1893 – 1967
Dorothy Parker
Kurzbiografie↑
Dorothy Parker war eine amerikanische Schriftstellerin, Theater- und Literaturkritikerin. Sie wurde 1893 in New Jersey geboren und starb 1967 in New York. Bekannt wurde sie durch ihre Gedichte, Kurzgeschichten und Theaterkritiken sowie durch ihren Ruf als scharfzüngigste Stimme im literarischen Zirkel des Algonquin Hotels. In ihren Texten schrieb sie über den Kampf zwischen den Geschlechtern und über die Stellung von Minderheiten in der Gesellschaft. Sie zählte zu den bedeutendsten Autorinnen ihrer Zeit.
Biografie↑
Geboren wurde Dorothy Parker am 22. August 1893 in New Jersey als Dorothy Rothschild. Der Geburtsort wird als Long Branch beziehungsweise West End angegeben. Ihre Mutter Eliza Annie Marston stammte aus Schottland, ihr Vater Jacob Henry Rothschild war deutsch-jüdischer Herkunft. Das Kind verlor die Mutter mit vier Jahren. Der Vater heiratete erneut; auch die Stiefmutter starb früh, 1903. 1912 kam ein Onkel beim Untergang der Titanic ums Leben, seine Frau überlebte in einem Rettungsboot. 1913 starb der Vater.
Erzogen wurde sie in Privatschulen in New Jersey und New York. 1911 zog sie nach New York. Ihren Lebensunterhalt verdiente sie zunächst als Klavierspielerin in einer Tanzschule. Früh begann sie zu schreiben und schickte mit 21 Jahren Manuskripte an Zeitungen und Zeitschriften. 1916 druckte Vanity Fair ihr Gedicht Any Porch. Zwei Jahre später stellte dieselbe Zeitschrift sie als Kritikerin an. Zwischenzeitlich arbeitete sie auch für Vogue.
1917 heiratete sie den Börsenmakler Edwin Pond Parker. Der Erste Weltkrieg trennte das Paar sogleich. Sie machte sich einen Namen als einzige Theaterkritikerin New Yorks und gehörte im Juni 1919 zu den Gründungsmitgliedern jenes literarischen Zirkels im Algonquin Hotel, der bald berühmt wurde. Mit dabei waren ihre Freunde Robert Benchley und Robert E. Sherwood, außerdem Franklin Pierce Adams, Alexander Woollcott, Harold Ross, James Thurber und George Kaufman. In dieser Runde wurde Parker durch ihren Sarkasmus, ihre Ironie und ihre Schlagfertigkeit zur Legende.
1920 entließ Vanity Fair sie: Der beißende Spott ihrer Kritiken galt als nicht mehr tragbar. Nach einem Zwischenspiel beim Film, für den sie Untertitel schrieb, kam sie bei der Zeitschrift Ainslee's unter, die ihr völlige Freiheit ließ. 1922 erschien ihre erste Kurzgeschichte Such a Pretty Little Picture; damit begann ihre Laufbahn als Schriftstellerin.
1924 trennte sie sich von Edwin Parker und wohnte fortan im Algonquin Hotel. Neben Kurzgeschichten schrieb sie nun auch Theaterstücke. Sie gehörte zu den ersten Autoren des New Yorker, der Anfang 1925 erstmals erschien. Auf einer Paris-Reise lernte sie 1926 Ernest Hemingway kennen und freundete sich mit ihm an, obwohl beide die Stellung der Frau in der Gesellschaft sehr verschieden beurteilten. Für den New Yorker und für Life schrieb sie weiter Theaterkritiken und Gedichte. 1926 erschien ihr erster Gedichtband Enough Rope. Die Kritiken waren sehr gut, und das Buch verkaufte sich erfolgreich.
Ab 1927 engagierte sie sich politisch. Sie begeisterte sich für den Sozialismus und setzte sich für die Rechte Benachteiligter ein. Im Oktober 1927 wurde sie Literaturkritikerin des New Yorker und erhielt eine eigene Kolumne unter dem Titel The Constant Reader, die sie bis 1933 führte. 1928 wurde die Ehe mit Edwin Parker geschieden. 1929 erschien die Kurzgeschichte Big Blonde, die den O.-Henry-Preis als beste Kurzgeschichte des Jahres erhielt.
