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Das Lexikon der klassischen Literatur
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Porträt Giovanni Pascoli
Giovanni Pascoli
1855 – 1912
– Autorenporträt –

Giovanni Pascoli

1855 – 1912 · 56 Jahre

Einer der bedeutendsten italienischen Dichter des späten 19. Jahrhunderts, der mit seiner symbolistischen Lyrik die moderne italienische Literatursprache prägte.

Kurzporträt

Giovanni Pascoli war ein italienischer Dichter. Er wurde am 31. Dezember 1855 in San Mauro di Romagna in der Romagna geboren und starb am 6. April 1912 in Bologna. Er gilt als einer der bedeutendsten Vertreter des italienischen Symbolismus und Decadentismo. Als sein wichtigstes Werk gilt die Gedichtsammlung Myricae. Über die Dichtung hinaus prägte er die Entwicklung der modernen italienischen Schriftsprache. Er verwendete zahlreiche Wörter dialektalen Ursprungs erstmals in der Poesie. 1905 trat er als Nachfolger Giosuè Carduccis die Professur für italienische Literatur in Bologna an.


Biografie

Giovanni Placido Agostino Pascoli wurde am 31. Dezember 1855 in San Mauro di Romagna in der Romagna geboren, in der heutigen Region Emilia-Romagna. Als er zwölf Jahre alt war, wurde sein Vater Ruggiero am 10. August 1867 auf dem Heimweg erschossen. Dieses Verbrechen wurde nie aufgeklärt und prägte Pascolis Leben und Dichtung tief. Als Student engagierte er sich für radikale politische Ideen. Das brachte ihn 1879 zeitweise ins Gefängnis. Danach wandte er sich vor allem der Literatur zu.

In den folgenden Jahrzehnten entstand ein umfangreiches dichterisches Werk. 1891 erschien die erste Ausgabe der Gedichtsammlung Myricae. Ihr Titel geht auf einen Vers Vergils zurück: „non omnis arbusta iuvant humilesque myricae" – „Büsche und niedrige Tamarisken erfreuen nicht alle". Es folgten unter anderem Il fanciullino und die Poemetti (beide 1897), Minerva oscura (1898) sowie 1903 die erste Ausgabe der Canti di Castelvecchio. In späteren Jahren erschienen weitere Sammlungen. Dazu zählen die Primi poemetti und die Poemi conviviali (1904), die Odi e Inni (1906), die Nuovi poemetti und die Poemi italici (1909) sowie zuletzt die Poemi del Risorgimento (1911–1912). Neben der italienischen Dichtung schuf Pascoli auch ein umfangreiches lateinisches Werk. Dafür gewann er beim renommierten Certamen Poeticum Hoeufftianum in Amsterdam dreizehnmal den ersten Preis.

1905 trat er als Nachfolger Giosuè Carduccis die Professur für italienische Literatur in Bologna an. In dieser Stadt starb er am 6. April 1912.


Literarische Merkmale

Pascoli wird als einer der bedeutendsten Vertreter des italienischen Symbolismus und Decadentismo gezählt. Seine Poetik legte er im Essay Il fanciullino (1897) dar: Dichtung sei die unverlierbare Fähigkeit, die Welt mit kindlichem Staunen zu sehen. Von besonderer Bedeutung war sein Schaffen für die Entwicklung der modernen italienischen Sprache. Viele Wörter dialektalen Ursprungs verwendete Pascoli zum ersten Mal in der Dichtung. Den Titel seiner Sammlung Myricae entlehnte er einem Vers Vergils. Damit verband er seine Poesie mit dem Bescheidenen und Niedrigen, das die lateinische Vorlage benennt – den Büschen und Tamarisken.


Rezeption

Pascoli gilt neben Gabriele D'Annunzio als einer der wichtigsten italienischen Dichter des späten 19. Jahrhunderts. Sein Werk wird als bedeutsam für die Entwicklung der italienischen Literatursprache gewertet. Die Aufnahme zahlreicher Wörter dialektalen Ursprungs in die Dichtung wird als eine der größten Umwälzungen dieser Sprache seit dem Mittelalter beschrieben. Pier Paolo Pasolini sah in Pascolis poetischem Denken sogar die Grundlage der gesamten modernen italienischen Lyrik. Zum 100. Todestag gab die Banca d'Italia 2012 eine Zwei-Euro-Münze zu seinen Ehren heraus.

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