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Das Lexikon der klassischen Literatur
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Autoreneintrag · Octavio Paz
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Porträt Octavio Paz
Octavio Paz
1914 – 1998
– Autorenporträt –

Octavio Paz

1914 – 1998 · 84 Jahre

Mexikanischer Dichter, Essayist und Diplomat, der 1990 den Nobelpreis für Literatur erhielt – bekannt wurde er vor allem mit seiner Lyrik, allen voran dem Gedicht „Piedra de Sol“, und mit dem Essayband „Das Labyrinth der Einsamkeit“.

Kurzbiografie↑

Octavio Paz zählt zu den bekanntesten Schriftstellern Mexikos. Er wurde 1914 in Mexiko-Stadt geboren und starb 1998 ebendort. Neben seinem literarischen Werk stand ein langes Leben im diplomatischen Dienst: Paz vertrat sein Land unter anderem in Japan, in Frankreich und in Indien. Als Neunzehnjähriger veröffentlichte er seinen ersten Gedichtband; berühmt wurde er sowohl mit Lyrik als auch mit dem Essayband Das Labyrinth der Einsamkeit. 1990 erhielt er den Nobelpreis für Literatur.


Biografie↑

Geboren wurde Octavio Paz Lozano am 31. März 1914 in Mixcoac, das heute zu Mexiko-Stadt gehört. Es waren die Jahre der mexikanischen Revolution. Sein Vater war Anwalt, sein Großvater Romancier. In Mexiko studierte Paz Jura und Literaturwissenschaften.

Schon mit neunzehn Jahren legte er seinen ersten Lyrikband vor, Luna Silvestre. 1937 heiratete er Elena Garro. Das Paar hielt sich in Valencia auf und bewegte sich dort im Umfeld der Allianz antifaschistischer Intellektueller. Später hatten beide Wohnsitze in New York, Paris und Japan. Die Verbindung bestand bis in die 1960er-Jahre.

Mit einem Stipendium der Guggenheim-Stiftung bereiste Paz 1943 die Vereinigten Staaten. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs trat er in den diplomatischen Dienst ein. In den 1950er-Jahren führte ihn sein Beruf als Botschafter zunächst nach Japan, danach nach Indien. In dieser Zeit las er intensiv taoistische und buddhistische Schriften. Bis 1962 war er in Frankreich tätig, wo er unter anderem mit Pablo Neruda zusammenarbeitete. In diese Jahre fällt auch die Entstehung von Das Labyrinth der Einsamkeit, einer Erkundung der mexikanischen und lateinamerikanischen Identität. Prägend wurde für ihn außerdem die Zusammenarbeit mit André Breton und Benjamin Péret, aus der ein surrealistischer Einfluss auf sein Werk erwuchs.

Politisch bezog Paz früh Position. Während des spanischen Bürgerkriegs solidarisierte er sich mit den linken Republikanern. 1968 kam es in Mexiko-Stadt zum Massaker von Tlatelolco, bei dem Studenten getötet wurden. Aus Protest dagegen trat Paz von seinem Posten als mexikanischer Botschafter in Indien zurück. In den folgenden Jahren gründete er zwei einflussreiche Zeitschriften, Plural und Vuelta. Dort prangerte er die Menschenrechtsverletzungen der Sowjet-Kommunisten an. Die lateinamerikanische Linke kritisierte ihn dafür heftig.

Ehrungen erhielt Paz in großer Zahl. 1972 wurde er in die American Academy of Arts and Letters gewählt, 1975 in die American Academy of Arts and Sciences. Die Académie royale des Sciences, des Lettres et des Beaux-Arts de Belgique nahm ihn 1993 als assoziiertes Mitglied auf. 1982 eröffnete er in West-Berlin gemeinsam mit dem damaligen Regierenden Bürgermeister Richard von Weizsäcker das Horizonte-Festival der Weltkulturen. Zu seinen Auszeichnungen gehören der Jerusalempreis für die Freiheit des Individuums in der Gesellschaft (1977), der Premio Cervantes (1981), der Neustadt International Prize for Literature, der Friedenspreis des Deutschen Buchhandels (1984) und 1990 der Nobelpreis für Literatur.

Octavio Paz starb am 19. April 1998 in Mexiko-Stadt. 2017 wurde ein Asteroid nach ihm benannt: (58498) Octaviopaz.


Literarische Merkmale↑

Zwei Formen bestimmen das Werk von Octavio Paz: das Gedicht und der Essay. Beide begleiteten ihn ein Leben lang. Mit Luna Silvestre begann er als ganz junger Mann in der Lyrik. Erst 1950 folgte mit El laberinto de la soledad die erste Prosaveröffentlichung, zugleich sein bekanntestes Buch dieser Art. Darin geht er der Frage nach, was mexikanische und lateinamerikanische Identität ausmacht.

Weitere Essaybände schlossen sich an, 1956 El arco y la lira und 1974 El mono gramático. Der Nobelpreis von 1990 galt allerdings nicht vorrangig dem Essayisten, sondern dem Lyriker. Genannt werden dabei vor allem Piedra de Sol (Sonnenstein, 1957), Blanco aus den 1960er-Jahren und Pasado en claro aus den 1970er-Jahren. Auf Deutsch sind diese drei unter dem Titel Die großen Gedichte erschienen. Dazu kommen Libertad bajo palabra von 1960 und Salamandra von 1962.

Die Beschäftigung mit fernöstlichem Denken hinterließ Spuren. Während seiner Jahre als Botschafter in Japan und Indien las Paz taoistische und buddhistische Schriften. Ebenso wirkte der Surrealismus auf ihn ein, vermittelt durch die Zusammenarbeit mit André Breton und Benjamin Péret.


Rezeption↑

Wirkung entfaltete Paz sowohl beim breiten Publikum als auch in der Literatur selbst. Allein in Mexiko verkaufte sich El laberinto de la soledad über eine Million Mal. Das Buch zählt neben Juan Rulfos Roman Pedro Páramo bis heute zu den erfolgreichsten mexikanischen Veröffentlichungen.

Für das Werk Piedra de Sol wird ein Vergleich gezogen, der seinen Rang in der Literatur Lateinamerikas beschreiben soll: Seine Wirkung dort wird mit der Wirkung von T. S. Eliots The waste land auf die englischsprachige Literatur verglichen.

Umstritten war Paz vor allem als politischer Kopf. Nachdem er in seinen Zeitschriften Plural und Vuelta die Menschenrechtsverletzungen der Sowjet-Kommunisten angeprangert hatte, wurde er von der lateinamerikanischen Linken heftig kritisiert. Die Reihe seiner Ehrungen zeigt gleichwohl, wie weit sein Ansehen reichte: Jerusalempreis, Premio Cervantes, Neustadt International Prize for Literature, Friedenspreis des Deutschen Buchhandels und schließlich der Nobelpreis für Literatur.

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