Pseudolus auf. Er trickst herum, um dem Sohn seines Herrn zu seiner Liebe zu verhelfen. Seine Lustspiele griffen Stoffe auf, die in der griechischen Welt angesiedelt waren, etwa in Athen. Spätere Dramatiker griffen sie immer wieder auf.
Rezeption↑
Wiederentdeckt wurden die Werke des Plautus im 16. Jahrhundert durch den Humanismus. Besondere Bedeutung für diese frühe Rezeption haben die Ausgaben von Veit Werler, die in den 1510er Jahren entstanden. In der Folge dienten seine Komödien Dramatikern verschiedener Epochen als Vorlage für eigene Stücke. William Shakespeare lehnte sich in seinem Jugendwerk Die Komödie der Irrungen eng an das Stück Menaechmi an. Molière schöpfte aus Amphitruo für seinen Amphitryon. Nach dem Vorbild der Aulularia schrieb er sein Stück Der Geizige. Heinrich von Kleists Tragikomödie Amphitryon wiederum ist zunächst eine Übertragung von Molières Werk.
Besonders intensiv beschäftigten sich Gotthold Ephraim Lessing und Jakob Michael Reinhold Lenz mit dem altrömischen Dichter. Lessing studierte ihn gründlich, was seinen eigenen Dramenstil beeinflusste. Unmittelbar auf die Trinummus gestützt schuf er das Lustspiel Der Schatz. Die beiden unvollendeten Arbeiten Justin und Weiber sind Weiber waren Adaptionen der Komödien Pseudolus und Stichus. Die Captivi übersetzte Lessing ins Deutsche. Lenz, der Dichter des Sturm und Drang, bearbeitete vermutlich zwischen 1772 und 1774 fünf Komödien des Plautus und übertrug den alten Stoff auf die deutschen Verhältnisse seiner Zeit. Die von Goethe durchgesehenen Stücke erschienen 1774 unter dem Titel Fünf Lustspiele nach dem Plautus fürs deutsche Theater. Noch im 20. Jahrhundert wirkte der Stoff fort. Stephen Sondheim legte seinem 1962 erstmals aufgeführten Broadway-Musical Toll trieben es die alten Römer mehrere Komödien des Plautus zugrunde, darunter Pseudolus, Miles gloriosus und Mostellaria. Richard Lester verfilmte das Musical 1966.
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