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Porträt Sándor Petőfi
Sándor Petőfi
1823 – 1849
– Autorenporträt –

Sándor Petőfi

1823 – 1849 · 26 Jahre

Ungarischer Dichter und Volksheld, dessen Nationallied die Revolution von 1848 entzündete – mit 26 Jahren fiel er im Freiheitskampf gegen die Habsburger.

Kurzporträt

Sándor Petőfi gehört zu den bekanntesten Dichtern Ungarns. Zugleich gilt er als Volksheld und Freiheitskämpfer der ungarischen Revolution von 1848. Geboren wurde er am 1. Januar 1823 als Sándor Petrovics in einer Familie slowakischer Herkunft. Er selbst verstand sich stets als Ungar. In wenigen Jahren stieg er vom mittellosen Wanderschauspieler zum gefeierten Dichter auf. Mit seinem Nationallied wurde er zu einer Stimme der Erhebung von 1848. Im Sommer 1849 fiel er im Freiheitskampf gegen die Habsburger. Sein Grab ist bis heute unbekannt.


Biografie

Geboren wurde Petőfi am 1. Januar 1823 unter dem Namen Sándor Petrovics. Seine Eltern waren der Metzgermeister Štefan Petrovič und Mária Hrúzová. Nach den von József Kiss angeführten Untersuchungen entstammten beide slowakischen Familienzweigen, deren Herkunft sich bis 1685 zurückverfolgen lässt. Ihre Zugehörigkeit zur lutherischen Kirche stützt diese Herkunft. Der Vater sprach laut Gyula Illés nur schlecht Ungarisch. Petőfi selbst betrachtete sich gleichwohl immer als Ungar.

Sein Geburtsort ist umstritten. Als amtlicher Geburtsort gilt Kiskőrös. Petőfi selbst betrachtete jedoch stets Kiskunfélegyháza als seine Heimatstadt, wohin die Familie früh zog. Diese Zugehörigkeit kommt in seinem Gedicht In meiner Heimat besonders zum Ausdruck.

Ab 1828 besuchte er die evangelische Elementarschule in Kecskemét, von 1833 bis 1834 das evangelische Gymnasium in Pest, anschließend bis 1835 das Piaristengymnasium und danach bis 1839 das Gymnasium in Aszód. Im August 1838 schrieb er sich am evangelischen Lyzeum in Schämnitz ein, um Rhetorik und Deutsch zu lernen. Wegen nationaler Meinungsverschiedenheiten mit seinem Lehrer Daniel Gabriel Lichard, einem nationalbewussten Slowaken, verließ er die Schule und ging nach Pest. Dort arbeitete er als Hilfskraft am Ungarischen Nationaltheater und übernahm Statistenrollen. Später schloss er sich einer wandernden Theatergruppe an. Von 1839 bis 1841 war er Soldat, danach wieder Schauspieler, und er studierte in Pápa. Am 15. Januar 1844 trat er in Debreczin in Shakespeares Komödie Der Kaufmann von Venedig als Prinz von Marokko auf. Damals verwendete er das Pseudonym Sándor Petőfi, unter dem alle seine späteren Werke bekannt wurden.

Sein erstes Gedicht erschien 1842, veröffentlicht von József Bajza, dem Herausgeber der Literaturzeitschrift Athenaeum. Ein Honorar gab es dafür nicht. In Debreczin erlebte er einen Tiefpunkt. Nach der Auflösung der Theatergruppe hielt er sich mit Übersetzungen über Wasser, ohne seine prekäre Lage zu bessern. Im Februar 1844 verließ er hungrig und frierend die Stadt und ging nach Pest. Dort bat er den damals bedeutendsten Dichter Ungarns, Mihály Vörösmarty, um Hilfe. Dieser erkannte sein Talent und setzte sich bei der Vereinigung „Nationaler Ring" für ihn ein. Diese finanzierte die erste Ausgabe seiner Gedichtsammlung von 1844, die bei der Leserschaft ein großer Erfolg wurde. Auf Empfehlung Vörösmartys wurde Petőfi zudem Hilfsredakteur bei Imre Vahot, dem Herausgeber der Zeitschrift Pesti divatlap.

