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Das Lexikon der klassischen Literatur
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Werkseintrag · Miles Gloriosus
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Miles Gloriosus
– Werkseintrag –

Miles Gloriosus

· Komödie

In dieser römischen Posse prahlt ein aufgeblasener Söldnerführer mit Heldentaten, die er nie vollbracht hat, und wähnt sich von allen Frauen begehrt – während ein gewitzter Sklave im Hintergrund die Fäden zieht.

Überblick

Die possenhafte Komödie Miles gloriosus stammt vom römischen Dichter Titus Maccius Plautus. Sie wurde um 206 v. Chr. erstmals aufgeführt. Der lateinische Titel bedeutet so viel wie „der glorreiche" oder „der prahlerische Soldat". Wie viele römische Komödien geht das Stück auf ein griechisches Vorbild zurück: eine verlorene Komödie mit dem Titel Alazṓn, was „Großmaul" oder „Angeber" bedeutet. Plautus übertrug den Stoff ins Lateinische, vereinfachte ihn und erweiterte ihn zugleich. Im Mittelpunkt steht ein eitler Söldnerführer, der mit Heldentaten prahlt, die er nie vollbracht hat.

Inhalt (ohne Spoiler)

Schauplatz der Komödie ist die Stadt Ephesos. Dort lebt der Söldnerführer Pyrgopolinices, ein eitler Aufschneider, der sich für unwiderstehlich hält und von großen Taten prahlt, die er nie vollbracht hat. An seiner Seite lebt der Schmeichler Artotrogus, der ihn zwar durchschaut, ihn aber gleichwohl in seinen Lobgesängen bestärkt.

Die junge Athenerin Philocomasium liebt den Seefahrer Pleusicles. Doch ihre Mutter hat sie dem Söldnerführer ausgeliefert, der sie gegen ihren Willen in seinem Haus festhält. Durch einen glücklichen Zufall ist ausgerechnet der Sklave des Prahlers, der gewitzte Palaestrio, ein früherer Diener des Seefahrers – und diesem noch immer treu ergeben. Er verhilft dem jungen Griechen in das Nachbarhaus und bohrt heimlich ein Loch in die Wand, damit sich die Liebenden unbemerkt sehen können. Als jedoch ein Wächter die beiden erblickt, droht der Plan aufzufliegen. Nun beginnt ein listenreiches Verwirrspiel, mit dem der schlaue Sklave den eingebildeten Soldaten zum Narren halten will.

Die Handlung im Detail

Der Prolog stellt den Söldnerführer und seine Umgebung vor: seinen Adjutanten, seinen Sklaven und seinen Leibwächter. Gleich zu Beginn führt sich Pyrgopolinices als eitler Prahler ein, der von Heldentaten schwärmt, die er nie vollbracht hat, und sich obendrein von allen Frauen vergöttert glaubt. Sein Adjutant Artotrogus durchschaut ihn, hält aber zu ihm und singt ihm immer neue Lobgesänge. Auch der Sklave Palaestrio kennzeichnet ihn als Großsprecher und Weiberhelden. Palaestrio ist es, der die Zuschauer in die Handlung einführt.

Die junge Athenerin Philocomasium liebt den griechischen Seefahrer Pleusicles, wird jedoch von ihrer Mutter dem Söldnerführer ausgeliefert. Dieser sperrt sie gegen ihren Willen in sein Haus in Ephesos. Ironischerweise ist Palaestrio, der Sklave des Söldnerführers, der frühere Diener eben jenes Seefahrers – und diesem noch immer treu ergeben. Weil er Pleusicles den Aufenthaltsort seiner Geliebten mitteilen konnte, reist der junge Grieche nach Ephesos und lässt sich im Nachbarhaus nieder, das einem alten Familienfreund namens Periplectomenus gehört. Palaestrio bohrt ein Loch in die Hauswand, damit sich die Liebenden heimlich sehen können, ohne dass der Soldat davon erfährt. Doch als der Affe des Söldnerführers auf das Hausdach klettert, eilt ihm der Wächter Sceledrus hinterher, der über das Mädchen wachen soll, und erblickt dabei die beiden Liebenden, wie sie sich im Nachbarhaus küssen und umarmen.

Hier setzt die erste Intrige ein. Auf den Rat Palaestrios wollen die Verschworenen den Wächter überzeugen, die Frau, die er gesehen hat, sei die soeben in Ephesos angekommene Zwillingsschwester der Philocomasium. Der Sklave und der Hausbesitzer verwirren und ängstigen Sceledrus. Sie lassen die angebliche Zwillingsschwester vor ihm tanzen – in Wahrheit spielt Philocomasium selbst die vorgetäuschte Schwester – und behaupten, sie sei nicht die Gefangene des Soldaten. Als der Wächter sie dennoch ins Haus zurückbringen will, bricht der Gastgeber der Zwillingsschwester in Jähzorn aus. Schließlich glaubt Sceledrus wirklich, es gebe zwei Schwestern, und meldet dem Söldnerführer nichts von dem, was er gesehen hat.

In der zweiten Intrige wird dem Söldnerführer eingeredet, die schöne Frau des Nachbarn sei in ihn verliebt – in Wahrheit handelt es sich um eine Hetäre namens Acroteleutium. Der Plan geht auf: Der eitle Soldat lässt seine Gefangene ziehen und schleicht in das Haus des Nachbarn, wo er auf frischer Tat ertappt wird. Schon wetzt der Koch das Messer, um den vermeintlichen Ehebrecher zu entmannen, doch der Söldnerführer kommt mit einer Tracht Prügel und der Zahlung eines Lösegelds davon. Der Seefahrer und seine Geliebte segeln nach Athen, während der Prahler als der Geprellte zurückbleibt.

Stil

Das Werk ist eine derbe Posse, die ihre Wirkung aus Übertreibung, Verwechslung und List gewinnt. Es gehört zur Gattung der Palliata, der römischen Komödie im griechischen Gewand. Plautus übernahm den Stoff aus einer griechischen Vorlage, begnügte sich aber nicht mit einer bloßen Übersetzung: Er vereinfachte die Handlung und erweiterte sie zugleich. Auffällig ist der zweiteilige Aufbau. Das Stück lebt von zwei kunstvoll ausgedachten Intrigen, die der findige Sklave Palaestrio ersinnt und die einander ablösen. Die Komik entsteht vor allem aus dem Gegensatz zwischen dem großspurigen Auftreten des Titelhelden und seiner tatsächlichen Einfältigkeit. Um ihn herum gruppieren sich feste Typen der antiken Komödie – der einschmeichelnde Mitläufer, der listige Diener, die schöne Gefangene und die verführerische Hetäre.

Rezeption

Über die Figur des prahlerischen Soldaten hat das Stück weit über die Antike hinaus gewirkt. Der „Miles gloriosus" wurde zu einem festen Typus der Komödie – zum Sinnbild des großmäuligen Prahlers, der mehr scheinen will, als er ist. Schon die griechische Vorlage kannte diese Grundfigur. Noch im Mittelalter, um 1200, entstand eine Bearbeitung des Stoffes. Der aufschneiderische Soldat, der sich selbst überschätzt und am Ende bloßgestellt wird, kehrt seither in der Komödiengeschichte immer wieder.

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