Gegen Ende 1929 zog sie nach Hollywood und unterschrieb bei MGM einen Vertrag als Drehbuchautorin. In den folgenden zehn Jahren entstanden mehrere Drehbücher, viele davon gemeinsam mit Alan Campbell. Diesen hatte sie 1933 auf einer Europareise kennengelernt und später geheiratet. 1936 zählte sie zu den fünf Gründungsmitgliedern der Hollywood Anti-Nazi League. Zusammen mit Robert Carson wurde sie 1937 für das Drehbuch zu dem Film Ein Stern geht auf für den Oscar nominiert. Im selben Jahr ging sie als politische Korrespondentin in den Spanischen Bürgerkrieg. In den 1940er Jahren schrieb sie weiter Kurzgeschichten, die in Zeitschriften und bei Viking Press auch gesammelt erschienen.
Die Ehe mit Campbell wurde 1947 geschieden. 1950 heirateten die beiden erneut und lebten bis zu Campbells Tod im Juni 1963 mehr oder weniger eng zusammen. In den 1950er Jahren, zur Zeit der McCarthy-Verfolgungen, geriet Parker unter Kommunismusverdacht und wurde mehrfach vom FBI verhört. Die Hollywood-Studios setzten sie auf eine schwarze Liste, Drehbücher konnte sie nicht mehr schreiben.
Ab September 1952 lebte sie wieder in New York. Zusammen mit Arnaud d'Usseau erarbeitete sie dort das Theaterstück Ladies im Hotel, das im Oktober 1953 Premiere hatte, aber wenig Erfolg fand. Im April 1958 erhielt sie den Marjorie Peabody Waite Award des National Institute of Arts and Letters; im Mai 1959 wurde sie dort Mitglied. Im Frühjahr 1961 zog sie noch einmal nach Los Angeles, arbeitete mit Campbell am Drehbuch zu The Good Soup und bekam einen Lehrauftrag an der California State University. Anfang 1964 kehrte sie endgültig nach New York zurück. Ihre letzte Kurzgeschichte erschien im November 1964 in der Zeitschrift Esquire. Am 7. Juni 1967 starb sie einsam in ihrem New Yorker Hotelzimmer an einem Herzinfarkt. Ihren Nachlass vermachte sie Martin Luther King und der National Association for the Advancement of Colored People.
Literarische Merkmale↑
Kennzeichnend für Dorothy Parkers Schreiben ist der scharfe Spott. Sarkasmus, Ironie und Schlagfertigkeit machten sie im Algonquin-Kreis zur Legende, und dieselbe Schärfe prägte ihre Kritiken so stark, dass Vanity Fair sie 1920 deshalb entließ.
Ihre Themen holte sie sich aus dem Alltag: Sie schrieb über den Kampf zwischen Mann und Frau und zeigte dafür Szenen aus dem Leben von Frauen aus allen Bildungsschichten. Daneben beschäftigte sie die Stellung von Minderheiten in der Gesellschaft. Sie arbeitete in mehreren Formen zugleich, in Gedichten, Kurzgeschichten und Theaterstücken, und dazu über Jahrzehnte in der Kritik und im Drehbuch.
Rezeption↑
Zu ihren Lebzeiten fand Dorothy Parker rasch Anerkennung. Ihr erster Gedichtband Enough Rope von 1926 erhielt sehr gute Kritiken und wurde zugleich ein kommerzieller Erfolg. Die Kurzgeschichte Big Blonde wurde 1929 mit dem O.-Henry-Preis als beste Kurzgeschichte des Jahres ausgezeichnet.
Auch das Kino nahm sie wahr: 1937 wurde sie gemeinsam mit Robert Carson für das Drehbuch zu Ein Stern geht auf für den Oscar nominiert. Später kam die Ehrung von anderer Seite. 1958 erhielt sie den Marjorie Peabody Waite Award des National Institute of Arts and Letters, dessen Mitglied sie im Mai 1959 wurde.
Dazwischen lag jedoch der Bruch der McCarthy-Jahre: Der Kommunismusverdacht brachte sie auf die schwarze Liste der Hollywood-Studios und beendete ihre Arbeit als Drehbuchautorin. Nicht alles gelang: Das Theaterstück Ladies im Hotel von 1953 blieb ohne größeren Erfolg. Welchen Rang sie dennoch behielt, zeigte sich nach ihrem Tod, als das Time Magazine ihr eine ganze Seite widmete. Sie wird zu den bedeutendsten Autorinnen ihrer Zeit gerechnet.
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