1867 – 1936
Luigi Pirandello
Kurzbiografie↑
Luigi Pirandello wurde am 28. Juni 1867 in Agrigent auf Sizilien geboren und starb am 10. Dezember 1936 in Rom. Er gilt als einer der bedeutendsten Dramatiker des 20. Jahrhunderts. Sein Welterfolg gründet vor allem auf den Theaterstücken der frühen 1920er Jahre, darunter Sechs Personen suchen einen Autor und Heinrich IV.. Den Durchbruch als Erzähler hatte er schon 1904 mit dem Roman Der gewesene Matthias Pascal erzielt. 1934 erhielt er den Nobelpreis für Literatur. Sein Verhältnis zum italienischen Faschismus gilt in der Forschung bis heute als ambivalent. Der Partei trat er 1924 bei.
Biografie↑
Pirandello kam auf einem Landgut nahe Agrigent zur Welt. Es trug den bezeichnenden Namen Caos, zu Deutsch "Chaos". Sein Vater betrieb eine Schwefelgrube. Pirandello wuchs in Agrigent und Palermo auf. Schon als Schüler veröffentlichte er erste literarische Versuche. Nach dem Schulabschluss 1887 nahm er ein Studium der Romanischen Philologie auf. Er studierte zunächst 1888/89 in Rom und anschließend von 1889 bis 1891 an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität in Bonn. Dort schloss er sich dem Akademischen Neuphilologischen Verein an. Er promovierte mit einer Arbeit über die Mundart von Girgenti. Eine angekündigte Lektorenstelle am Bonner Romanischen Seminar trat er nie an. An seine Bonner Jahre erinnern bis heute eine Gedenktafel an seinem damaligen Wohnhaus in der Breiten Straße 83 und eine nach ihm benannte Straße im Ortsteil Ippendorf.
1892 kehrte Pirandello nach Italien zurück und ließ sich in Rom als freier Schriftsteller nieder. Er arbeitete als Journalist. Seinen Lebensunterhalt bestritt er jedoch hauptsächlich aus Zuwendungen seines Vaters und später aus der Mitgift seiner Frau. Ende Januar 1894 heiratete er Antonietta Portulano. Mit ihr hatte er drei Kinder. 1897 übernahm er vertretungsweise eine Dozentur für Italienische Stilistik an der Pädagogischen Akademie in Rom. 1904 meldete die Schwefelgrube seines Vaters Konkurs an, und damit ging auch Antoniettas Mitgift verloren. Nun musste er erstmals tatsächlich vom Schreiben und vom Lehramt leben. 1908 wurde er an derselben Akademie zum ordentlichen Professor ernannt. Diese Stellung behielt er bis 1922. Seine Frau erkrankte psychisch und wurde 1919 in einer geschlossenen Anstalt untergebracht. Dort starb sie 1959.
Bereits 1904 hatte Pirandello mit dem Fortsetzungsroman Mattia Pascal einen ersten großen Erfolg. Das Buch erschien 1905 unter dem Titel Der gewesene Matthias Pascal auf Deutsch. Dem Theater wandte er sich erst in den 1910er Jahren zu. Gerade dieses Feld brachte ihm weltweiten Ruhm. 1921 und 1922 feierte er große Erfolge mit Sechs Personen suchen einen Autor und Heinrich IV., teils begleitet von handfesten Skandalen. 1924 eröffnete er in Rom ein eigenes Theater, das Teatro d'Arte. Zuvor hatte Mussolini ihm Unterstützung für eine Modernisierung des italienischen Theaters in Aussicht gestellt. Da diese Zusage nicht eingehalten wurde, ging Pirandello mit seiner Truppe auf ausgedehnte Tourneen durch Europa und Südamerika. 1928 musste er die Truppe auflösen und zog in ein freiwilliges Exil nach Berlin, 1930 weiter nach Paris. 1934 erhielt er den Nobelpreis für Literatur und kehrte nach Rom zurück. Dort starb er am 10. Dezember 1936. Er hatte verfügt, dass sein Leichnam verbrannt und seine Asche nach Caos bei Agrigent gebracht werde. Andrea Camilleri hat später den grotesken Umgang mit dieser Asche beschrieben.
In der Forschung umstritten ist Pirandellos Verhältnis zum Faschismus. Es gilt einhellig als ambivalent. Unbestritten ist, dass er im September 1924 Mussolini in betont unterwürfigem Ton um Aufnahme in die Faschistische Partei bat. Dies geschah kurz nach der faschistischen Ermordung Giacomo Matteottis. Der Partei blieb er bis an sein Lebensende verbunden. 1936 ließ er die Medaille des Nobelpreises einschmelzen, um Mussolinis Krieg gegen Abessinien zu unterstützen. Andererseits begreift sein Werk das Leben als groteskes Maskenspiel und steht der faschistischen Doktrin keineswegs nahe. Auf seinen Südamerika-Tourneen zeigte er sich offen für politisch Verfolgte. Das trug ihm Kritik aus den eigenen Reihen ein. Daraufhin zerriss er demonstrativ seinen Parteiausweis, bis man ihn um Verzeihung bat und ihm einen neuen ausstellte. Pirandello selbst nannte sich "unpolitisch". Manche Deutungen führen seine Nähe zur Partei daher auf pragmatische Beweggründe zurück, etwa auf sein Misstrauen gegenüber den vorangegangenen Regierungen und auf die Suche nach Unterstützung für seine Theatergesellschaft.
Literarische Merkmale↑
Pirandellos Werk ist von einem zentralen Grundgedanken geprägt. Das Leben erscheint in ihm als groteskes Maskenspiel. Diese Sicht reicht, wie die Forschung betont, bis ins Politische hinein und steht quer zu jeder geschlossenen Doktrin. Sie verbindet seine Romane, allen voran Der gewesene Matthias Pascal, mit seinen Theaterstücken der 1920er Jahre. In diesen Stücken löste er die Grenzen zwischen Bühnenfigur, Autor und Wirklichkeit auf, am eindrucksvollsten in Sechs Personen suchen einen Autor. Die Wirkung dieser Stücke war so ungewöhnlich, dass ihre Uraufführungen teils von Skandalen begleitet wurden.
Rezeption↑
Pirandello zählt zu den bedeutendsten Dramatikern des 20. Jahrhunderts. Schon zu Lebzeiten erreichte er ein internationales Publikum. Seine Bühnenstücke der frühen 1920er Jahre lösten in Italien Aufsehen und Skandale aus. Sein Roman Der gewesene Matthias Pascal wurde bereits ein Jahr nach dem italienischen Erfolg ins Deutsche übersetzt. Mit seinem Teatro d'Arte ging er ab Mitte der 1920er Jahre auf Tourneen durch Europa und Südamerika. Die internationale Anerkennung gipfelte 1934 in der Verleihung des Nobelpreises für Literatur.
Begleitet wurde diese Wirkung von einer bis heute andauernden Debatte über seine politische Haltung. Sein Eintritt in die Faschistische Partei 1924 und die Einschmelzung seiner Nobelpreis-Medaille zugunsten des Abessinienkriegs trugen ihm scharfe Kritik ein. Andere verweisen auf die Distanz seines Werks zur faschistischen Doktrin und auf pragmatische Motive. Auch der Umgang mit seiner Asche nach seinem Tod war von solchen Zuschreibungen überschattet; Andrea Camilleri beschrieb ihn später als grotesk. Die Deutsche Biographie verzeichnet ihn in zahlreichen Verbund- und Quellennachweisen, darunter im Deutschen Literaturarchiv Marbach und in der Nominierungsdatenbank des Nobelpreises.
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