0014 – 0066
Titus Petronius
Kurzporträt↑
Aus dem Rom der Kaiserzeit ragt die Gestalt des Titus Petronius hervor. Er war ein römischer Senator und Schriftsteller und spielte am Hof Neros eine besondere Rolle. Er gilt als Verfasser des satirischen Romans Satyricon, von dem nur größere Teile erhalten sind. An Neros Seite wirkte er als „Schiedsrichter des feinen Geschmacks" (arbiter elegantiae). Aus dieser Bezeichnung erwuchs später sein Beiname „Arbiter". Über sein Leben ist wenig mehr bekannt, als Tacitus berichtet. Im Jahr 66 nahm sich Petronius in Cumae das Leben. Zuvor war er der Teilnahme an einer Verschwörung gegen den Kaiser beschuldigt worden.
Biografie↑
Über das Leben des Titus Petronius ist nur wenig mehr überliefert, als Tacitus berichtet. Schon die Lebensdaten sind unsicher. Als Geburtsjahr gilt nach dem Stand der Forschung etwa 14 n. Chr., das Geburtsdatum ist jedoch nicht überliefert. Ein Geburtsort ist aus antiken Quellen nicht belegt. Auch die Namensform ist nicht eindeutig. Neben Titus Petronius Arbiter sind die wohl unzutreffenden Namen Gaius Petronius, Gaius Petronius Arbiter oder Publius Petronius Niger überliefert. Im Deutschen findet sich mitunter die Form Petron.
Sein Werk bezeugt eine erstklassige Ausbildung. Die Zeit von 29 bis 35 brachte er vielleicht mit seinem Vater in Asia zu. So dürfte er die im Satyricon erwähnten Städte Ephesos, Pergamon und Troja selbst gekannt haben.
Nach Tacitus verbrachte Petronius den Tag im Schlaf und die Nacht in Geschäften. Er trieb einen mit großem Aufwand betriebenen Müßiggang. Dennoch galt er nicht als Verschwender, sondern als gebildeter Kenner feiner Genüsse. Seine lockeren Sprüche wurden ihm als Aufrichtigkeit angerechnet. Dass dieser Müßiggang nur eine Seite seines Lebens war, zeigte sich später. Möglicherweise in den Jahren 57 bis 59 wirkte er als energischer Prokonsul von Bithynien. Bald darauf bekleidete er als Suffektkonsul (wohl 62 n. Chr.) das Konsulat. Ob Petronius während seines Konsulats auch die lex Petronia eingebracht hat, ist umstritten und nicht nachweisbar.
Aus gegenseitigen Anspielungen in den Werken des Petronius und des Neroberaters Seneca hat man auf eine literarische Fehde der beiden Schriftsteller geschlossen. Um diese Zeit nahm Nero ihn unter seine wenigen Vertrauten auf. Er überließ ihm die Rolle als „Schiedsrichter des feinen Geschmacks" (arbiter elegantiae). Hieraus dürfte sich später der Beiname „Arbiter" ergeben haben.
Das Ende kam im Jahr 66. Der Prätorianerpräfekt Tigellinus beschuldigte ihn – wohl aus Neid – der Teilnahme an der Pisonischen Verschwörung gegen Kaiser Nero. Petronius kam einer Verurteilung zuvor. Seinen Suizid in Cumae inszenierte er auf betont lockere, natürliche Art. Tacitus beschreibt sie als Gegenstück zum Philosophentode Senecas. Er schnitt sich die Pulsadern auf. Sein Testament enthielt keine Lobhudeleien an den Kaiser, sondern eine detaillierte Schilderung von Neros neuesten Lastern. Plinius der Ältere ergänzt, dass Petronius kurz vor seinem Tod eine kostbare Schöpfkelle aus Flussspat zerbrach, damit sie nicht auf den Tisch Neros gelangte.
Literarische Merkmale↑
Petronius gilt heute als Verfasser des satirischen Romans Satyricon, von dem lediglich größere Teile erhalten sind. Dazu gehört die Cena Trimalchionis, „Das Gastmahl des Trimalchio". Zwar wird das Werk in zeitgenössischen Quellen nicht direkt erwähnt, doch gilt die Verfasserfrage inzwischen als geklärt. Von den zahlreichen Anspielungen auf Personen und Ereignisse ist keine jünger als die Nerozeit (54 bis 68 n. Chr.). Einzelne Bruchstücke des Textes sind – zumeist aus sprachlichem Interesse – verstreut bei vielen Schriftstellern und Grammatikern des Altertums überliefert. Dass gerade die Sprache das Augenmerk der antiken Überlieferer fand, deutet auf die Eigenart dieses Werks hin.
Rezeption↑
Fortgewirkt hat vor allem die Figur des gebildeten Lebemannes Petronius selbst. Sie erscheint im Roman Quo Vadis von Henryk Sienkiewicz. Danach erscheint sie etwa in der Verfilmung von Mervyn LeRoy aus dem Jahr 1951, in der Leo Genn die Rolle übernahm. Volker Ebersbach hat in seinem historischen Roman Der Schatten eines Satyrs Leben und Werk des Petronius in den Mittelpunkt gestellt. Auch über die unmittelbare Person hinaus wirkt sein Name fort. Der Asteroid (3244) Petronius wurde am 8. Juli 1990 nach ihm benannt.
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