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Das Lexikon der klassischen Literatur
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Autoreneintrag · Samuel Pepys
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Porträt Samuel Pepys
Samuel Pepys
1633 – 1703
– Autorenporträt –

Samuel Pepys

1633 – 1703 · 70 Jahre

Samuel Pepys war Staatssekretär im englischen Marineamt und stand der Wissenschaftsakademie Royal Society vor – bekannt wurde er aber vor allem durch sein offenherziges Tagebuch über das London der Restaurationszeit unter König Karl II.

Kurzbiografie↑

Als Chronist der englischen Restaurationszeit ist Samuel Pepys der Nachwelt bis heute ein Begriff. Geboren 1633 in London, machte er Karriere als Staatssekretär im englischen Marineamt, saß im Unterhaus und stand der Royal Society vor. Berühmt wurde er jedoch nicht durch seine Ämter, sondern durch das Tagebuch, das er von 1660 bis 1669 führte. Diese Aufzeichnungen zählen zu den wichtigsten Quellen für die Zeit unter König Karl II. und zu den am häufigsten zitierten Werken des englischen Sprachraums. Pepys starb 1703; über den genauen Sterbeort gehen die Angaben auseinander.


Biografie↑

Aus einfachen Verhältnissen stammte der spätere Staatssekretär: Er war der Sohn des Londoner Schneiders John Pepys und dessen Frau Margaret. Das Paar bekam elf Kinder, doch nur vier erreichten das Erwachsenenalter, und von diesen war Samuel das älteste. Die Familie lebte bescheiden, hatte aber wohlhabende und einflussreiche Verwandte in der Familie Montagu, die dem Landadel angehörte. Deren Gut Hinchingbroke lag in Huntingdonshire, jener Grafschaft, aus der auch Oliver Cromwell kam.

Als 1642 der Bürgerkrieg ausbrach, schickte John Pepys seinen neunjährigen Sohn aufs Land zu dessen Onkel Robert, der als Gutsverwalter der Montagus arbeitete. Wahrscheinlich wurden die reichen Verwandten damals auf den jungen Samuel aufmerksam und ermöglichten ihm eine gute Ausbildung, zunächst an der Lateinschule in Huntingdon, danach an der streng puritanisch geprägten St. Paul's School in London. Als Fünfzehnjähriger wurde er dort Augenzeuge der Hinrichtung König Karls I. Von 1650 bis 1653 besuchte Pepys das Magdalene College der Universität Cambridge und erwarb den Bakkalaureusgrad. Gegen eine Geldzahlung erhielt er 1660 nachträglich den Magistertitel.

Im Jahr 1655 heiratete er die damals fünfzehnjährige Elizabeth Marchant de Saint-Michel, Tochter eines verarmten französischen Hugenotten. Es war eine Liebesheirat, wie sie für ehrgeizige Männer jener Zeit eher selten war. Am 26. März 1658 unterzog er sich einer äußerst schmerzhaften und damals lebensgefährlichen Blasenstein-Operation. Den Jahrestag der gelungenen Behandlung feierte er in den folgenden Jahren stets als seinen zweiten Geburtstag.

Seinen Aufstieg im Staatsdienst verdankte Pepys seinem acht Jahre älteren Vetter Edward Montagu, dem späteren Lord Sandwich. Dieser hatte sich im Bürgerkrieg an der Seite Cromwells ausgezeichnet und bekleidete zur Zeit der englischen Republik hohe Ämter. Nach Abschluss des Studiums stellte Montagu ihn als eine Art Privatsekretär ein, und 1658 vermittelte er ihm zusätzlich eine Anstellung im Schatzamt unter George Downing. Im September desselben Jahres starb Oliver Cromwell. Nach der kurzen Herrschaft von dessen Sohn Richard beschlossen die führenden Männer in Heer und Marine 1660, die Stuart-Monarchie wiederherzustellen. Montagu gehörte der Delegation an, die Karl II. aus dem niederländischen Exil zurückführte; Pepys begleitete ihn als Sekretär und erlebte so die Rückkehr und die Krönung des Königs aus nächster Nähe.

Noch im selben Jahr trat Pepys als Schreiber ins Marineamt ein, wo er stetig aufstieg. Er war für die Beschaffung von Material und Verpflegung zuständig, also für Bau, Reparatur und Ausrüstung der Schiffe der Royal Navy. Da England mit Holland um die Vorherrschaft auf den Meeren kämpfte, war das eine einflussreiche Position. Sie bot auch Gelegenheit zu illegalen Nebeneinnahmen. 1665 war Pepys an der Unterschlagung von Prisengeldern gekaperter holländischer Ostindienfahrer beteiligt; die Affäre wurde bekannt, und Lord Sandwich musste als Hauptverantwortlicher seinen Posten als Admiral räumen. Pepys selbst ging unbeschadet daraus hervor, da er sich weniger bereichert hatte als andere. Seinen Zeitgenossen galt er als höchst fähiger Verwaltungsbeamter. Nach dem frühen Tod seiner Frau Ende 1669 widmete er sich ganz seinen beruflichen Aufgaben. Seit 1662 war er zudem Schatzmeister der englischen Kolonie Tanger; als diese 1683 aufgegeben wurde, reiste er dorthin und erlebte auf seiner einzigen größeren Seereise einen Angriff algerischer Piraten.