Nun begann seine fruchtbarste Schaffensperiode. Der Held János schrieb er innerhalb von nur sechs Tagen und ohne Korrektur nieder. In dieser Zeit verliebte er sich in Etelka Csapó, die er heiraten wollte. Sie starb jedoch plötzlich am 7. Januar 1845. Seiner Trauer gab er im Gedicht Zypressenblätter am Grabe Etelkas Ausdruck. Im Frühling 1845 reiste er durch das damalige Oberungarn, die heutige Slowakei. Als berühmter Dichter wurde er überall stürmisch empfangen. Von Anfang an forderte er in seinen Werken einen unabhängigen ungarischen Nationalstaat.

1846 ging Petőfi nach Siebenbürgen, wo er die Dichterin und Übersetzerin Júlia Szendrey kennenlernte. Am 8. September 1847 heiratete er sie in Erdeed, gegen den Willen ihres Vaters, der in ihm einen „Wanderkomödianten" sah. Die Flitterwochen verbrachte das Paar in Koltó auf dem Gut des Grafen Sándor Teleki. Am 15. Dezember 1848 wurde in Debrecen ihr Sohn Zoltán geboren. Er wuchs nach dem Tod des Vaters beim Großvater auf und starb mit 22 Jahren an Tuberkulose.

Im Revolutionsjahr 1848 trat Petőfi an die Spitze der „Pester Jugend" und wurde einer der geistigen Führer der Erhebung. Am frühen Morgen des 15. März 1848 proklamierten er, Pál Vasvári, Maurus Jókai und József Irinyi im Café Pilvax ein „Zwölf-Punkte-Programm". Petőfi trug sein Nationallied vor. Die anschwellende Menge zog zur Druckerei Landerer & Heckenast und ließ das unzensierte Gedicht drucken, das die Straßen von Pest überflutete. Am Nachmittag versammelten sich Zehntausende vor dem Nationalmuseum. Dieser Tag bildete den Beginn der Revolution von 1848/1849 in Ungarn.

Am 15. Oktober 1848 wurde Petőfi Hauptmann beim Honvédbataillon in Debrecen. Nach einem Streit mit seinem Vorgesetzten diente er ab 1849 als Adjutant unter dem polnischen General Józef Bem im Freiheitskampf gegen die Habsburger. In der Schlacht bei Segesvár (Sighișoara, heute Rumänien) fiel er um den 31. Juli 1849. Sein Leichnam wurde nie gefunden. Júlia Szendrey suchte vergeblich nach ihrem Mann. Trotz vieler Spekulationen ist bis heute nicht bekannt, wo er bestattet wurde.


Literarische Merkmale

Kennzeichnend für Petőfi war eine außerordentliche Schaffenskraft. Seinen Der Held János schrieb er in nur sechs Tagen und ohne nachträgliche Korrektur nieder. Seine Dichtung griff persönliches Erleben ebenso auf wie politische Forderungen. Die Trauer um die früh verstorbene Etelka Csapó prägt Zypressenblätter am Grabe Etelkas, die Verbundenheit mit der Heimat In meiner Heimat. Von Anfang an erhob er in seinen Werken zudem den Ruf nach einem unabhängigen ungarischen Nationalstaat. Sein Nationallied war unmittelbar auf Wirkung angelegt und entfaltete sie auf den Straßen von Pest.


Rezeption

Schon zu Lebzeiten wurde Petőfi rasch zu einem der bekanntesten Dichter Ungarns. Seine erste Gedichtsammlung, 1844 von der Vereinigung „Nationaler Ring" finanziert, wurde ein großer Erfolg bei der Leserschaft. Auf seiner Rundreise durch Oberungarn 1845 empfing man ihn überall stürmisch und mit Begeisterung. Sein Nationallied wurde am 15. März 1848 von der Bevölkerung mit Begeisterung aufgenommen und auf der Volksversammlung vor dem Nationalmuseum wiederholt. Mit seiner Rolle als geistiger Führer der Revolution und seinem frühen Tod im Freiheitskampf wurde Petőfi zum Volksheld der ungarischen Erhebung. Sein unbekanntes Grab gab über seinen Tod hinaus Anlass zu zahlreichen Spekulationen.

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