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Das Lexikon der klassischen Literatur
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Autoreneintrag · Božena Němcová
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Porträt Božena Němcová
Božena Němcová
1820 – 1862
– Autorenporträt –

Božena Němcová

1820 – 1862 · 41 Jahre

Tschechische Schriftstellerin und Märchensammlerin, deren Roman „Babička“ zu den bekanntesten Klassikern der tschechischen Literatur zählt.

Kurzbiografie↑

Zu den bekanntesten Klassikern der tschechischen Literatur zählt der Roman Babička (Die Großmutter), und geschrieben hat ihn Božena Němcová. Geboren 1820 in Wien, gestorben 1862 in Prag, war sie eine tschechische Schriftstellerin und Sammlerin von Volksmärchen. Sie führte zahlreiche Märchen und Sagen in die tschechische Literatur ein und gehörte in Prag zum Kreis der tschechischen Nationalbewegung. Ihr Werk Babička gilt heute als eines der wichtigsten der tschechischen Nationalliteratur.


Biografie↑

Über die genauen Umstände ihrer Geburt herrscht Unklarheit. Üblicherweise wird angeführt, sie sei am 4. Februar 1820 in Wien als Barbara Nowotny zur Welt gekommen, uneheliche Tochter der Theresia Nowotny, und am folgenden Tag in der Alserkirche getauft worden. Im Sommer 1820 kam die Mutter mit dem Kind nach Ratibořice auf die Herrschaft Nachod, die damals der Herzogin Wilhelmine von Sagan gehörte. Dort wurde sie im Schloss als Wäscherin angestellt. Im August 1820 heiratete Theresia den herrschaftlichen Kutscher Johann Pankl, der aus Niederösterreich stammte; dadurch wurde die Geburt des Kindes legitimiert. In der Forschung ist umstritten, ob 1820 tatsächlich das Geburtsjahr ist: Gestützt auf Schulbücher und Němcovás eigene Briefe wird angenommen, dass sie früher geboren wurde. Die Historikerin Helena Sobková führt das Jahr 1816 an, der Němcová-Forscher Jaroslav Šůla 1818.

Von 1824 bis 1830 besuchte sie die Schule in Česká Skalice. Danach kam sie für etwa drei Jahre in die Familie des Schlossverwalters Augustin Hoch in Chvalkovice, um ihre Allgemeinbildung zu vertiefen, ihr Deutsch zu verbessern und Klavier, Handarbeit und Manieren zu erlernen. Anschließend kehrte sie nach Ratibořice zurück.

Im Jahr 1837 heiratete sie auf Drängen ihrer Mutter den Finanzbeamten Josef Němec, einen tschechischen Patrioten, der ihr nationales Bewusstsein entscheidend prägte. Die Ehe war nicht glücklich, was auch mit den ständigen finanziellen Schwierigkeiten der Familie zusammenhing. Josef Němec galt als wenig diensteifrig, fiel aber durch seine nationalistischen Aktivitäten bei den Vorgesetzten unangenehm auf. Der berufliche Aufstieg blieb aus, und die Familie musste häufig den Dienstort wechseln. In den ersten fünf Ehejahren gebar Němcová vier Kinder, jedes in einer anderen Stadt: 1838 kam Sohn Hynek in Josefov zur Welt, 1839 Sohn Karel in Litomyšl, 1841 Tochter Theodora in Polná und 1842 Sohn Jaroslav in Prag.

In der böhmischen Hauptstadt lernte sie führende Mitglieder der tschechischen Nationalbewegung kennen, darunter František Palacký und Václav Bolemír Nebeský. Unter deren Einfluss begann sie zu schreiben und nahm den tschechischen Vornamen Božena an. Zwischen 1843 und 1847 lebte die Familie in Domažlice, danach kurz in Všeruby und Nymburk. Als Josef Němec 1850 nach Ungarn versetzt wurde, weigerte sich seine Frau, ihm zu folgen, und übersiedelte nach Prag, auch um den Kindern den Besuch tschechischer Schulen zu ermöglichen. 1856 wurde Josef Němec nach einem Veruntreuungsverdacht an seiner Dienststelle in Villach zwangspensioniert und kehrte zur Familie zurück. Es kam zu Auseinandersetzungen und sogar zu gewalttätigen Ausbrüchen. Zweimal floh Němcová aus der gemeinsamen Wohnung; nach dem zweiten Mal verweigerte sie alle Versöhnungsversuche und zog 1861 nach Litomyšl.

In den Jahren 1842 bis 1845 schrieb sie vor allem Märchen und Gedichte. Ihr erster veröffentlichter Text war 1843 das national gestimmte Gedicht An die tschechischen Frauen (Ženám Českým). Aus dieser Zeit stammt auch das Märchen Über Aschenputtel (O Popelce), das 1973 unter dem Titel Drei Haselnüsse für Aschenbrödel in Koproduktion zwischen der ČSSR und der DDR verfilmt wurde. Ab 1845 veröffentlichte sie die Reisebilder aus der Gegend von Taus (Obrazy z okolí domažlického) sowie viele Erzählungen und mehrere Folgen von Märchen und Sagen, die sie gesammelt und in die tschechische Literatur eingeführt hatte. Ihr berühmtestes Werk ist Babička (Großmutter), das 1855 erschien und Eindrücke aus ihrer Kindheit in Böhmen unter der Obhut der Großmutter schildert.

Ihren Mann besuchte sie mehrmals für längere Zeit in Ungarn. 1857 und 1858 sammelte sie Märchen in slowakischer Sprache (Slovenské pohádky). Das war für eine Tschechin ungewöhnlich, da das Slowakische damals von vielen ihrer Landsleute nicht als eigenständige Sprache betrachtet wurde. Božena Němcová starb 1862 nach schwerer Krankheit. Sie wurde unter großer Anteilnahme auf dem Ehrenfriedhof Slavín nahe der Prager Burg Vyšehrad beigesetzt. Bemerkenswert ist dies, weil sie ihre letzten Lebensjahre verlassen und verarmt in Prag verbrachte und keine der bedeutenden Persönlichkeiten, die ihrem Sarg nachgingen, sich in dieser Zeit ihrer angenommen hatte.


Literarische Merkmale↑

Charakteristisch für ihr Schaffen ist die enge Verbindung von literarischem Schreiben und volkskundlichem Sammeln. Sie trug Märchen und Sagen zusammen und führte sie in die tschechische Literatur ein. Neben Märchen und Gedichten verfasste sie Erzählungen und Reisebilder. In ihrem bekanntesten Werk Babička verarbeitete sie eigene Kindheitseindrücke aus Böhmen. Ihr Schreiben war zugleich national geprägt: Schon ihr erster veröffentlichter Text, das Gedicht An die tschechischen Frauen, war national gestimmt.


Rezeption↑

Fortdauernde Wirkung zeigt sich vor allem an ihrem Roman Babička, der heute als eines der wichtigsten Werke der tschechischen Nationalliteratur gilt. Ihr Name lebt auch in weiteren Formen fort: 1868 wurde das Božena-Němcová-Theater gegründet, das im Gebäude des vormaligen Stadttheaters Franzensbad spielte. Das Märchen Über Aschenputtel wurde 1973 als Drei Haselnüsse für Aschenbrödel verfilmt; dieser Film ist seit Jahren fester Bestandteil des Weihnachtsprogramms im öffentlich-rechtlichen Fernsehen und gilt vielen als Kultfilm. Als Frau, die sich um ein eigenständiges Leben und um die Loslösung von den Konventionen ihres Jahrhunderts bemühte, gilt sie als ihrer Zeit weit voraus.

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