Von seinem ersten Förderer distanzierte sich Pepys vorsichtig und suchte fortan die Protektion des Herzogs von York, des Königsbruders und obersten Marinebefehlshabers. Mit dessen Laufbahn war seine eigene bald eng verbunden. 1673 wurde er zum Sekretär der Admiralität ernannt und für den Wahlkreis Castle Rising ins Unterhaus gewählt; 1679 errang er den Sitz für Harwich, den er zehn Jahre lang hielt. Weil der Herzog von York Ende der 1660er Jahre zum Katholizismus übergetreten war, kam es zwischen 1678 und 1682 zur Exclusion Crisis. In deren Verlauf geriet Pepys in Verdacht, verräterische Beziehungen zum katholischen Frankreich zu unterhalten. Er musste sein Amt niederlegen und wurde von Mai bis Juli 1679 in den Tower gesperrt, bis 1680 alle Anklagepunkte fallen gelassen wurden. Als der Herzog von York 1685 als Jakob II. den Thron bestieg, erreichte auch Pepys' Laufbahn ihren Höhepunkt.

Neben seinen Ämtern führte Pepys ein reges gesellschaftliches Leben. Er sprach Spanisch, Italienisch, Französisch und Latein, interessierte sich für Theater, Literatur und Musik, sang und spielte mehrere Instrumente. Besonders galt sein Interesse den Wissenschaften, vor allem der Mathematik. 1673 war er an der Gründung der Royal Mathematical School am Christ's Hospital beteiligt, 1675 wurde er dort Gouverneur. Bereits 1665 war er Mitglied der Royal Society geworden, deren Präsident er von 1684 bis 1686 war. Zu seinem Bekanntenkreis gehörten der Physiker Isaac Newton, der Architekt Christopher Wren und der Dichter John Evelyn. Der Erstdruck von Newtons Hauptwerk Principia Mathematica trägt auf dem Titelblatt das Imprimatur von Pepys als Präsident der Royal Society.

Schon vier Jahre nach seiner Thronbesteigung wurde Jakob II. durch die Glorious Revolution von 1688/89 gestürzt, und damit endete auch Pepys' Laufbahn abrupt. Bei den Wahlen im Februar 1689 verlor er seinen Parlamentssitz; wenig später weigerte er sich, den Eid auf Wilhelm III. zu leisten, und trat als Staatssekretär zurück. Als Anhänger des geflohenen Königs wurde er noch zweimal für kurze Zeit inhaftiert, ohne dass es je zu einer Anklage kam. Nach seiner letzten Freilassung 1690 widmete er sich fast nur noch seinen Studien und privaten Vorlieben. 1701 zog er in das Haus seines Freundes William Hewer nach Clapham, das damals vor den Toren Londons lag. Um seinen siebzigsten Geburtstag im Februar 1703 verschlechterte sich sein Zustand; er machte sein Testament und setzte seinen Neffen John Jackson zum Haupterben ein. Am frühen Morgen des 26. Mai starb er. Wo genau, ist unklar: Die Deutsche Biographie nennt London als Sterbeort, während andere Angaben auf Clapham bei London verweisen.


Literarische Merkmale↑

Rückhaltlose Ehrlichkeit macht den Reiz seiner Aufzeichnungen aus. Der hohe, auch künstlerische Wert der Tagebücher liegt in der Offenheit, mit der Pepys sein eigenes Ich spiegelt, und in der Anschaulichkeit und Farbigkeit, mit der er London und seine Zeit schildert. Vieles hat er aus nächster Nähe miterlebt, manches als Augenzeuge: die Hinrichtung Karls I., die Rückkehr Karls II. auf den Thron, die Große Pest und den Großen Brand von London.

Ein besonderer Reiz entsteht aus einem inneren Widerspruch. Pepys begann als prüder, lustfeindlicher Puritaner, ließ sich dann aber von den barocken Genüssen der Ära Karls II. verführen, die er bald in vollen Zügen genoss. Aus dieser Diskrepanz zwischen strengem Anspruch und tatsächlichem Verhalten ergibt sich die teils gewollte, teils unfreiwillige Komik seiner Aufzeichnungen.


Rezeption↑

Über Pepys' eigene Zeit hinaus wirkt vor allem sein Tagebuch fort. Es gilt als eine der wichtigsten Quellen für die englische Restaurationsepoche und zählt zu den am häufigsten zitierten literarischen Werken des englischen Sprachraums. Sein Freund John Evelyn charakterisierte ihn nach seinem Tod als „bei aller Welt beliebt, gastfreundlich, großzügig und gebildet auf vielen Gebieten“.

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Aus dem Werkverzeichnis↑

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